Fast fünf Prozent Kursplus an einem einzigen Handelstag. ASML schließt am Freitag bei 1.628,00 Euro und nähert sich damit wieder dem Rekordhoch. Zwei Kräfte treiben die Aktie: neu aufgeflammte Spekulationen über einen möglichen Aktiensplit und ungebrochener Optimismus bei der Chip-Nachfrage durch Künstliche Intelligenz.
Split-Gerüchte ohne offizielle Bestätigung
Die Rally fällt zusammen mit Kommentaren, die eine Frage aufwerfen: Zieht ASML nach und folgt dem Beispiel von Wettbewerber KLA Corporation, der kürzlich einen Aktiensplit vollzogen hat? Der niederländische Lithografie-Spezialist ist stark ins Jahr gestartet. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 64,73 Prozent zu Buche.
Bei derart hohen nominalen Kursen wächst erfahrungsgemäß das Interesse der Aktionäre an einem Split. Trotzdem bleibt die Sache Spekulation. Ein Split im Jahr 2026 hängt komplett vom Management ab, ein offizielles Signal gibt es bislang nicht. Analysten nennen ASML zwar regelmäßig neben anderen hochpreisigen Technologiewerten als möglichen Kandidaten. Bislang hat aber keines dieser Unternehmen einen Split angekündigt, ein Termin oder Vorstandsbeschluss steht nicht im Raum.
Starke Zahlen stützen den Kurs
Neben der Split-Fantasie liefern die Geschäftszahlen den eigentlichen Grund für die Bewegung. Die Auftragsbücher bleiben prall gefüllt, angetrieben von Speicherchip- und Logik-Kunden. ASML hat seinen Ausblick für 2026 bereits angehoben und rechnet nun mit einem Gesamtumsatz zwischen 36 und 40 Milliarden Euro. Die Bruttomarge soll zwischen 51 und 53 Prozent liegen.
Im ersten Quartal 2026 erzielte der Konzern 8,8 Milliarden Euro Umsatz und 2,8 Milliarden Euro Nettogewinn. Zusätzlichen Rückenwind liefern die Speicherchip-Hersteller. Ihre hohen Investitionspläne kommen ASML zugute, denn moderne Speicherchip-Produktion setzt stark auf EUV-Anlagen.
Die Aktie handelt derzeit rund 13 Prozent über ihrem 50-Tage-Durchschnitt und mehr als 41 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt. Das signalisiert einen klar bullischen Trend, auch wenn die annualisierte Volatilität der letzten 30 Tage mit knapp 63 Prozent hoch bleibt.
China bleibt der entscheidende Unsicherheitsfaktor
Während die Kursrally läuft, bleibt ein Konflikt ungelöst: der Handelsstreit um Chinas Zugang zu ASML-Technologie. Der überparteiliche US-Gesetzentwurf MATCH Act würde die Exportbeschränkungen auf ASMLs DUV-Immersionslithografie-Systeme in China ausweiten. Bislang betrifft das Verbot nur die fortschrittlichsten EUV-Maschinen.
China war 2025 mit einem Umsatzanteil von 33 Prozent der größte Einzelmarkt für ASML. Für 2026 rechnet der Konzern selbst mit einem Rückgang auf etwa 20 Prozent. Wie stark dieser Anteil schwanken kann, zeigt ein Blick zurück: Im dritten Quartal 2025 machte China plötzlich 42 Prozent des Gesamtumsatzes aus, ein Sprung von 27 Prozent im Quartal davor.
Sollte der MATCH Act tatsächlich verabschiedet werden, drohen laut Analysten Folgen, die über den reinen Rückgang der Anlagenverkäufe hinausgehen. Ein vollständiges Verbot von Immersionslithografie-Systemen und den zugehörigen Serviceleistungen in China könnte den Umsatz um rund 14 bis 15 Prozent drücken. Das operative Ergebnis (EBIT) könnte auf Bruttobasis um 16 bis 17 Prozent sinken, so die Einschätzung einer Investmentbank.
Ein Analyst von JPMorgan geht in einem eigenen Szenario davon aus, dass ein vollständiges US-Verbot für den Verkauf und die Wartung fortschrittlicher DUV-Systeme bis zu 10 Prozent vom Gewinn kosten könnte. ASML wehrt sich gegen die geplante Maßnahme über diplomatische Kanäle. Niederländische und chinesische Vertreter sollen sich in naher Zukunft direkt zu Handelsfragen austauschen, während die Debatte in Washington weiterläuft.
Quartalszahlen im Juli als nächster Prüfstein
Für Investoren rückt jetzt ein klarer Termin in den Blick: Im Juli legt ASML seine Quartalszahlen vor. Angesichts der ungeklärten China-Frage dürfte der Bericht erhebliches Gewicht bekommen.
Noch fehlen rund 6,86 Prozent bis zum 52-Wochen-Hoch von 1.748,00 Euro, erreicht am 30. Juni. Ob die Aktie diese Lücke schließt oder nach dem kräftigen Jahresanstieg Gewinnmitnahmen einsetzen, dürfte sich an drei Faktoren entscheiden: den Juli-Zahlen selbst, dem Fortgang des MATCH Act und möglichen Signalen des Managements zur Kapitalverwendung — inklusive der Split-Frage.
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