Der niederländische Handelsminister Sjoerd Sjoerdsma reist heute nach Peking. Im Gepäck hat er hochrangige Vertreter von ASML. Die Chip-Diplomatie zwischen Europa, den USA und China erreicht damit eine kritische Phase.

Bedingungen für die Reise

Die diplomatische Mission birgt enormes Konfliktpotenzial. Die Unternehmensvertreter stellten im Vorfeld harte Bedingungen für ihre Teilnahme. Sjoerdsma darf weder Menschenrechtsverletzungen noch Waffenverkäufe an Taiwan thematisieren. Erst nach dieser Zusage stimmte die Industrie zu. Neben ASML reist auch NXP mit. Vertreter des Konkurrenten Nexperia fehlen in der 17-köpfigen Delegation.

Washington macht derweil massiv Druck auf die Niederlande. Im Juni trat Den Haag einer US-geführten Chip-Allianz bei. Zuvor wehrte sich Sjoerdsma in den USA erfolglos gegen den sogenannten MATCH Act. Dieses Gesetz könnte ASML den Verkauf und die Wartung älterer Maschinen in China verbieten.

Das hochmoderne Equipment des Konzerns unterliegt bereits seit 2019 einem Exportbann. Die nun bedrohten älteren Anlagen machen rund ein Fünftel des erwarteten Jahresumsatzes aus. Die Lage verschärft sich zusehends. Kürzlich wies ASML US-Vorwürfe über angebliche illegale Lieferungen nach China kategorisch zurück.

Globale Lieferketten in Gefahr

Ein Wartungsstopp in China hätte weitreichende Folgen. Ohne laufende ASML-Maschinen droht ein Stillstand in weiten Teilen der globalen Chip-Produktion. Ein ähnliches Szenario spielte sich im vergangenen Jahr ab. Damals blockierte Peking den Export von Nexperia-Chips. Die Folge: Autobauer weltweit meldeten innerhalb weniger Wochen massive Engpässe.

An der Börse ignorieren Investoren die politischen Risiken bislang weitgehend. Die ASML-Aktie notiert aktuell bei 1.618,40 Euro. Seit Jahresbeginn verzeichnet das Papier ein Plus von knapp 64 Prozent.

Die langfristige Aufwärtsdynamik bleibt intakt. Der Kurs liegt etwa 40 Prozent über seinem 200-Tage-Durchschnitt. Eine hohe annualisierte Volatilität von fast 63 Prozent signalisiert jedoch eine beträchtliche Nervosität im Markt.

Die laufende Reise liefert nun konkrete Impulse für den Handel. Signale zu künftigen Wartungsrechten für bestehende Maschinen könnten den Aktienkurs direkt bewegen. Die Reaktionen der chinesischen Regierung in den kommenden vier Tagen geben die nächste Marschroute für den gesamten Sektor vor.