Ein einziges Studienergebnis reicht manchmal aus, um Milliarden an Börsenwert zu vernichten. Bei Astrazeneca war es am Mittwoch genau so weit: Die Aktie brach im Handelsverlauf um bis zu 9,6 Prozent ein und markierte damit den schwersten Tagesverlust seit Jahren. Auslöser war ein gescheiterter Härtetest für eines der wichtigsten Pipeline-Projekte des Konzerns.
Wainua verfehlt sein Ziel
Die Phase-III-Studie CARDIO-TTRansform testete das gemeinsam mit dem US-Partner Ionis entwickelte Medikament Wainua (Eplontersen) bei Patienten mit transthyretin-vermittelter Amyloid-Kardiomyopathie, einer fortschreitenden Herzerkrankung. Das Ergebnis: Wainua reduzierte weder die kardiovaskuläre Sterblichkeit noch wiederkehrende Herzkomplikationen signifikant, wenn es zusätzlich zur bestehenden Stabilisator-Standardtherapie gegeben wurde. Eine vorab festgelegte Untergruppenanalyse zeigte zwar einen nominell signifikanten Vorteil für Patienten, die Wainua als Monotherapie erhielten – für die Anleger reichte das jedoch nicht, um die Enttäuschung aufzufangen.
Die Aktie war damit größter Belastungsfaktor im FTSE 100 und zog den Leitindex trotz eines zunächst freundlichen Handelsstarts ins Minus. Der breitere europäische Markt zeigte sich derweil deutlich robuster: Der STOXX 600 legte um 0,4 Prozent zu, getragen von einer Erholung der Technologiewerte.
Milliardenschwere Erwartungen enttäuscht
Wie teuer der Rückschlag für Astrazeneca wirklich ist, zeigt ein Blick auf die bisherigen Erwartungen. Citi hatte für Wainua in der ATTR-CM-Indikation Spitzenumsätze von mehr als sechs Milliarden Dollar veranschlagt und das Programm auf rund 2,8 Prozent der gesamten Unternehmensbewertung taxiert. Morgan Stanley wiederum bezifferte die risikoadjustierten Konsensschätzungen für die Herzindikation auf etwa 3,3 Milliarden Dollar und rechnet nun mit einer deutlichen Abwärtskorrektur dieser Prognosen – möglicherweise begleitet von einer Kürzung der langfristigen Gewinnerwartungen im mittleren einstelligen Prozentbereich.
Die Bank bezeichnete das Ergebnis als „bedeutende Abwärtsüberraschung“, hielt jedoch an ihrer Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 16.500 Pence fest. Der Blick der Analysten richtet sich nun auf andere Pipeline-Kandidaten, die in der zweiten Jahreshälfte 2026 Daten liefern sollen, darunter das Lungenkrebsmedikament Dato-DXd und der COPD-Wirkstoff Tozorakimab.
Detaillierte Ergebnisse aus der CARDIO-TTRansform-Studie sollen im August auf dem Kongress der European Society of Cardiology vorgestellt werden. Bis dahin dürfte der Markt genau beobachten, wie belastbar die übrige Pipeline des Konzerns tatsächlich ist – die Aktie war zuvor binnen zwölf Monaten bis auf 15.730 Pence gestiegen, ehe sie am Mittwoch zeitweise auf 12.864 Pence fiel.
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