Die Nachfrage nach hochmodernen Halbleitern zwingt die Chipindustrie zu massiven Vorabinvestitionen. Bei ASML schlägt sich dieser Trend in einer bemerkenswerten Auslastung nieder: Für den niederländischen Ausrüster zeichnet sich eine Verknappung der Fertigungskapazitäten über Jahre hinweg ab.

Am vergangenen Freitag legte die Aktie im Handel um 2,3 Prozent auf 1.456,80 Euro zu. Dieser Kurszuwachs spiegelt für mich die Zuversicht wider, mit der die Marktteilnehmer auf die langfristige Wachstumsdynamik des Konzerns blicken.

Volle Auftragsbücher bis weit in die Zukunft

Die Dimensionen, über die derzeit gesprochen wird, unterstreichen die Ausnahmestellung des Konzerns. Laut Berichten von Reuters prüft ASML Wege, um im Jahr 2028 mehr als 110 EUV-Anlagen zu fertigen. Dies ging aus einem Treffen von JPMorgan-Analysten mit dem Finanzvorstand des Unternehmens hervor.

Für das Jahr 2027 seien die Kapazitäten für bestehende EUV-Maschinen demnach bereits nahezu vergriffen. Während das Management für 2027 von einer Fertigung von mindestens 80 Systemen ausgeht, wird für 2028 ein Anstieg um 30 Prozent angepeilt.

Diese Zahlen verdeutlichen nach meiner Einschätzung den enormen Druck, unter dem die weltweiten Chiphersteller stehen. Wenn die modernsten Lithografiesysteme auf Jahre hinaus verplant sind, sichert das ASML eine Visibilität, um die viele andere Industrieunternehmen die Niederländer beneiden dürften.

Der KI-Boom hat die Nachfrage der Kunden grundlegend verändert. Schwergewichte wie TSMC und Samsung haben sich bereits verpflichtet, auf die nächste Maschinengeneration mit High-NA-EUV zu setzen.

Zusätzlich treibt ASML die Zusammenarbeit mit führenden Chipproduzenten für Werkzeuge voran, die speziell auf größere Rechenzentrumschips zugeschnitten sind, wie sie unter anderem Nvidia entwirft. Unterm Strich wandelt sich ASML damit endgültig vom zyklischen Ausrüster zum unverzichtbaren Taktgeber der gesamten Branche. Wer künftig führende KI-Beschleuniger bauen will, kommt an den Systemen aus Veldhoven schlicht nicht vorbei.

Bauprojekte sichern den operativen Spielraum

Dass solche ambitionierten Ziele nicht ohne beträchtliche Investitionen in die eigene Infrastruktur erreichbar sind, liegt auf der Hand. Am 8. September begann ASML mit dem Bau eines neuen Produktionscampus im niederländischen Eindhoven. Die erste Phase dieses Projekts soll bis 2029 fertiggestellt sein und neuen Raum für die Maschinenmontage bieten.

Dieser Schritt spricht für einen vorausschauenden Ausbau. Die Ausweitung der Fertigungskapazitäten ist die zwingende Voraussetzung dafür, um die prognostizierten Stückzahlen für 2028 und die Folgejahre operativ überhaupt bewältigen zu können.

Parallel zu den Investitionen in Steine und Werkshallen nutzt der Konzern liquide Mittel für die Pflege der eigenen Anteilsscheine. Nach Unternehmensangaben kaufte ASML in der Handelswoche vom 7. bis zum 11. September im Rahmen des laufenden Aktienrückkaufprogramms weitere eigene Papiere an der Börse zurück.

Hohe Erwartungen fordern fehlerfreie Umsetzung

Trotz des intakten Branchentrends sollten Anleger die Risiken dieser gigantischen Expansionspläne nicht ignorieren. Mit einem Plus von 58 Prozent seit Jahresanfang hat das Papier bereits erhebliche Vorschusslorbeeren eingepreist.

Der Ausbau der Fertigung komplexester High-NA-Systeme bindet gewaltige Ressourcen und verzeiht kaum Verzögerungen in der Lieferkette. Sollten sich Abnahmen durch Großkunden verschieben oder bauliche Meilensteine verzögern, könnte der Markt empfindlich reagieren.

Für mich überwiegen derzeit dennoch die strukturellen Chancen. ASML agiert in einem technologischen Monopol bei den modernsten Belichtungsanlagen. Das Bestreben, die EUV-Produktion bis 2028 auf über 110 Einheiten hochzufahren, dokumentiert kein spekulatives Vorpreschen, sondern reagiert auf die vertraglich untermauerte Nachfrage der globalen Halbleiterelite. Solange der Ausbau der Rechenzentren weltweit anhält, bleibt ASML das unverzichtbare Fundament dieser Entwicklung.