ASML hebt die Jahresprognose zum zweiten Mal in Folge an. Die Kunden bestellen schneller, als der niederländische Lithografie-Riese liefern kann. Der Markt reagiert prompt: Die Aktie schließt am Mittwoch 3,95 Prozent höher.

Der Kurs von 1.580,80 Euro bestätigt einen Trend, der schon länger läuft. ASML ist damit Europas wertvollster börsennotierter Konzern. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von knapp 60 Prozent, auf Zwölfmonatssicht hat sich der Kurs mehr als verdoppelt.

Kundenaufträge treiben die neue Prognose

ASML rechnet jetzt mit einem Jahresumsatz zwischen 43 und 45 Milliarden Euro. Die alte Spanne lag bei 36 bis 40 Milliarden Euro. Auch die Bruttomarge steigt in der Prognose: von zuvor 51 bis 53 Prozent auf jetzt 54 bis 56 Prozent.

CEO Christophe Fouquet nennt den Grund direkt: Die Kunden würden ihre Kapazitätspläne weiter beschleunigen. Das schlage sich in konkreten Bestellungen über das gesamte Produktportfolio nieder. ASML gewinne dadurch deutlich mehr Sichtbarkeit auf die langfristige Nachfrage.

Für das dritte Quartal peilt ASML einen Umsatz zwischen 11 und 12 Milliarden Euro an. Das liegt klar über der Analystenschätzung von rund 10,37 Milliarden Euro. Die Bruttomarge soll in diesem Zeitraum zwischen 55 und 57 Prozent liegen.

Um die Nachfrage zu bedienen, baut ASML seine Fertigungskapazität aus. Bei Low-NA-EUV- und DUV-Immersionssystemen plant der Konzern für 2027 ein Plus von etwa 30 Prozent. Eine weitere Kapazitätserweiterung für 2028 prüft das Management bereits.

Banken erhöhen reihenweise die Kursziele

Die Zahlen lösen eine Welle an Analystenreaktionen aus. Goldman Sachs, J.P. Morgan, Oddo BHF und Barclays bestätigen ihre Kaufempfehlungen. Jefferies bleibt vorsichtiger bei einem neutralen Rating. Wells Fargo hebt das Kursziel deutlich an: von 1.750 auf 2.200 Dollar, bei weiterhin positiver Einstufung.

Nicht jeder Beobachter sieht in der Rally noch viel Luft nach oben. Morningstar verweist auf die inzwischen anspruchsvolle Bewertung der Aktie. Selbst nach dem starken Quartal bleibe ASML ein teures Papier – auch wenn die aktualisierten langfristigen Prognosen die geplanten Kapazitätsausbauten für 2027 und 2028 bereits einpreisen.

China bleibt ein Unsicherheitsfaktor

Ein Thema begleitet die Wachstumsgeschichte weiterhin: die Abhängigkeit von China. Für 2026 erwartet ASML, dass chinesische Kunden rund 20 Prozent des Umsatzes ausmachen. Das ist ein niedrigerer Anteil als in früheren Jahren, absolut gesehen wächst der China-Umsatz aber weiter mit dem Gesamtgeschäft.

US-geführte Exportbeschränkungen verbieten ASML schon jetzt den Verkauf von EUV-Anlagen und den fortschrittlichsten DUV-Maschinen nach China. Weitere geplante Beschränkungen könnten künftig auch einfachere DUV-Systeme für chinesische Chiphersteller betreffen.

Wo die Aktie jetzt steht

Trotz der Rally bleibt der Kurs rund 9,6 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 1.748 Euro, erreicht am 30. Juni. Über dem 50-Tage-Durchschnitt von 1.496,22 Euro liegt die Aktie um 5,65 Prozent. Der RSI von 51,7 signalisiert neutrales Terrain – der Markt hat sich noch nicht entschieden, ob die Prognoseanhebung eine neue Kursphase einläutet oder die teure Bewertung an ihre Grenzen stößt.

Der nächste wichtige Test kommt von außen: die Quartalszahlen von TSMC. Als Gradmesser für die Investitionspläne der Chipbranche dürften sie direkten Einfluss auf ASMLs Auftragsbuch haben.