ASML sieht sich Berichten zufolge einer Untersuchung der US-Regierung ausgesetzt. Im Zentrum steht der Vorwurf, EUV-Lithografiemaschinen des niederländischen Konzerns könnten auf Umwegen nach China gelangt sein – trotz der seit der ersten Amtszeit von Donald Trump geltenden Exportkontrollen, die genau solche Lieferungen untersagen. ASML weist die Vorwürfe zurück und erklärt, keine EUV-Systeme nach China geliefert zu haben. Der Ausgang der Prüfung ist offen.
Die Angelegenheit trifft ASML in einer Phase, in der der Konzern ohnehin unter genauer Beobachtung steht. Als weltweit einziger Hersteller von EUV-Lithografiesystemen ist das Unternehmen für die Chipindustrie unverzichtbar – und damit zugleich ein zentraler Hebel in den technologiepolitischen Auseinandersetzungen zwischen Washington und Peking. Sollte sich der Verdacht erhärten, drohen ASML nicht nur regulatorische Konsequenzen, sondern auch ein Vertrauensschaden bei US-Kunden und -Behörden.
Institutionelle Anleger positionieren sich uneinheitlich
Parallel zur China-Debatte zeigt eine Reihe von SEC-Meldungen zu Fondspositionen im zweiten Quartal ein gemischtes Bild unter institutionellen Investoren. Während Steadview Capital Management neu rund 10.837 ASML-Aktien im Wert von etwa 21,56 Millionen Dollar erwarb und Axon Capital seinen Bestand um fast ein Viertel auf 2.230 Aktien aufstockte, bauten andere Adressen ihre Positionen deutlich ab.
TD Asset Management reduzierte seinen Bestand um 89 Prozent, New Paradigm Capital Management verkaufte 1.000 Aktien und ließ nur noch 200 Stück übrig. Auch Principal Financial Group und Account Management verringerten ihre Engagements.
Der Analystenkonsens bleibt trotz der Verkaufsbewegungen mehrheitlich positiv: Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 1.970,33 Dollar, das Rating lautet „Moderate Buy“. Häuser wie JPMorgan und Bank of America nennen Kursziele von 2.400 beziehungsweise 2.345 Dollar, während RBC mit 2.000 Dollar vorsichtiger kalkuliert. Institutionelle Investoren halten insgesamt rund 26 Prozent der ASML-Aktien.
Wachstumstreiber KI und neue Führungsstruktur
Unternehmensseitig verweist Vorstandschef Christophe Fouquet auf strukturelles Wachstum in der Halbleiterbranche, das zunehmend von Investitionen in Künstliche Intelligenz getragen werde. Zudem erwartet er, dass erste Chips von den neuen High-NA-EUV-Maschinen binnen weniger Monate produziert werden.
Während TSMC diese Systeme bislang als zu teuer einstuft, setzen Intel und SK Hynix bereits darauf. Auf der Führungsebene schlug ASML zudem Marco Pieters, früherer Topmanager bei ASMI, als neues Vorstandsmitglied und CTO für eine vierjährige Amtszeit vor.
Kursniveau spiegelt hohe Erwartungen
An der Börse notiert die ASML-Aktie am Freitag bei 1.590,00 Euro, ein Minus von 1,0 Prozent zum Vortag. Auf Sicht von sieben Handelstagen steht dennoch ein Plus von 5,4 Prozent zu Buche, und seit Jahresbeginn hat sich das Papier um 73 Prozent verteuert.
Der Titel notiert damit rund 9 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 1.748,00 Euro, das Ende Juni erreicht wurde – ein Abstand, der angesichts der laufenden Untersuchung und der uneinheitlichen Fondspositionierung als Vorsicht der Anleger gedeutet werden kann.
Mit einer Marktkapitalisierung von rund 606,72 Milliarden Euro bleibt ASML einer der wertvollsten europäischen Technologiekonzerne, dessen Bewertung eng an die weitere Aufklärung der China-Vorwürfe und die Entwicklung der KI-getriebenen Chipnachfrage gekoppelt ist.
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