Liebe Leserinnen und Leser,
13,2 Milliarden Euro – diese Zahl hat heute die Halbleiterbranche elektrisiert. ASML, der niederländische Chipausrüster, meldete einen Auftragseingang, der selbst optimistische Analysten sprachlos machte. Fast doppelt so hoch wie erwartet. Gleichzeitig kündigte Amazon an, 16.000 Stellen zu streichen – die zweite massive Entlassungswelle binnen drei Monaten. Und der S&P 500? Der durchbrach erstmals in seiner Geschichte die 7.000-Punkte-Marke. Drei Schlagzeilen, die auf den ersten Blick nicht zusammenpassen. Doch sie erzählen dieselbe Geschichte: Die Märkte belohnen nicht mehr Wachstum um jeden Preis, sondern operative Exzellenz in einer Welt, in der KI die Spielregeln neu schreibt.
Die ASML-Paradoxie: Rekordauftrag trifft auf Gewinnmitnahmen
Als die ASML-Aktie heute Vormittag um über fünf Prozent nach oben schoss und kurzzeitig die 1.300-Euro-Marke durchbrach, schien alles nach Plan zu laufen. Der Chipausrüster hatte nicht nur Rekordumsätze im Schlussquartal gemeldet, sondern vor allem einen Auftragseingang präsentiert, der alle Erwartungen pulverisierte. 13,2 Milliarden Euro – Analysten hatten mit der Hälfte gerechnet.
Doch dann kam die Analystenkonferenz. Und mit ihr die Fragen: Kann ASML seine Produktionskapazitäten schnell genug hochfahren, um diese Nachfrage zu bedienen? Plötzlich kippte die Stimmung. Die Aktie drehte ins Minus, verlor zeitweise über zwei Prozent. Ein klassischer Fall von „Buy the rumor, sell the news“ – mit einem Twist. Denn die Sorge der Investoren ist berechtigt: Wenn der einzige Hersteller von EUV-Lithografie-Maschinen nicht liefern kann, droht ein Engpass, der die gesamte KI-Lieferkette lahmlegen könnte.
ASML selbst gibt sich gelassen. CEO Christophe Fouquet betonte, dass die Kunden ihre mittelfristigen Kapazitätspläne deutlich ausgeweitet hätten – getrieben von der Erwartung einer nachhaltigen KI-Nachfrage. Für 2026 peilt das Unternehmen Umsätze zwischen 34 und 39 Milliarden Euro an. Zum Vergleich: 2025 waren es knapp 33 Milliarden. Und als Sahnehäubchen kündigte ASML einen Aktienrückkauf von bis zu 12 Milliarden Euro bis Ende 2028 an.
Für deutsche Anleger bleibt die Botschaft eindeutig: Die KI-Infrastruktur-Wette ist intakt. Infineon profitierte mit einem Kurssprung von über zwei Prozent, Jenoptik legte zeitweise sieben Prozent zu. Wer auf die Zulieferer der Chip-Giganten setzt, dürfte weiter auf der Gewinnerseite stehen – solange die Produktionskapazitäten mithalten.
Amazon und der Bürokratie-Kahlschlag: Wenn KI Hierarchien frisst
16.000 Jobs. Bei einem Konzern mit 1,58 Millionen Mitarbeitern klingt das nach einem Rundungsfehler. Doch die Zahl täuscht. Denn Amazon zielt gezielt auf Verwaltungsebenen, die CEO Andy Jassy als „Bürokratie-Ballast“ bezeichnet. Es ist die zweite große Entlassungswelle binnen drei Monaten – im Oktober waren bereits 14.000 Stellen gestrichen worden.
Die offizielle Begründung: Hierarchiestufen reduzieren, Eigenverantwortung erhöhen, Tempo steigern. Die unausgesprochene Wahrheit: Künstliche Intelligenz übernimmt zunehmend Aufgaben, die bisher Middle Management erledigt hat. Jassy hatte bereits im vergangenen Jahr gewarnt, dass KI die Belegschaft langfristig schrumpfen lassen werde. Jetzt macht er Ernst.
Für Mitarbeiter in den USA bedeutet das: 90 Tage Zeit, um intern eine neue Position zu finden. Wer scheitert, erhält Abfindungen und Übergangsunterstützung. Außerhalb der USA gelten lokale Regelungen. Die Aktie? Reagierte mit einem halben Prozent Plus. Die Märkte interpretieren den Schritt als Effizienzgewinn, nicht als Schwächezeichen.
Parallel dazu macht Amazon seine kassenlosen Mini-Supermärkte „Amazon Go“ dicht – alle 14 Standorte. Die Technologie sei zwar ausgereift und werde von anderen Händlern genutzt, für Amazons eigenes Ladennetz habe man aber kein skalierbares Geschäftsmodell gefunden. Auch die Amazon-Fresh-Supermärkte werden massiv zurückgefahren. Stattdessen will der Konzern auf die übernommene Whole-Foods-Kette setzen.
Die Botschaft für Anleger: Amazon fokussiert sich neu. Weg von experimentellen Retail-Formaten, hin zu Cloud, KI und Logistik-Automatisierung. Das ist kein Rückzug, sondern strategische Konzentration.
S&P 500 durchbricht 7.000: Die Reise von Tausender zu Tausender wird immer schneller
Es dauerte etwa drei Jahre, bis der S&P 500 von 4.000 auf 5.000 Punkte kletterte. Von 5.000 auf 6.000? Nur noch neun Monate. Und jetzt, keine drei Monate später, fiel die 7.000er-Marke. Die Beschleunigung ist verblüffend – und wirft Fragen auf.
