Liebe Traderinnen und Trader,
ASML legt am Mittwoch um 07:00 Uhr die Zahlen für das dritte Quartal vor. Mit TSMC, das dem Terminkalender zufolge am Donnerstag, 15. Oktober, folgt, melden sich die beiden Taktgeber der Chipbranche.
Warum zählt dieser Termin für Nvidia, AMD und Micron mehr als die US-Verbraucherpreise am Mittwoch um 14:30 Uhr, die als Zünglein an der Waage vor der Fed-Sitzung Ende Oktober gelten? Die Antwort liegt in drei Dingen: in der Bewertung, in der Zinsrechnung und bei den Leerverkäufern.
ASML: Was ansteht und was erwartet wird
Nach dem OpenAI-Umsatzschreck der Vorwoche richtet sich der Blick am Mittwoch auf den Chipausrüster ASML. Die Unternehmen müssen in dieser Berichtssaison beweisen, dass ihre Gewinne das höhere Zinsniveau tragen. Dafür ist ASML der Belastungstest: Hält ein Ausrüster seine Aufträge, bestätigt das die Investitionspläne der Abnehmer, weil Maschinen lange vor der Produktion bestellt werden.
Die Warnungen liegen auf dem Tisch. Analysten sehen die Gefahr, dass die prognostizierte Nachfrage nach Rechenleistung ausbleibt und lokale KI-Modelle an Bedeutung gewinnen.
Mizuho-Analyst Jordan Klein hält Speicher- und Halbleiteraktien dagegen weiterhin für günstig bewertet. Er verweist auf den Speicherchiphersteller Micron, dessen Kundenverpflichtungen aus langfristigen Lieferverträgen auf 32 Milliarden Dollar gestiegen sind. Zwischen Blasenwarnung und Schnäppchen-Urteil klafft genau die Lücke, die ASML am Mittwoch mit seinen Zahlen schließen oder weiter aufreißen kann.
Wer in der Debatte um Blase oder Schnäppchen nicht nur auf die ohnehin bekannten Chipnamen setzen will, findet im Spezialreport „Heimliche KI-Profiteure“ vier Aktien abseits des Rampenlichts, darunter einen Nischen-Monopolisten und einen Spezialisten für Rechenkapazität und Speicherplatz. Kostenlosen Spezialreport sichern
Zinsen und Leerverkäufer: Wie der Mechanismus wirkt
Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen stieg im September um mehr als 50 Basispunkte, der größte Monatsanstieg seit 2022, und markierte den höchsten Schlussstand seit 2007. David Clewell von T. Rowe Price hält einen weiteren Anstieg auf 5,5 bis 6 Prozent für gut begründet. Steigen die Renditen, geraten hoch bewertete Wachstumswerte unter Druck, weil künftige Gewinne stärker abgezinst werden.
Hinzu kommt die Positionierung. Nach RBC-Daten zum 30. September liegt der Leerverkaufsbestand in 34 Halbleiteraktien 15 Prozent über dem Dreijahresschnitt. Bei Lattice Semiconductor stieg er binnen eines Monats um 33 Prozent, bei Marvell sank er um 23 Prozent. Skyworks führt die Liste mit einem Leerverkaufsanteil von 19 Prozent an.
Setzen viele Leerverkäufer auf fallende Kurse, verstärkt eine positive Überraschung die Aufwärtsbewegung, weil die Positionen eingedeckt werden müssen. Das macht den Mittwoch zu einem asymmetrischen Termin: Die Zinsrechnung drückt auf die Bewertung, die Leerverkäufer aber liefern den Treibstoff für den Fall, dass ASML liefert.
Nvidia, TSMC, Micron: Wer betroffen ist
Das Wochenende hat die Debatte um die KI-Werte in zwei Richtungen geschoben. Nvidia verhandelt nach einem Bericht der Financial Times vom Samstag über eine Übernahme des Start-ups Reflection AI oder eine höhere Beteiligung; 800 Millionen Dollar hat Nvidia bereits zugesagt. Eine Einigung könnte binnen Wochen stehen, die Gespräche gelten aber noch als vorläufig.
Microsoft-Chef Satya Nadella forderte am Samstag auf X eine von Menschen kontrollierte Notbremse für fortgeschrittene KI-Systeme. Für Chipwerte wie Nvidia und AMD wird diese Sicherheitsdebatte damit zum wiederkehrenden Risiko.
TSMC am Donnerstag ist die zweite Hälfte des Tests. Taiwans Leitindex und Südkoreas Kospi haben nach Yardeni Research in diesem Jahr mehr als 65 Prozent gewonnen, getragen von Chip-Zulieferern wie Samsung Electronics. Chinas CSI 300 verlor dagegen fast 6 Prozent, weil dem Index die KI-Hardwarehersteller fehlen und die Immobilienkrise im fünften Jahr steckt.
