Normalerweise klettern Aktien, wenn ein Unternehmen als potenzieller Käufer in einer Milliarden-Übernahme gehandelt wird. Bei Astrazeneca lief es am Montag genau andersherum. Die Papiere brachen um bis zu acht Prozent ein und fielen auf den tiefsten Stand seit Oktober vergangenen Jahres — ausgelöst durch Berichte über mögliche Übernahmegespräche mit dem US-Konzern Bristol-Myers Squibb.

Die „Financial Times“ hatte am Wochenende zuerst über frühe Gespräche berichtet, Bloomberg bestätigte anschließend über informierte Personen den vorläufigen Charakter der Verhandlungen. Offiziell äußerte sich weder Astrazeneca noch Bristol-Myers Squibb zu den Berichten. Unklar bleibt, ob die Gespräche überhaupt noch andauern.

Warum der Käufer verliert

Ein Zusammenschluss würde einen der weltgrößten Pharmakonzerne mit einem addierten Börsenwert von nahezu 400 Milliarden Dollar schaffen. Astrazeneca bringt aktuell rund 195,9 Milliarden Pfund auf die Waage, Bristol-Myers Squibb kommt auf etwa 133,4 Milliarden Dollar. Jefferies-Analyst Michael Leuchten zeigte sich in einer ersten Reaktion irritiert: Ausgerechnet Astrazeneca benötige angesichts des eigenen starken Wachstums keine derartige Finanzierungsspritze über eine Übernahme.

Hinzu kommt regulatorischer Sprengstoff. Onkologie-Präparate machen bei Bristol-Myers Squibb mehr als 40 Prozent des Umsatzes aus, bei Astrazeneca fast die Hälfte. Die Überschneidung dürfte laut Kartellrechtsexperten umfangreiche Auflagen oder Verkäufe von Geschäftsteilen nach sich ziehen — ein Verfahren, das unter der US-Kartellbehörde als besonders unsicher gilt.

Bristol-Myers Squibb selbst steht unter Druck, weil der Patentschutz für Schlüsselprodukte wie das Blutverdünnungsmittel Eliquis und das Krebsmedikament Opdivo ausläuft. Beide zusammen liefern etwa die Hälfte des Konzernumsatzes. Neuere Präparate wie Breyanzi, Opdualag und Camzyos trieben zuletzt einen Rekordquartalsumsatz von 13 Milliarden Dollar an.

Für Astrazeneca-Chef Pascal Soriot, der 2014 selbst eine feindliche Übernahme durch Pfizer abwehren musste, wäre ein Deal dieser Größenordnung die bislang größte Transaktion seiner Amtszeit. Ob es überhaupt zu konkreten Verhandlungen kommt, ist derzeit offen — der Markt preist mit dem Kursabschlag bereits das regulatorische und finanzielle Risiko eines solchen Schritts ein.