Ein Konzern, drei Meldungen an einem Vormittag – Astrazeneca lässt an diesem Dienstag keinen Zweifel daran, wie sehr die Krebssparte zum Taktgeber des Unternehmens geworden ist. Innerhalb weniger Stunden kamen positive Studiendaten, eine abgeschlossene Übernahme und eine EU-Zulassung heraus. Für ein Unternehmen dieser Größe ist das durchaus bemerkenswert dicht getaktet.

Tagrisso-Kombination liefert in China überzeugende Daten

Die Phase-III-Studie SANOVO zeigt: Die Kombination aus Tagrisso und Orpathys verlängert bei unbehandelten Patienten mit EGFR-mutiertem Lungenkrebs und MET-Überexpression das progressionsfreie Überleben statistisch signifikant gegenüber Tagrisso allein.

Der Effekt zeigte sich sowohl bei besonders hoher MET-Ausprägung als auch in der breiteren Studienpopulation. Auch beim Gesamtüberleben deutete sich ein klarer Vorteil an, auch wenn dieser sekundäre Endpunkt noch weiterverfolgt wird.

Die Daten bauen auf den bereits etablierten Studien SAFFRON und SACHI auf und sollen nun bei Aufsichtsbehörden eingereicht werden. Tagrisso ist mit mehr als einer Million behandelten Patienten weltweit ohnehin das Rückgrat der EGFR-mutierten Lungenkrebstherapie bei Astrazeneca – die neuen Daten festigen diese Position im chinesischen Markt zusätzlich.

Zegfrovy-Deal mit Dizal abgeschlossen

Parallel dazu hat Astrazeneca die bereits angekündigte Lizenzvereinbarung mit Dizal Pharmaceutical für den EGFR-Hemmer Zegfrovy final vollzogen. Damit sichert sich der Konzern die weltweiten Entwicklungs- und Vermarktungsrechte an dem oralen Wirkstoff, der in den USA und China bereits für die Zweitlinienbehandlung von Lungenkrebs mit EGFR-Exon-20-Insertionsmutationen zugelassen ist. Der US-Marktstart für diese Indikation ist für das vierte Quartal 2026 geplant.

Finanziell zahlt Astrazeneca 600 Millionen Dollar sofort an Dizal, dazu kommen mögliche Meilensteinzahlungen von bis zu 900 Millionen Dollar sowie gestaffelte Lizenzgebühren auf künftige Umsätze. Der Konzern betont, dass die Transaktion die Finanzprognose für 2026 nicht verändert.

Ein Zulassungsantrag für die Erstlinienbehandlung läuft bereits bei der US-Arzneimittelbehörde FDA und der chinesischen CDE, beide Behörden haben Zegfrovy in dieser Indikation den Status einer bahnbrechenden Therapie zuerkannt.

Enhertu erhält EU-Zulassung für frühere Brustkrebs-Therapie

Die dritte Meldung betrifft Enhertu, das gemeinsam mit Daiichi Sankyo entwickelte Antikörper-Wirkstoff-Konjugat. Die EU-Kommission hat die Kombination aus Enhertu und Pertuzumab nun für die Erstlinienbehandlung von HER2-positivem metastasiertem Brustkrebs zugelassen – die erste neue Therapieoption in dieser Indikation seit mehr als zehn Jahren.

Grundlage ist die DESTINY-Breast09-Studie, in der die Kombination das Risiko für Krankheitsprogression oder Tod um 44 Prozent gegenüber der bisherigen Standardtherapie senkte.

Das progressionsfreie Überleben lag im Median bei 40,7 Monaten gegenüber 26,9 Monaten unter der bisherigen Dreifachtherapie. Für Astrazeneca bedeutet die Zulassung eine Meilensteinzahlung von 100 Millionen Dollar an Daiichi Sankyo, die Umsätze in den meisten EU-Ländern werden allerdings vom japanischen Partner verbucht. Es ist bereits die zweite EU-Zulassung für Enhertu innerhalb von zwei Monaten, nach einer tumoragnostischen Zulassung zuvor.

Die Onkologiesparte bleibt damit der zentrale Wachstumstreiber im Portfolio. Mit Zegfrovy erweitert sich das Lungenkrebs-Angebot um einen weiteren Wirkstoff, während Tagrisso und Enhertu in ihren jeweiligen Indikationen zusätzliche Anwendungsfelder erschließen.

Die kommenden regulatorischen Entscheidungen zu Zegfrovy in der Erstlinie, sowohl in den USA als auch in China, dürften zeigen, wie schnell sich die frisch erworbenen Rechte finanziell auszahlen.