Große Chip-Hersteller zögern beim teuersten Werkzeug von ASML. Das drückt die Aktie in dieser Woche deutlich nach unten. Hinzu kommt politischer Gegenwind aus Den Haag.
ASML schloss am Donnerstag bei 1.550,00 Euro. Das sind 2,02 Prozent weniger als vor sieben Tagen. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von 56,83 Prozent zu Buche, auf Sicht von zwölf Monaten sogar ein Anstieg von 129,29 Prozent.
Kunden verschieben den Umstieg auf High-NA
Im Zentrum der aktuellen Sorge steht die neue High-NA-EUV-Generation von ASML. Diese Maschinen kosten zwischen 350 und 400 Millionen Euro pro Stück und sollten die nächste Wachstumsphase des Konzerns einläuten.
Wichtige Foundry-Kunden schieben den Wechsel jedoch auf. Darunter auch TSMC. Statt in die teuren neuen Systeme zu investieren, setzen viele Hersteller kurzfristig lieber auf günstigere Advanced-Packaging-Lösungen.
Das trifft ASML an einer empfindlichen Stelle. Der Konzern sitzt auf einem prallen Auftragsbestand. Wenn Kunden die Umstellung verzögern, dauert es länger, bis sich dieser Bestand in tatsächlichem Umsatz niederschlägt.
Pax Silica erhöht den politischen Druck
Zur technischen Unsicherheit kommt ein geopolitisches Problem. Die niederländische Regierung hat sich offiziell der von den USA angeführten Pax-Silica-Allianz angeschlossen.
Damit rückt eine Verschärfung der Exportregeln näher. US-Behörden beobachten seit Längerem, ob Technologie über Umwege nach China gelangt. Im Fokus stehen dabei besonders die DUV-Systeme für weniger fortschrittliche Chips.
China macht nach aktuellen Schätzungen rund 20 Prozent von ASMLs erwartetem Systemumsatz im Jahr 2026 aus. Strengere Auflagen für Lieferungen und Wartung in diesem Markt würden also kein Randthema treffen, sondern einen zentralen Absatzkanal.
Der ganze Sektor gibt nach
ASML steht mit der Schwäche nicht allein da, verliert aber stärker als der Rest der Branche. Die Aktie fiel im Wochenvergleich um 6,02 Prozent, während der Sektor für Technologieausrüstung nur um 3,81 Prozent nachgab. ASML hat den Markt damit spürbar unterboten.
Kurzzeitig hatten positive Nachrichten aus Südkorea für Auftrieb gesorgt. Dort haben Staat und Privatwirtschaft gemeinsame milliardenschwere Pläne für neue Chipfabriken vorgestellt. Die geopolitischen und operativen Sorgen um ASML wogen am Ende aber schwerer.
Nach dem Rückgang notiert die Aktie 11,33 Prozent unter ihrem Rekordhoch von 1.748,00 Euro vom 30. Juni. Zum Vergleich: Vom 52-Wochen-Tief bei 593,60 Euro im August 2025 hat sich der Kurs mehr als verdoppelt. Aktuell liegt die Aktie 8,09 Prozent über ihrem 50-Tage-Durchschnitt und 35,38 Prozent über der 200-Tage-Linie.
Wohin geht die Reise?
Der RSI steht bei 49,9. Das deutet weder auf eine überkaufte noch auf eine überverkaufte Situation hin. Die kurzfristige Richtung hängt damit stark von neuen Nachrichten ab.
Die annualisierte Volatilität der vergangenen 30 Tage liegt bei 61,48 Prozent. Der Markt rechnet also weiter mit kräftigen Ausschlägen. Ob die zögerliche Haltung der Foundry-Kunden nur eine kurze Verschnaufpause markiert oder den Beginn einer strukturellen Verschiebung bei der Nachfrage, bleibt vorerst offen.
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