Ausfall saudischer Pipeline treibt Ölpreise nach oben

Der Stillstand einer wichtigen saudischen Ölleitung und weniger Tankerpassagen durch Hormus erhöhen den Druck auf das globale Angebot.

KI-generiertes Symbolbild
Symbolbild, KI-generiert
Kurz & knapp:
  • Brent steigt auf 107,48 Dollar
  • Pipeline transportierte vier Millionen Barrel täglich
  • Weniger als zehn Hormus-Passagen täglich
  • WTI klettert auf 102,65 Dollar

Ein anhaltender Stillstand der wichtigsten saudischen Rohölleitung treibt die Energiepreise weiter an und verschärft die Furcht vor einer physischen Verknappung auf den Weltmärkten. Sollte die sogenannte Ost-West-Pipeline nicht binnen weniger Tage den Betrieb wieder aufnehmen, könnten Saudi-Arabien die für den Export verfügbaren Mengen ausgehen. Der Preis für ein Barrel Rohöl der Nordseesorte Brent zur Lieferung im November stieg am Dienstagmorgen um gut 1,7 Prozent auf 107,48 Dollar.

Die Leitung dient als zentrale Ausweichroute, um Lieferungen an der blockierten Straße von Hormus vorbei zum Rotmeer-Hafen Yanbu zu leiten. Rund vier Millionen Barrel Rohöl pro Tag flossen zuletzt über diesen Weg. Das entspricht etwa vier Prozent des weltweiten Angebots.

Engpass an den Seewegen

Nach Angriffen am vergangenen Freitag ruht der Betrieb durch das Leitungssystem. Der staatliche Ölkonzern Saudi Aramco hat bislang keinen Termin für eine Wiederaufnahme genannt.

Erschwerend kommt die Lage auf dem Seeweg hinzu. Der Rohstoffschiffsverkehr durch die Straße von Hormus sank am Wochenende auf weniger als zehn Durchfahrten pro Tag. Zuvor lag der Zehntagesdurchschnitt noch bei 14 Passagen.

Am Markt wiegen die handfesten Ausfälle schwerer als diplomatische Signale. Zwar verwies die US-Regierung jüngst auf eine angebliche Gesprächsbereitschaft in Teheran, die Führung im Iran knüpft Verhandlungen jedoch an Bedingungen. Zudem verschoben die arabischen Golfstaaten geplante Gespräche mit dem Land.

Zusätzliche Risiken in der Region

Neue militärische Vorfälle verunsichern die Rohstoffmärkte zusätzlich. Huthis griffen am Montag den Militärflugplatz Chamis Muschait im Süden Saudi-Arabiens mit Drohnen und Raketen an. Marktbeobachter werten jeden weiteren Zwischenfall als zusätzliches Versorgungsrisiko.

Der Preisauftrieb zieht sich durch das gesamte Jahr 2026. Brent-Öl verteuerte sich seit Jahresbeginn um fast 76 Prozent. Für das US-Leichtöl WTI ging es am Dienstag auf 102,65 Dollar hinauf.

Solange die Ost-West-Pipeline blockiert bleibt und Transporte durch die Straße von Hormus ausfallen, fehlt dem Weltmarkt ein Puffer gegen weitere Störungen. Sollte die Reparatur der saudischen Trasse länger dauern, droht der akute Wegfall von vier Prozent des Weltangebots das Preisniveau auf eine neue Stufe zu heben.

Über Felix Baarz 8045 Artikel
Felix Baarz arbeitet seit 2016 als Wirtschaftsjournalist und gehört zur Redaktion der YES Investmedia GmbH.Unter seinem Namen erscheinen auf Trading-Treff seit März 2025 Beiträge zu Aktien, Trading und Indizes sowie zu wirtschaftlichen Rahmenthemen. Schwerpunkte sind Rohstoffwerte sowie KI- und Technologiewerte.Quellen dieses Ressorts: Unternehmensmitteilungen und Pflichtveröffentlichungen, Geschäftsberichte und Quartalszahlen, Kurs- und Handelsdaten der Börsenplätze sowie Meldungen der Nachrichtenagenturen. Bei Index- und Trading-Themen zusätzlich die Zusammensetzung und Anpassungen der Indexanbieter sowie Terminmarktdaten; bei Technologie- und KI-Werten Produktankündigungen und Geschäftszahlen der Unternehmen.Einordnung: Analystenurteile und Kursziele erscheinen als Aussage der jeweiligen Häuser, nicht als Bewertung der Redaktion. Kurs- und Unternehmensangaben geben den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder.