Während der Kurs charttechnisch angeschlagen wirkt, positionieren sich Optionshändler am Terminmarkt für einen deutlich höheren ASML-Kurs bis zum Jahresende. Die Diskrepanz zwischen kurzfristiger Schwäche und langfristigem Optimismus ist an diesem Handelstag kaum zu übersehen.
Am Dienstag notierte ASML bei 1.403,20 Euro, nach einem Rückgang von rund 13,5 Prozent binnen drei Monaten vom 52-Wochen-Hoch bei 1.741 Euro. Der Handel im Optionsmarkt zeichnet jedoch ein anderes Bild: 85,2 Prozent des Tagesvolumens entfielen auf Calls, das Put-Call-Verhältnis fiel auf niedrige 0,174 — ein Wert, der eher aggressive Aufwärtswetten als Absicherungsgeschäfte signalisiert.
Zielmarken weit über dem aktuellen Kurs
Auffällig sind vier Call-Strikes mit Verfall am 18. Dezember 2026, rund drei Monate voraus. Besonders bemerkenswert: Die Calls mit Basispreisen von 1.600 und 1.900 Euro wiesen vor dem heutigen Handel kaum offene Positionen auf. Das deutet auf frisch eröffnete Wetten hin, nicht auf verlängerte Altpositionen.
- 1.600-Euro-Call: 14 Prozent über dem Kurs, neue Position
- 1.700-Euro-Call: 21 Prozent über dem Kurs, bestehende Position
- 1.900-Euro-Call: 35 Prozent über dem Kurs, neue Position
- 1.950-Euro-Call: 39 Prozent über dem Kurs, Roll-Position
Insgesamt wurden rund 4.500 neue Kontrakte auf diesen Strikes eröffnet. Wer hier long geht, wettet auf eine Kurserholung Richtung der früheren Rekordhochs.
Charttechnik bleibt angespannt
Das Tagesbild spricht derzeit eine andere Sprache. Der RSI liegt bei 39,6, der MACD ist negativ, und Ende August bildete sich ein bärisches Umschlussmuster. Sowohl der Tages- als auch der Wochenchart signalisieren aktuell „Verkaufen“. Auf Monatsbasis kippt das Bild jedoch in Richtung „Starker Kauf“ — ein Hinweis darauf, dass langfristig orientierte Investoren den Rücksetzer als Einstiegschance werten.
Unterstützung erhielt der Titel zuletzt auch vom breiteren Marktumfeld: Nach einem schwachen Vortag, ausgelöst durch Warnungen prominenter KI-Unternehmen vor einer zu schnellen Entwicklung ihrer Modelle, erholten sich Technologie- und Halbleiterwerte in Frankfurt und Amsterdam leicht.
ASML gewann im Zuge dessen an Boden, während europäische Leitindizes insgesamt auf mehrmonatige Tiefstände fielen — belastet von geopolitischen Spannungen und steigenden Anleiherenditen im Vorfeld der Fed-Zinsentscheidung.
Die implizite Volatilität für die Dreimonatslaufzeit sank leicht auf 41,70 Prozent, während die Skew-Werte zwischen Calls und Puts nahezu ausgeglichen blieben. Das spricht dafür, dass der Optionsmarkt aktuell kein größeres Crash-Risiko einpreist — trotz der bärischen Tagestechnik bleibt die Grundstimmung im Terminmarkt konstruktiv.
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