Zwei Prognoseanhebungen binnen weniger Monate, ein Kursziel, das deutlich über dem Rekordhoch liegt — bei ASML überholen sich die guten Nachrichten derzeit selbst. Der niederländische Chipausrüster hat mit seinen Zahlen zum zweiten Quartal nicht nur die eigenen Erwartungen übertroffen, sondern auch die Messlatte für die kommenden Jahre höher gelegt.
Der Umsatz kletterte im zweiten Quartal auf 9,33 Milliarden Euro und übertraf damit die Markterwartungen. Die Aktie zog im Sog der Zahlen Richtung Rekordhoch bei 1.741 Euro an. Damit setzt sich ein Muster fort, das schon die Bilanz zum ersten Quartal andeutete — allerdings mit einem Unterschied: Während die Q1-Daten im April an der Börse noch verhalten aufgenommen wurden, reagierte der Markt nun deutlich positiver.
Der Blick geht Richtung 2028
Die US-Bank JPMorgan bestätigte ihre Einstufung „Overweight“ mit einem Kursziel von 1.900 Euro. Analyst Sandeep Deshpande verwies dabei weniger auf die aktuellen Zahlen als auf den angekündigten Kapazitätsausbau für 2027 und 2028. Die Ziele, die ASML für diese Jahre in Aussicht stellt, liegen nach seiner Einschätzung über seiner bisherigen Erwartung — die zuvor schon die höchste am Markt war.
Für den Analysten folgt daraus eine klare Schlussfolgerung: Die Gewinnerwartungen des Marktes für 2028 dürften derzeit deutlich zu niedrig liegen. Auch für den laufenden Konsens zum Gesamtjahr 2026 rechnet er mit spürbaren Aufwärtsrevisionen.
Der Rückenwind kommt letztlich aus einer einfachen Rechnung: Die milliardenschweren Investitionen der Chip- und KI-Branche in neue Fertigungskapazitäten landen fast zwangsläufig bei ASML, dem einzigen Hersteller der für moderne Chipproduktion nötigen Lithografie-Maschinen. Je aggressiver die Ausbaupläne der Kunden, desto länger die Auftragsbücher der Niederländer.
Mit dem angehobenen Ausblick für 2027 und 2028 hat ASML die Latte für die eigene künftige Berichtssaison spürbar höher gelegt. Ob der Markt diese Erwartungen in den kommenden Quartalen tatsächlich einpreist, dürfte sich an der Entwicklung des Kapazitätsausbaus bei den großen Chipherstellern entscheiden.
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