Liebe Leserinnen und Leser,
1.200 Euro – diese Marke hat ASML heute zwar nicht durchbrochen, aber die Aktie des niederländischen Chipausrüsters bewegt sich in Schlagdistanz zu neuen Höchstständen. Während in Amsterdam die Kurse klettern, bricht in den USA die Aktie des größten privaten Krankenversicherers UnitedHealth um fast 20 Prozent ein. Und in Herzogenaurach? Dort sorgt der Einstieg des chinesischen Sportartikelherstellers Anta bei Puma zunächst für Euphorie, bevor die Ernüchterung einsetzt. Drei Geschichten, drei Kontinente, ein Muster: Die Märkte reagieren heute extrem auf regulatorische Eingriffe, strategische Weichenstellungen und technologische Hoffnungen. Was das für Ihr Depot bedeutet – und warum Sie die nächsten Tage genau hinschauen sollten.
ASML vor Quartalszahlen: Die stille Chip-Dominanz
Der wertvollste Konzern Europas nähert sich einem symbolträchtigen Meilenstein: Die Marktkapitalisierung von ASML steuert auf 500 Milliarden Euro zu. Heute kletterte die Aktie zeitweise auf knapp 1.200 Euro – ein Anstieg von 29 Prozent seit Jahresbeginn. Damit führt das niederländische Unternehmen die Gewinnerliste im EuroStoxx 50 deutlich an.
Was steckt hinter diesem Höhenflug? Analyst Ming-Chi Kuo von TF International Securities liefert die Antwort: Carl Zeiss SMT, der Zulieferer für kritische optische Systeme in ASMLs Maschinen, plant eine massive Kapazitätserweiterung. Die Produktion von EUV-Systemen soll 2027 um 20-25 Prozent steigen, bei den höherpreisigen Immersions-DUV-Systemen sind sogar 40-50 Prozent mehr drin. Kuo prognostiziert für ASML Umsätze von 38-40 Milliarden Euro in 2026 und 45-47 Milliarden Euro in 2027 – deutlich über den Markterwartungen von 34-36 bzw. 41-43 Milliarden Euro.
Der Haupttreiber: Taiwan Semiconductor Manufacturing (TSMC) hat seine Bestellungen für EUV-Systeme bereits zweimal nach oben korrigiert – von ursprünglich 22 auf jetzt 28 Einheiten für 2026. Grund ist die explodierende Nachfrage nach 2-Nanometer-Chips. Auch Intel soll laut Kuo Gespräche über zusätzliche Bestellungen führen, möglicherweise 20-30 EUV-Systeme über die Jahre 2026-2027, darunter 3-5 High-NA-Systeme. Für deutsche Anleger bedeutet das: ASML bleibt der zentrale Profiteur des KI-Booms – ohne die Maschinen aus Veldhoven läuft in der Chipindustrie nichts. Morgen, am 28. Januar, legt das Unternehmen seine Quartalszahlen vor. Die Erwartungen sind hoch.
UnitedHealth: Der historische Absturz eines Branchenriesen
Während ASML neue Höhen erklimmt, erlebt UnitedHealth den schlimmsten Handelstag seit Jahren. Die Aktie des größten privaten Krankenversicherers der USA stürzte vorbörslich um fast 20 Prozent ab – und riss den gesamten Dow Jones mit sich. Der Grund: ein doppelter Schock.
Erstens kündigte die US-Regierung an, die Zahlungen für private Medicare-Versicherungen 2026 quasi einzufrieren – ein Plus von lediglich 0,09 Prozent. Analysten hatten mit einem Anstieg von bis zu 6 Prozent gerechnet. Präsident Trump, von dem die Branche Wohlwollen erwartet hatte, macht Ernst mit seiner Ankündigung, dass Versicherer „viel weniger verdienen müssen“. Auch Humana (-20 Prozent) und CVS Health (-12 Prozent) wurden von der Nachricht getroffen.
Zweitens legte UnitedHealth schwache Zahlen vor: Der Gewinn je Aktie brach im vierten Quartal von 5,98 auf 2,11 Dollar ein. Für 2026 prognostiziert das Management einen Umsatzrückgang auf 439 Milliarden Dollar – der erste seit 1989. Gleichzeitig soll die Zahl der Versicherten schrumpfen, die Dienstleistungstochter Optum will 550 Standorte schließen oder verkaufen, und Geschäftsteile in Europa und Südamerika stehen zum Verkauf.
Für europäische Anleger ist das ein Warnsignal: Regulatorische Eingriffe können selbst Branchenriesen innerhalb von Stunden um Milliarden an Börsenwert erleichtern. UnitedHealth war 2025 bereits durch einen Cyberangriff und staatliche Ermittlungen unter Druck geraten. Jetzt zeigt sich, wie fragil das Geschäftsmodell ist, wenn die Politik die Spielregeln ändert.
