ASML notiert am Donnerstag bei 1.419,60 Euro und damit deutlich unter den Ständen der vergangenen Wochen. Binnen sieben Tagen verlor die Aktie 3,2 Prozent, auf Monatssicht steht ein Minus von 2,8 Prozent zu Buche.

Vom 52-Wochen-Hoch bei 1.748,00 Euro, erreicht Ende Juni, trennen das Papier mittlerweile 19 Prozent. Der Relative-Stärke-Index von 38,4 signalisiert eine überverkaufte Aktie, ohne dass daraus bereits eine Trendwende folgt.

Auslöser der jüngsten Schwäche war ein Bericht von Bloomberg, wonach das mit Huawei und SiCarrier verbundene chinesische Unternehmen Shanghai Yuliangsheng mit der Serienproduktion von Immersions-DUV-Lithografiesystemen begonnen hat.

Für 2026 sind rund fünf Systeme geplant, 2027 sollen es etwa zwanzig werden – ausgelegt auf die 28-Nanometer-Fertigung im Einzelbelichtungsverfahren. Das Gerät durchläuft laut Bloomberg seit September 2025 Tests bei SMIC, als weitere Kunden gelten Hua Hong Semiconductor und ChangXin Memory Technologies.

Chinesische Konkurrenz relativiert sich bei genauerem Blick

Für ASML sind derartige Ankündigungen keine Neuheit, doch die Nachricht traf die Aktie in einer ohnehin nervösen Marktphase. Zwanzig Scanner im Jahr 2027 ersetzen die Position von ASML nicht: Der niederländische Konzern liefert nach eigenen Angaben jährlich hunderte Lithografiesysteme aus.

Die meisten Komponenten des chinesischen Systems stammen den Berichten zufolge aus heimischer Fertigung, nur wenige Teile werden noch importiert – ein Hinweis darauf, dass sich Chinas Anstrengungen zur technologischen Unabhängigkeit trotz Exportbeschränkungen fortsetzen.

Die fundamentale Verfassung des Unternehmens steht davon unberührt. Am 15. Juli hatte ASML für das zweite Quartal 2026 einen Nettoumsatz von 9,3 Milliarden Euro gemeldet – mehr als das obere Ende der eigenen Prognose. Die Bruttomarge lag bei 54 Prozent und übertraf damit ebenfalls die Erwartungen, getragen von margenstarken Komponenten im Servicegeschäft.

Für das Gesamtjahr 2026 hob ASML die Umsatzprognose auf eine Spanne von 43 bis 45 Milliarden Euro an, gestützt auf eine starke Kundennachfrage. Für das dritte Quartal stellte der Konzern einen Nettoumsatz zwischen 11 und 12 Milliarden Euro in Aussicht.

EUV-Wachstum und Aktienrückkäufe stützen das Bild

Operativ liefert ASML weiterhin ab: Rund 65 Low-NA-EUV-Systeme sollen 2026 ausgeliefert werden, was einem Wachstum der EUV-Systemumsätze von über 45 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspräche.

Zudem hat Intel Foundry die Massenproduktion ausgewählter Intel-Core-Ultra-Series-3-Prozessoren der Reihe „Panther Lake“ auf Basis der Intel-18A-Fertigung aufgenommen – unter Einsatz von ASMLs High-NA-EUV-Systemen. Das unterstreicht, dass die neueste Technologiegeneration bei Kunden ankommt.

Kapitalseitig hält ASML Kurs: Für August wurde eine Zwischendividende von 1,88 Euro je Aktie beschlossen, zahlbar am 5. August. Im Rahmen des Rückkaufprogramms 2026-2028 erwarb der Konzern zudem Aktien im Wert von 1,1 Milliarden Euro – ein Signal, dass das Management den aktuellen Kursrückgang für unbegründet hält.

Mehrere Analysehäuser äußerten sich zuletzt ähnlich. Bank of America bezeichnete ASML am 25. August als Top-Pick und nannte den Ausverkauf ungerechtfertigt. UBS bekräftigte am 31. August ihre Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 2.452 Euro. Beide Einschätzungen datieren aus der zweiten Augusthälfte und spiegeln die Einschätzung wider, dass die operative Stärke des Unternehmens von der Marktreaktion auf die China-Nachrichten überlagert wird.

Der nächste Stimmungstest folgt mit den Quartalszahlen zum dritten Quartal, die für den 14. Oktober erwartet werden.