Der britisch-schwedische Pharmakonzern Astrazeneca hat gestern ein kontrastreiches Update zu seiner klinischen Pipeline im Bereich des nicht-kleinzelligen Lungenkrebses (NSCLC) präsentiert.

Während das Unternehmen den Abbruch einer groß angelegten Phase-III-Studie für einen Hoffnungsträger bekannt geben musste, lieferten zwei andere Krebstherapien gleichzeitig positive Ergebnisse. Anleger reagierten verhalten optimistisch auf die Nachrichtenlage, die Licht und Schatten für die langfristige Wachstumsstrategie des Konzerns bietet.

Aus für Volrustomig-Studie bei Lungenkrebs

Astrazeneca stellt die Phase-III-Studie eVOLVE-Lung02 ein, in der der bispezifische Antikörper Volrustomig in Kombination mit einer Chemotherapie untersucht wurde.

Wie aus Unternehmenskreisen verlautete, beruht die Entscheidung auf der Empfehlung eines unabhängigen Überwachungsausschusses (IDMC). Dieser kam zu dem Schluss, dass es unwahrscheinlich sei, die primären Endpunkte beim progressionsfreien Überleben (PFS) und beim Gesamtüberleben (OS) zu erreichen.

Die Untersuchung konzentrierte sich auf Patienten mit metastasiertem NSCLC und einer geringen PD-L1-Expression (weniger als 50 %). Besonders bei Tumoren mit einem Wert von unter einem Prozent erwies sich die Kombination gegenüber dem bisherigen Standard als nicht ausreichend überlegen.

An der Studie nahmen insgesamt 895 Patienten in 25 Ländern teil. Trotz des Abbruchs wurden keine neuen Sicherheitssignale gemeldet. AstraZeneca betonte zudem, dass laufende Studien zu Volrustomig in anderen Indikationen, darunter Gebärmutterhals- und Kopf-Hals-Krebs, wie geplant fortgesetzt werden.

Erfolge für Tagrisso-Kombination und Enhertu

Den Rückschlag bei Volrustomig konnten zwei andere Studienresultate teilweise auffangen. In der Phase-III-Studie SAFFRON zeigte eine Kombination aus Tagrisso und Orpathys (Savolitinib) bei Patienten mit spezifischen Genmutationen und einer MET-Amplifikation eine statistisch signifikante und klinisch bedeutsame Verbesserung sowohl des progressionsfreien Überlebens als auch des Gesamtüberlebens gegenüber einer Standard-Chemotherapie. Dies stärkt die Position von Tagrisso als zentralen Bestandteil der Behandlungsprotokolle bei Lungenkrebs.

Parallel dazu vermeldete der Konzern einen Erfolg für Enhertu. In der DESTINY-Lung04-Studie erreichte das Medikament den primären Endpunkt bei Patienten mit HER2-mutiertem NSCLC. Laut Berichten verbesserte Enhertu das progressionsfreie Überleben im Vergleich zu einer Standard-Erstlinientherapie deutlich. Da diese spezielle Mutation etwa zwei bis vier Prozent aller NSCLC-Fälle ausmacht, sehen Analysten hier ein wichtiges Marktsegment.

Analysten halten an Kaufempfehlungen fest

In ersten Reaktionen bewerteten Marktexperten die Nachrichten als Beleg für die Breite der Astrazeneca-Pipeline. Richard Vosser, Analyst bei JPMorgan, bezeichnete die Daten der SAFFRON-Studie als ermutigend, während er das Aus für eVOLVE-Lung02 als enttäuschend einstufte. JPMorgan bestätigte jedoch die Einstufung „Overweight“ mit einem Kursziel von 16.000 Pence. Auch die Analysten der Bank of America behielten ihre Kaufempfehlung bei.

Die Aktie notiert heute bei 135,95 € und verzeichnet damit ein leichtes Plus gegenüber dem Vortag. Trotz der aktuellen Studienerfolge bleibt das Papier unter Druck: Mit einem Abstand von 25 % zum 52-Wochen-Hoch, das am 18. Februar bei 181,10 € markiert wurde, spiegelt der Kurs die jüngsten Rückschläge bei anderen Präparaten wie Wainua oder Ultomiris wider.

Der Relative-Stärke-Index (RSI) liegt derzeit bei 34,6, was auf eine technisch überverkaufte Marktlage hindeuten könnte. AstraZeneca verfolgt weiterhin das ehrgeizige Ziel, bis zum Jahr 2030 einen Jahresumsatz von 80 Milliarden US-Dollar zu erreichen, wobei die nun erfolgreich getesteten Kombinationstherapien eine wesentliche Säule dieses Plans bilden.