Treiber ist einmal mehr die Tech-Branche, die fast 50 Prozent des Index ausmacht. Nvidia, Microsoft, Alphabet – sie alle profitieren von der Erwartung, dass KI-Investitionen sich in handfeste Umsätze verwandeln. Der südkoreanische Speicherchip-Hersteller SK Hynix lieferte heute weitere Munition: Das operative Ergebnis im Schlussquartal übertraf die Prognosen um fast 15 Prozent. Der globale KI-Boom heizt die Nachfrage nach Speicherchips weiter an.
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Doch es gibt auch Gegenwind. Die Fed wird am Abend ihren Zinsentscheid verkünden – eine Änderung gilt als ausgeschlossen. Spannender wird die Pressekonferenz von Jerome Powell. Denn im Hintergrund schwelt ein politischer Konflikt: Die Trump-Administration hat eine Untersuchung gegen den Fed-Chef eingeleitet und versucht, Gouverneurin Lisa Cook zu entlassen. Powells Amtszeit endet im Mai – und es ist unklar, ob er sich in seinen letzten Wochen politisch deutlicher positionieren wird.
Für europäische Anleger kommt ein weiterer Faktor hinzu: Der Dollar schwächelt massiv. Trump bezeichnete die jüngste Abwertung als „großartig“ – ein Signal, das die Märkte als Freibrief für weitere Dollar-Verkäufe interpretierten. Der Euro kletterte zeitweise über 1,20 Dollar, Gold erreichte neue Allzeithochs über 5.270 Dollar je Unze. Auch in Euro ist das Edelmetall so teuer wie nie.
Die Deutsche Bank hält nun einen Goldpreis von 6.000 Dollar noch in diesem Jahr für möglich. Die Begründung: geopolitische Unsicherheit, Dollar-Schwäche und Zentralbankkäufe. Polen wird als aktiver Käufer ausgemacht – ein Trend, der sich fortsetzen dürfte.
Volkswagen in China: Wenn 20 neue Modelle den dritten Platz verteidigen sollen
Während die Tech-Welt von KI-Euphorie getrieben wird, kämpft Volkswagen in China ums Überleben. Der Konzern rutschte 2025 auf Platz drei der Neuzulassungen ab – hinter BYD und Geely. Der Absatz brach um acht Prozent auf unter 2,7 Millionen Fahrzeuge ein. Die Antwort: eine Modelloffensive historischen Ausmaßes. 20 neue Elektro-Modelle allein in diesem Jahr, 50 bis 2030.
Das erste Modell, der VW ID.Unyx 07, ist gerade angelaufen. Es ist das erste VW-Fahrzeug, das komplett in China entwickelt wurde – inklusive Elektronik-Architektur. Die Strategie „In China, for China“ nimmt damit konkrete Form an. Konzernchef Oliver Blume spricht von einem „Meilenstein“, VW-China-Chef Ralf Brandstätter von der „größten Modelloffensive der Konzerngeschichte“.
Doch die Früchte wird man erst 2027 ernten. Brandstätter räumt ein, dass die neuen Modelle erst nach und nach in den Handel kommen. Bis dahin muss VW sich gegen rund 100 chinesische Hersteller behaupten, die sich einen erbitterten Preiskampf liefern. Immerhin: Brandstätter sieht das Ende der Preisspirale erreicht. „Bis 2025 hatten die Preise nur eine Richtung gekannt: nach unten.“ Er rechnet nicht damit, dass sie weiter fallen – steigen dürften sie aber auch nicht.
Für Anleger bleibt VW eine Gedulds-Aktie. Die neue Plattform soll Kosten um bis zu 50 Prozent senken. Ob das reicht, um gegen BYD und Co. zu bestehen, wird sich zeigen. Die VW-Aktie legte heute 0,73 Prozent zu – ein Zeichen vorsichtiger Hoffnung.
Was die Woche noch bringt
Morgen stehen gleich mehrere Schwergewichte auf der Agenda: SAP legt Jahreszahlen vor, die Deutsche Bank ebenfalls – allerdings überschattet von Durchsuchungen wegen Geldwäsche-Verdachts. Und am Abend wird Apple seine Quartalszahlen präsentieren. Analysten erwarten das stärkste iPhone-Wachstum seit vier Jahren, getrieben von den neuen Pro-Modellen. Spannend wird, wie CEO Tim Cook die Zusammenarbeit mit Google bei KI-Features einordnet – ein strategischer Schwenk, der Apples AI-Strategie fundamental verändert.
Am Freitag dann die deutschen Arbeitslosenzahlen und das BIP für das Schlussquartel – Daten, die zeigen werden, ob Deutschland tatsächlich so glimpflich durch die globalen Turbulenzen gekommen ist, wie manche hoffen.
Eines wird diese Woche überdeutlich: Die Märkte belohnen nicht mehr Umsatzwachstum um jeden Preis, sondern operative Stärke und strategische Klarheit. ASML zeigt, wie man Nachfrage in Profitabilität verwandelt. Amazon demonstriert, wie man Strukturen verschlankt, ohne die Wachstumsstory zu gefährden. Und der S&P 500? Der spiegelt die Überzeugung wider, dass die KI-Wette aufgeht – zumindest für diejenigen, die ihre Hausaufgaben gemacht haben.
Beste Grüße und ein wachsames Auge auf die Quartalszahlen,
Andreas Sommer