Für den DAX sind die Marken klar gesetzt. Ein Tagesschluss über der 20-Tage-Linie bei 25.381 Punkten hellt das Bild auf. Ein Fall unter die 200-Tage-Linie bei 24.849 Punkten droht dagegen Druck bis 24.600 Punkte auszulösen.
Für mich ist der Mittwoch um 07:00 Uhr der wichtigere Termin: Die Preisdaten entscheiden, wie hoch das Zinsniveau noch steigt, ASML aber entscheidet, ob die Gewinne der Chipkette dieses Niveau überhaupt tragen.
Sicherheitsdebatte, Zinsdruck und Bewertungsfragen zeigen, wie unterschiedlich KI-Werte auf Gegenwind reagieren können. Der Report „Megatrend KI“ nimmt die Top 10 der Big-Data-Unternehmen unter die Lupe und erläutert, wie Anleger gezielt in Künstliche Intelligenz investieren können. Top-10-Übersicht jetzt abrufen
US-Banken, BlackRock, Inflation: Die Woche in drei Terminen
Am Dienstag eröffnen JPMorgan um 12:45 Uhr, Wells Fargo um 13:00 Uhr, Goldman Sachs um 13:25 Uhr und Citigroup um 14:00 Uhr die US-Berichtssaison. Nach LSEG IBES sollen die Gewinne im S&P 500 im dritten Quartal um mehr als 30 Prozent gestiegen sein; die Banken legen die Messlatte.
Am Mittwoch um 12:00 Uhr legt BlackRock Zahlen vor. Für Krypto-Anleger zählt weniger die Bilanz als ein Nebensatz: BlackRock hat bislang keinen Antrag für einen XRP-ETF eingereicht und nennt die Kundennachfrage als wichtigstes Kriterium. Sieben US-Spot-XRP-ETFs von Anbietern wie Bitwise und Grayscale verwalteten zuletzt rund 1,77 Milliarden Dollar.
Am Mittwoch um 14:30 Uhr folgen die US-Verbraucherpreise für September. Volkswirte erwarten in der Kernrate im Schnitt plus 0,2 Prozent zum Vormonat nach 0,3 Prozent im August. Nach der Zinsanhebung vom September gilt diese Zahl als Zünglein an der Waage vor der Fed-Sitzung Ende Oktober.
Öl und Gold: Riad, Hormus und der Diesel-Deal
Beim Angriff auf den Flughafen von Riad starben am Samstag 12 Menschen, 309 wurden verletzt. Trump erwägt daraufhin neue Schläge gegen den Iran, obwohl er Angriffe vor den Zwischenwahlen am 3. November zuvor ausgeschlossen hatte. In der Straße von Hormus traf ein unbekanntes Geschoss erneut einen Tanker, meldete die britische Schifffahrtsbehörde UKMTO.
Gegen diesen Preisdruck steht der Diesel-Deal mit Putin. Das US-Finanzministerium hat russische Diesellieferungen befristet bis zum 7. April 2027 freigegeben. Moskau hob sein Exportverbot für zunächst 500.000 Tonnen auf. Brent schloss am Freitag bei rund 105 Dollar. Gold braucht für einen Trendwechsel einen bestätigten Tagesschluss über der 50-Tage-Linie bei 4.334,50 Dollar, nach unten hält zunächst die Zone um 4.154 Dollar.
Bitcoin und Strategy: Saylors digitaler Dollar
Bitcoin hielt sich am Samstagabend mit knapp 83.000 Dollar seit Freitag praktisch unverändert, Ether lag mit rund 2.500 Dollar ebenfalls kaum bewegt. Neu ist eine Idee von Michael Saylor: Der Executive Chairman von Strategy skizziert einen Bitcoin-gestützten digitalen Dollar mit rund 7 Prozent Rendite bei sehr geringer Schwankung. Strategy hält nach dem jüngsten Zukauf 847.666 Bitcoin und legt dem Terminkalender zufolge am 29. Oktober Zahlen vor.
Marschroute
Die Antwort fällt am Mittwoch um 07:00 Uhr bei ASML und am Donnerstag bei TSMC. Im DAX gilt: Über 25.381 Punkten hellt sich das Bild auf, unter 24.849 Punkten droht der Weg zu 24.600. Bei Gold entscheidet die 50-Tage-Linie bei 4.334,50 Dollar, bei Bitcoin die Zone knapp unter 83.000 Dollar. Und bei den Chipwerten liefern die Leerverkäufer den Hebel: Je höher ihr Bestand, desto schärfer die Reaktion in beide Richtungen.
Legen Sie sich die Orders für den frühen Mittwoch schon heute zurecht.
Gute Trades, Ihr Andreas Sommer
Stand heute, 11. Oktober: ASML Holding – Kaufen, halten oder verkaufen?
Wer in ASML Holding investiert ist oder einen Einstieg prüft, sollte die Lage jetzt neu bewerten. Die Gratis-Analyse vom 11. Oktober gibt die klare Antwort – und zeigt, warum Abwarten gerade jetzt riskanter sein kann, als es wirkt.


