Ein Teardown-Bericht hat eine unbequeme Frage aufgeworfen: Wie effektiv sind die Exportbeschränkungen gegen Chinas Halbleiterindustrie wirklich? Die Antwort, die das Analysehaus SemiAnalysis Mitte Juni 2026 lieferte, dürfte in Den Haag aufmerksam gelesen worden sein.

SMIC knackt die 32,5-Nanometer-Marke

Der Befund ist technisch bemerkenswert. SMIC hat Huaweis Kirin-9030-Prozessor mit einem minimalen Metallabstand von 32,5 Nanometern gefertigt — rund zehn Prozent enger als Intels aktueller 18A-Knoten. Erreicht wurde das nicht mit modernen EUV-Maschinen, sondern mit älteren DUV-Immersionssystemen von ASML, kombiniert mit aufwendigen Multi-Patterning-Techniken.

Das Fazit von SemiAnalysis ist nüchtern: Exportkontrollen haben Chinas Weg zur Chip-Entwicklung verändert und verteuert — gestoppt haben sie ihn nicht. SMICs N+3-Prozess erreicht die Transistordichte von TSMCs N6-Knoten, erkauft sich das aber mit höherer Komplexität und potenziell niedrigeren Ausbeuten.

ASML hält am Ausblick fest

ASML-Chef Christophe Fouquet hatte im April 2026 die Jahresprognose angehoben. Das Unternehmen erwartet nun einen Nettoumsatz zwischen 36 und 40 Milliarden Euro. Fouquet betonte, diese Spanne enthalte genug Spielraum für verschiedene Ausgänge der laufenden Exportkontroll-Diskussionen.

China soll 2026 rund 20 Prozent des Gesamtumsatzes ausmachen — ein Rückgang gegenüber den Vorjahren. Hintergrund ist die Pflicht, für Wartung und Ersatzteile bei bereits installierten DUV-Systemen in China separate Lizenzen einzuholen. Parallel dazu läuft das Geschäft anderswo auf Hochtouren: Speicherchip-Kunden sind laut Fouquet bis weit über 2026 hinaus ausgebucht, getrieben von KI-Infrastrukturinvestitionen.

Bewertung bleibt ein Diskussionspunkt

Sanford C. Bernstein bestätigte am 25. Mai 2026 die Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 1.700 Euro — und verwies auf ASML als Hauptnutznießer der KI-getriebenen Nachfrage nach Hochleistungschips. Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 62 auf Basis der letzten zwölf Monate gibt manchen Analysten allerdings zu denken.

Die Aktie notiert aktuell bei 1.623,80 Euro und damit knapp drei Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch vom 15. Juni 2026. Seit Jahresbeginn hat der Kurs um 64 Prozent zugelegt — ein Anstieg, der die Erwartungen an das bald anlaufende High-NA-EUV-Geschäft widerspiegelt.

Genau dieses neue System wird zum nächsten Prüfstein. Die ersten kommerziellen High-NA-EUV-Maschinen sollen in den kommenden Monaten ausgeliefert werden — und könnten zeigen, ob ASML den technologischen Vorsprung gegenüber dem behält, was chinesische Foundries mit älteren Geräten inzwischen leisten.