ASML-Chef Christophe Fouquet hat am Montag Vorwürfe des US-Handelsministeriums zurückgewiesen. Die Behörde hatte behauptet, ein EUV-System des niederländischen Chipausrüsters sei unrechtmäßig nach China gelangt. Fouquet entgegnete, sämtliche Systeme des Unternehmens würden lückenlos nachverfolgt.

Goldman Sachs nimmt ASML in Top-Liste auf

Am selben Tag nahm Goldman Sachs die Aktie in seine europäische Conviction List auf. Die Bank begründete den Schritt mit einer verbesserten Sichtbarkeit bei Kapazitätserweiterungen und einer starken Nachfrage aus den Bereichen Logic und DRAM. Die zeitliche Nähe zur Stellungnahme des Vorstandschefs unterstreicht, wie eng politische Risiken und Geschäftsaussichten bei ASML derzeit verknüpft sind.

Analysten sehen weiteres Potenzial

Bernstein kürte ASML ebenfalls am Montag zur „Top Investment Idea“ für das dritte Quartal 2026 und nannte ein Kursziel von 2.500 Euro. JPMorgan hatte sein Kursziel bereits am 31. Juli von 2.200 auf 2.400 US-Dollar angehoben und die Einstufung „Overweight“ bekräftigt – im Anschluss an die vorgelegten Quartalszahlen und die angehobene Jahresprognose. Auch Citigroup, Susquehanna und Berenberg bestätigten am 31. Juli ihre Kaufempfehlungen und verwiesen dabei auf die höhere Umsatzprognose für 2026.

Wachstumstreiber und Risiken

Im zweiten Quartal 2026 erzielte ASML einen Nettoumsatz von 9,3 Milliarden Euro und einen Nettogewinn von 2,9 Milliarden Euro. Zugleich hob das Unternehmen seine Umsatzprognose für das Gesamtjahr auf eine Spanne von 43 bis 45 Milliarden Euro an. Am 28. Juli erreichte ASML mit dem ersten hochvolumigen Logic-Produkt bei Intel Foundry einen wichtigen Meilenstein für seine High-NA-EUV-Technologie.

Medienberichten zufolge sehen Analysten in einem möglichen „AI-Litho-Density-Supercycle“ einen zentralen langfristigen Wachstumstreiber für ASML. Parallel dazu warnen sie vor Umsatzrisiken durch den US-amerikanischen MATCH Act, der das Servicegeschäft des Unternehmens in China beeinträchtigen könnte. Diese Gegenläufigkeit – starke Nachfrage auf der einen, regulatorischer Druck auf der anderen Seite – dürfte die Debatte um ASML in den kommenden Monaten prägen.

Kursentwicklung und Ausblick

Ende Juli hatten Berichte über ein chinesisches, staatlich gefördertes DUV-Lithografiesystem kurzzeitig für Verunsicherung gesorgt. Am 30. Juli erholte sich die Aktie im US-Handel um 6,8 Prozent, nachdem Anleger Zweifel an der Zuverlässigkeit des chinesischen Systems einpreisten.

Gestern zahlte ASML eine Zwischendividende von 1,88 Euro pro Aktie aus, ein Anstieg von 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Am selben Tag erhöhte die US-Vermögensverwaltung Harbor Investment Advisory ihren ASML-Bestand im zweiten Quartal um 56,6 Prozent.

An der Börse honorieren Anleger die Nachrichtenlage bislang nur verhalten. Die Aktie kostet aktuell 1.473,80 Euro und legt am heutigen Donnerstag um 0,89 Prozent zu. Seit Jahresbeginn steht ASML mit einem Plus von 59,93 Prozent da, notiert aber weiterhin unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt. Am 25. August will das Unternehmen auf der Jefferies-Halbleiterkonferenz in Chicago auftreten – ein weiterer Termin, an dem sich die Einschätzung der Analysten erneut messen lassen muss.