ASML geriet gestern im Sog des weltweiten Technologie-Ausverkaufs unter Druck: Die Tagesveränderung betrug -6,5%. Reuters berichtete über erneute Sorgen um KI-Ausgaben, die auf US-Aktien lasteten. Für Anleger steht damit die Finanzierung des KI-Ausbaus im Spannungsfeld zur starken Nachfrage nach ASML-Anlagen.

Die Marktstimmung und die Geschäftslage des Unternehmens liefern unterschiedliche Signale. Während Investoren die Tragfähigkeit hoher KI-Investitionen hinterfragen, reicht ASMLs geplantes Angebot nach eigenen Angaben nicht aus, um den Bedarf der Kunden vollständig zu decken. Der Rückgang ist deshalb nicht mit einer gemeldeten Abschwächung der Nachfrage gleichzusetzen.

Kapazitäten begrenzen das Angebot

ASML erklärte am 14. Oktober, dass die geplanten Lieferkapazitäten für 2027 und 2028 hinter der Kundennachfrage zurückbleiben würden. Das Unternehmen prüft deshalb zusätzliche Kapazitätserhöhungen für das letztgenannte Jahr. Eine solche Ausweitung ist damit noch keine beschlossene Maßnahme.

Reuters griff diese Lieferlücke am 15. Oktober auf und verwies zugleich auf starke Auftragseingänge. Das zentrale operative Thema ist somit nicht allein die Gewinnung weiterer Bestellungen. Entscheidend ist auch, in welchem Umfang ASML den vorhandenen Bedarf bedienen kann.

Dazu passt eine weitere Nachricht: Elon Musk, CEO von Tesla und SpaceX, sagte am Dienstag, ASML und andere Ausrüstungslieferanten hätten Lieferungen für das Terafab-Projekt beschleunigt. Den angestrebten Beginn der Chip-Volumenproduktion im dritten oder vierten Quartal 2028 bezeichnete er als äußerst ambitioniert. Daraus lässt sich keine gesicherte Umsatzwirkung für ASML ableiten.

Geschäftszahlen stützen die Nachfrageseite

Für das dritte Quartal 2026 meldete ASML einen Nettoumsatz von 11,7 Milliarden Euro und einen Nettogewinn von 5,0 Milliarden Euro. Diese Ergebnisse bilden den operativen Hintergrund der jüngsten Börsenschwäche.

Die Zahlen und der Kapazitätsausblick sprechen gegen die Interpretation, der Kursrückgang bilde bereits einen vom Unternehmen gemeldeten Nachfrageeinbruch ab. Zugleich schützen volle Auftragsbücher eine Aktie nicht vor Zweifeln an den längerfristigen Erwartungen.

Für das vierte Quartal 2026 stellte ASML einen Nettoumsatz von 14,2–15,2 Milliarden Euro in Aussicht. Diese Prognose bleibt eine Erwartung und ist noch kein realisierter Erlös.

JPMorgan senkt das Kursziel leicht

JPMorgan-Analyst Sandeep Deshpande senkte am 15. Oktober sein Kursziel von 2.400 $ auf 2.350 $. Die übergewichtende Anlageempfehlung behielt er bei.

Die Anpassung verbindet damit ein niedrigeres Kursziel mit einer weiterhin positiven Empfehlung. Für die Einordnung des Rücksetzers bleibt die Trennung entscheidend: ASML meldet Lieferengpässe gegenüber der Kundennachfrage, während am Aktienmarkt die Sorgen um den KI-Investitionszyklus belasten.