Puma: Anta kommt – aber ohne Übernahmefantasie
In Herzogenaurach gab es heute zunächst Grund zur Freude: Anta Sports, die chinesische Mutter von Fila, Jack Wolfskin und Salomon, übernimmt 29 Prozent der Puma-Anteile von der französischen Familie Pinault für 1,51 Milliarden Euro. Der Preis: 35 Euro je Aktie, 62 Prozent über dem gestrigen Schlusskurs. Die Puma-Aktie schoss zeitweise um 21 Prozent nach oben.
Doch die Euphorie verpuffte schnell. Anta stellte klar: Eine vollständige Übernahme ist nicht geplant, Puma soll unabhängig bleiben. Für Minderheitsaktionäre bedeutet das: kein Übernahmeangebot, keine Prämie, kein Exit. Die Aktie gab ihre Gewinne wieder ab und notierte am Nachmittag nur noch 9 Prozent im Plus bei 23,54 Euro.
Analyst Jie Zhang von Baader Europe sieht trotzdem Chancen: Anta könnte Pumas Sanierung unterstützen, insbesondere in China, wo der Sportartikelhersteller zuletzt massiv Marktanteile verloren hat. Puma befindet sich seit der Übernahme durch Ex-Adidas-Manager Arthur Hoeld im Umbau: 900 Stellen werden gestrichen, die Produktpalette gestrafft, überschüssige Lagerbestände abgebaut. Anta hat bereits bewiesen, dass es Marken wiederbeleben kann – Fila, Amer Sports und Descente sind Beispiele.
Für deutsche Anleger bleibt Puma ein Turnaround-Kandidat mit neuem strategischem Anker. Die Übernahmefantasie ist erloschen, aber die operative Perspektive hat sich verbessert. Ob das reicht, um gegen Adidas und Nike aufzuschließen, wird sich in den kommenden Quartalen zeigen.
Gold, Silber, Dollar: Wenn Edelmetalle Angst signalisieren
Während Aktien zwischen Euphorie und Panik schwanken, schreiben Edelmetalle ihre eigene Geschichte. Gold kletterte heute auf 5.089 Dollar je Unze, Silber schoss um 8 Prozent auf 112 Dollar. Der Grund: Der Dollar verliert den dritten Tag in Folge an Boden, geopolitische Unsicherheit bleibt hoch, und Notenbanken kaufen weiter Gold. Yardeni Research prognostiziert einen Anstieg auf 6.000 Dollar noch in diesem Jahr – und 10.000 Dollar bis 2030.
Die Botschaft ist klar: Investoren suchen Schutz. Trumps Zolldrohungen, die Gefahr eines neuen US-Regierungsstillstands und die Schwäche des Dollars treiben Kapital in vermeintlich sichere Häfen. Für deutsche Anleger bedeutet das: Gold und Silber bleiben relevante Portfolio-Bausteine, auch wenn die Bewertungen bereits ambitioniert sind.
Anzeige: Während viele Anleger in diesem chaotischen Marktumfeld defensiv auf Edelmetalle setzen, zeigt sich für aktive Trader eine andere Perspektive. Trading-Experte Jörg Mahnert hat eine strukturierte Methode entwickelt, die genau diese starken Marktbewegungen systematisch nutzt – mit der bewährten Point & Figure Technik. In seinem kostenlosen Webinar zeigt er seinen „Absahnplan“, mit dem er nachweislich aus einzelnen Trades wie Renk +68% in 62 Tagen oder Rheinmetall +108% in 60 Tagen erzielte. Sie erfahren konkret, wie die Methode funktioniert, warum jeder Trade ein klar definiertes Gewinnziel hat und wie Sie mit nur 1-2 Trades pro Woche strukturiert am Markt agieren können. Mahnert erklärt, warum gerade volatile Phasen die besten Chancen bieten und wie Sie Ein- und Ausstiegspunkte präzise bestimmen. Details zur Point & Figure Trading-Strategie
Was diese Woche noch kommt
Morgen, am 28. Januar, legt ASML seine Quartalszahlen vor – die Messlatte liegt hoch. Am Mittwoch folgen die Berichte von Microsoft, Apple und Tesla, die zeigen werden, ob die Tech-Rally Substanz hat. Und die US-Notenbank gibt am Mittwochabend ihre Zinsentscheidung bekannt – eine Änderung wird nicht erwartet, aber Fed-Chef Jerome Powells Kommentare könnten für Bewegung sorgen.
Heute haben wir gesehen, wie schnell sich Stimmungen drehen können: ASML profitiert von strukturellem Wachstum, UnitedHealth kämpft mit regulatorischem Gegenwind, und Puma sucht seinen Weg zwischen chinesischer Unterstützung und europäischer Identität. Die Märkte sortieren sich neu – und wer aufmerksam bleibt, findet Chancen.
Bis morgen,
Andreas Sommer


