ASML hat seine Umsatzprognose für 2026 deutlich angehoben. Der niederländische Lithografie-Spezialist rechnet nun mit einem Jahresumsatz von 43 bis 45 Milliarden Euro – deutlich mehr als die zuvor kommunizierte Spanne von 36 bis 40 Milliarden Euro. Im zweiten Quartal erzielte das Unternehmen einen Nettoumsatz von 9,3 Milliarden Euro und einen Nettogewinn von 2,9 Milliarden Euro. Die Bruttomarge kletterte auf 54 bis 56 Prozent, nachdem ASML zuvor von 51 bis 53 Prozent ausgegangen war.
Die Aktie zeigt sich davon am heutigen Montag vorbörslich erholt: Mit 1.442,60 Euro legt das Papier um 1,52 Prozent zu. Auf Monatssicht bleibt jedoch ein Minus von 11,50 Prozent stehen – Ausdruck der Verunsicherung, die chinesische Konkurrenz und Exportstreit zuletzt in den Kurs gebracht haben. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von 56,55 Prozent, was die grundsätzliche Stärke des Titels unterstreicht.
Preismacht und ausverkaufte Kapazitäten
ASML nutzt seine Marktposition offensiv. Das Unternehmen drängt bei taiwanischen Kunden wie TSMC auf eine Preiserhöhung von rund 10 Prozent für DUV-Lithografiesysteme, worauf TSMC bislang zurückhaltend reagiert. Finanzchef Roger Dassen betonte in diesem Zusammenhang die Preissetzungsmacht des Unternehmens und kündigte an, die Produktionskapazität für EUV- und DUV-Systeme in den kommenden zwei Jahren um rund 30 Prozent auszubauen. Die EUV-Kapazität ist nach Unternehmensangaben bis Ende 2027 bereits ausverkauft – ein Beleg für die anhaltend hohe Nachfrage der Chipbranche nach den Maschinen aus Veldhoven.
China bleibt größte Unsicherheit
Der Anteil Chinas am ASML-Umsatz ist zuletzt deutlich gesunken – von 36 Prozent im vierten Quartal auf rund 19 bis 20 Prozent in den jüngsten Berichtsperioden. Grund sind vor allem US-Exportkontrollen, die den Verkauf fortschrittlicher Systeme nach China einschränken. Zusätzlich sorgt ein chinesisches Konsortium aus Shanghai für Unruhe: Es hat mit der Massenproduktion eigener DUV-Lithografiemaschinen für den 28-Nanometer-Prozess begonnen. Für 2026 sind rund fünf Einheiten geplant, 2027 sollen es 20 werden – Werte, die weit unter den etwa 130 DUV-Systemen liegen, die ASML allein 2026 ausliefern will. Branchenanalysten verweisen darauf, dass die chinesischen Werkzeuge rund vier Technologiegenerationen hinter ASML liegen und die entscheidende Yield-Parität noch nicht erreicht haben.
Zusätzliche Brisanz erhielt das Thema durch eine Behauptung des US-Handelsministeriums, wonach eine EUV-Maschine unerlaubt nach China gelangt sein könnte. ASML-Chef Christophe Fouquet wies dies zurück und erklärte, sämtliche Maschinen des Unternehmens würden lückenlos verfolgt; keine befinde sich in China. Der US-Kongress erwägt derzeit ein Gesetz, das sämtliche DUV-Lieferungen nach China untersagen würde – ein Schritt, der den ohnehin schrumpfenden China-Umsatzanteil weiter drücken könnte.
Analysten sehen die Aktie fair bewertet
Die Analysten von Simply Wall St bezifferten den fairen Wert der ASML-Aktie zuletzt auf 1.551 Euro und vergaben ein Hold-Rating, nachdem der Kurs Anfang August bei 1.434,20 Euro notiert hatte. Ihre Szenarien reichen von einem Bär-Fall bei 950 Euro über einen Basisfall von 1.600 Euro bis zu einem Bull-Case von 2.100 Euro auf Zwölfmonatssicht. Das durchschnittliche Analystenkursziel liegt bei 1.995 Euro. Der Investor Philippe Laffont von Coatue hat nach eigenen Angaben Cloud-Aktien abgebaut und stattdessen in Halbleiter-Infrastruktur wie ASML investiert – mit Verweis auf das faktische Monopol des Unternehmens bei EUV-Lithografie und die High-NA-EUV-Technologie als künftigen Wachstumstreiber.
Neue Fertigungspartnerschaft in Indien
Abseits der China-Debatte baut ASML seine internationale Präsenz aus. Gemeinsam mit Tata Electronics hat das Unternehmen eine Grundsatzvereinbarung zum Aufbau von Indiens erster 300-Millimeter-Halbleiterfabrik im Bundesstaat Gujarat geschlossen. Das Investitionsvolumen für die Fabrik in Dholera beläuft sich auf 11 Milliarden US-Dollar; ASML liefert Lithografielösungen und unterstützt den Aufbau von Fachkräften und Lieferketten. Tata-Electronics-Chef Randhir Thakur und ASML-Chef Fouquet begleiteten die Vereinbarung mit gemeinsamen Stellungnahmen.
Parallel dazu will ASML seine rund 45.000 Mitarbeiter weltweit stärker an das Unternehmen binden: Jeder Beschäftigte soll eine Aktienprämie im Wert von 20.000 Euro erhalten, die erst 2030 verfügbar wird – ein Signal für den langfristigen Ausblick, den das Management trotz der aktuellen China-Turbulenzen offenbar weiterhin für tragfähig hält.
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