Der weltweite Boom bei künstlicher Intelligenz treibt die Nachfrage nach modernster Halbleitertechnik unverändert an. Für ASML-Vorstandschef Christophe Fouquet handelt es sich bei dieser Entwicklung um keine Spekulationsblase.

In einem Gespräch mit der Financial Times betonte der Manager die anhaltende Dynamik, äußerte zugleich jedoch deutliche Bedenken hinsichtlich der geopolitischen Rahmenbedingungen. Im Handel legte die ASML-Aktie heute um 2,0 Prozent auf 1.557,80 Euro zu.

Fouquet sieht in den westlichen Exportkontrollen gegenüber China ein erhebliches Risiko für unbeabsichtigte Nebeneffekte. Werde der Zugang zu fortschrittlicher Halbleiterausrüstung zu stark beschnitten, könne dies die chinesische Innovationskraft unfreiwillig beschleunigen. Statt den technologischen Fortschritt zu bremsen, drohe der politische Druck das Land mittelfristig zu einem noch schlagkräftigeren Wettbewerber auf dem Weltmarkt zu formen.

Im Fokus der Handelsbeschränkungen stehen insbesondere die hochkomplexen EUV-Lithografiesysteme, bei denen ASML eine weltweite Monopolstellung einnimmt. Chinesische Konzerne wie Huawei treiben unterdessen die Entwicklung eigener Fertigungsanlagen voran. Auf dem Heimatmarkt hielt sich die Nachfrage zuletzt zurück: Die europäische Chipindustrie kaufte im laufenden Jahr keine neuen EUV-Anlagen.

Ein komplexes Netzwerk von Zulieferern

Hinter der technologischen Spitzenstellung von ASML steht ein über Jahrzehnte gewachsenes Gefüge. Der Konzern blickt inzwischen auf 42 Jahre Unternehmensgeschichte zurück und steuert ein Netz von rund 2.000 Partnerunternehmen. Diese enge Verzahnung verdeutlicht, wie anspruchsvoll die Fertigung der Lithografiemaschinen ist und welche enormen Eintrittsbarrieren für neue Marktteilnehmer bestehen.

Auch die Partnerunternehmen von ASML bauen ihre Kapazitäten international weiter aus. So investiert die staatliche niederländische Gesellschaft Invest International 15 Millionen Euro in den Zulieferer KMWE International, um unter anderem eine Produktionserweiterung in Malaysia zu finanzieren. Der Schritt unterstreicht die Bestrebungen, die industrielle Basis über verschiedene Standorte hinweg abzusichern.

Rückkäufe stützen den Kursverlauf

Neben den langfristigen Marktchancen stützt der Halbleiterausrüster seine Notierung weiterhin über den Kapitalmarkt. Im Rahmen des am 28. Januar angekündigten Programms erwarb ASML in der vergangenen Woche erneut eigene Anteile über die Börse. Mit einem Kursplus von 69 Prozent seit Jahresbeginn zählt das Papier ohnehin zu den stärksten Werten des europäischen Technologiesektors.