Die Lieferkette von ASML ist Gegenstand europäisch-chinesischer Gespräche. Medienberichten vom Donnerstag zufolge verhandelte die Europäische Union mit China über die Aufhebung von Sanktionen gegen die deutsche Sindlhauser Materials GmbH. Das Unternehmen gehört zur Lieferkette von ASML. Für Anleger eröffnet sich damit neben der Geschäftsentwicklung ein weiterer Beobachtungspunkt: mögliche Entlastungen für einen Zulieferer.
Gespräche sind noch keine Entlastung
Der Bericht beruft sich auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Gegenstand der Verhandlungen war demnach die Aufhebung der Sanktionen. Eine solche Aufhebung ist damit noch nicht vollzogen. Für die Bewertung der Nachricht ist diese Unterscheidung entscheidend: Gespräche über Erleichterungen sind nicht mit einer bereits wirksamen Entlastung gleichzusetzen.
Eine Lockerung könnte für ASMLs Lieferkette relevant werden. Daraus lässt sich aber weder eine konkrete zusätzliche Liefermenge noch ein finanzieller Effekt ableiten. Die Nachricht betrifft zunächst den politischen Rahmen eines Zulieferers, nicht eine Änderung der Geschäftszahlen von ASML.
Sie liefert insbesondere keinen Beleg dafür, dass eine mögliche Sanktionsaufhebung die von ASML beschriebene Angebotslücke schließen würde. Beide Themen berühren die Lieferseite, sind aber nicht als dieselbe Ursache oder dieselbe Lösung zu behandeln.
Hohe Nachfrage trifft auf Liefergrenzen
ASML hatte am Mittwoch mitgeteilt, dass das geplante Angebot die Kundennachfrage sowohl 2027 als auch 2028 nicht vollständig decken werde. Das Unternehmen prüfte deshalb zusätzliche Kapazitätserhöhungen für das spätere der beiden Jahre. Vor diesem Hintergrund verdienen Entwicklungen innerhalb der Lieferkette Aufmerksamkeit, ohne dass daraus bereits eine neue Produktionsprognose folgt.
Die operative Ausgangslage dokumentieren die am Mittwoch veröffentlichten Zahlen: Im dritten Quartal 2026 erzielte ASML einen Umsatz von 11,7 Milliarden Euro und einen Nettogewinn von 5,0 Milliarden Euro.
Zugleich hob das Unternehmen am Mittwoch seinen Jahresausblick an. Für 2026 stellte ASML einen Umsatz zwischen 44 Milliarden und 45 Milliarden Euro in Aussicht.
An der Börse standen diesen Unternehmensmeldungen Belastungen aus dem Gesamtmarkt gegenüber. ASML geriet am Donnerstag im Zuge eines breiteren Ausverkaufs unter Druck. Am Freitag setzte sich der Abverkauf im Technologiesektor fort.
Für Anleger sind damit unterschiedliche Ebenen auseinanderzuhalten: Die Geschäftszahlen beschreiben ASMLs operative Entwicklung. Die Verhandlungen betreffen mögliche Erleichterungen in der Lieferkette. Der breite Verkaufsdruck wiederum spricht dagegen, jede Kursbewegung ausschließlich als Urteil über die Unternehmensmeldungen zu lesen.
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