Liebe Traderinnen und Trader,
die beschädigte Ostwest-Pipeline Saudi-Arabiens bleibt nach Expertenschätzung vier bis sechs Wochen außer Betrieb. Eigentlich ein Umfeld, in dem Aktien mit Autarkie-Bezug steigen müssten. Stattdessen geraten ausgerechnet BYD, Daimler Truck und die Wasserstoff-Allianz der Nutzfahrzeugbranche unter Druck. Diese Lücke zwischen Nachrichtenlage und Kursverlauf ist heute unser Thema, ergänzt um einen ganz anderen Fall: die UBS, wo nicht der Ölpreis, sondern ein Parlamentstermin am Donnerstag über die Kursrichtung entscheidet.
BYD: Der Chart ist pessimistischer als das Produktportfolio
BYD notiert nahe seinem 52-Wochen-Tief von 8,03 Euro (markiert am 30. Juni) und hat seit Jahresbeginn 17 Prozent verloren. Auslöser waren die August-Verkaufszahlen aus China: 250.827 Einheiten, ein Rückgang von 14,3 Prozent gegenüber Vorjahr, bei weltweit 440.293 verkauften Fahrzeugen. Operativ zeigt sich ein anderes Bild. In Pingshan läuft bereits eine 2-Gigawattstunden-Testlinie für eine Feststoffbatterie mit einer Energiedichte von bis zu 400 Wattstunden pro Kilogramm auf Zellebene, Kleinserien-Testfahrzeuge sind für 2027 angekündigt, dazu eine 5C-Schnellladefähigkeit von zehn Minuten auf 80 Prozent. Parallel brachte die BYD-Tochter Denza mit dem N8L ein neues Modell mit 800-Volt-Architektur und 960 Kilometern Reichweite nach chinesischem Zyklus an den Markt, umgerechnet zwischen rund 38.700 und 42.500 Euro. Für Anleger heißt das: Wer BYD nur über die Absatzzahlen liest, verpasst den technologischen Vorsprung. Die 8-Euro-Marke bleibt die Beobachtungszone für eine mögliche Bodenbildung.
Wasserstoff-Lkw gegen E-Lkw-Realität: Die Branche kämpft an zwei Fronten
Ein Bündnis aus Daimler Truck, Volvo, Toyota, Bosch, Air Liquide, TotalEnergies und weiteren Partnern will den Hochlauf von Wasserstoff-Lkw mit Tagesreichweiten über 1.000 Kilometern bis 2030 beschleunigen. Gleichzeitig fordert die Branche von der EU einen Aufschub der CO2-Ziele für Lkw-Neuzulassungen bis 2033 – aus einem simplen Grund: Von den benötigten 35.000 Ladepunkten existieren bislang erst 730. Daimler Truck beziffert das Risiko in Euro: Jeder verfehlte Prozentpunkt beim vorgegebenen Emissionsziel kostet den Konzern 120 Millionen Euro. Die Aktie notiert bei knapp 43 Euro, rund 14 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch vom 3. August. Volvo liegt mit rund 29 Euro spürbar unter seinem Anfang August erreichten Jahreshoch, TRATON – mit MAN ebenfalls Teil der Wasserstoff-Allianz – notiert bei etwas über 36 Euro und damit unter der Ende Juli markierten Bestmarke. Das Sektorbild zeigt: Die Antriebswende ist für die gesamte Nutzfahrzeugbranche Chance und regulatorisches Risiko zugleich. Wer auf die Wasserstoff-Option setzt, kauft eine politische Wette auf die EU-Fristverlängerung mit. Auf der technischen Seite tut sich derweil einiges: Scania erweitert sein E-Lkw-Angebot auf bis zu 720 Kilometer Reichweite durch zusätzliche Batteriepakete, kombiniert mit einer aerodynamischen Optimierung, die den Energieverbrauch um bis zu 3 Prozent senkt.
Zwischen Ladeinfrastruktur-Rückstand und dem Ringen um EU-Fristen zeigt sich, wie umkämpft die Wasserstoff-Wette der Nutzfahrzeugbranche derzeit ist. Ein Report analysiert abseits der bekannten Namen wie Daimler Truck, welche Brennstoffzellen-Aktien von diesem Wachstumsmarkt profitieren könnten, inklusive konkreter Einschätzungen zu den aussichtsreichsten Titeln. Report zu Brennstoffzellen-Aktien anfordern
UBS: Ein Donnerstag mit klarem Kurspotenzial
Losgelöst vom Energiethema, aber mit fixem Termin: Das Schweizer Parlament berät an diesem Donnerstag über mildere Kapitalregeln für die UBS, konkret über einen verstärkten Einsatz von AT1-Anleihen. Investoren taxieren das Sparpotenzial auf hunderte Millionen Dollar jährlich. Die Aktie ist zuletzt auf rund 44 Euro zurückgefallen, nachdem sie Mitte Juli mit 48,19 Euro ihr Jahreshoch markiert hatte. Fällt das Votum wie erwartet aus, ist das ein plausibler Hebel, um diesen Abstand zu schließen.
Marschroute: Der Fed-Zinsentscheid am Mittwochabend, breit erwartet mit 25 Basispunkten, dürfte kurzfristig die Richtung an den Tech-Börsen vorgeben. Für die kommenden Handelstage zählen aber vor allem drei Levels: BYD nahe der 8-Euro-Marke als Beobachtungszone für eine Bodenbildung, das Trio Daimler Truck, Volvo und TRATON als Gradmesser einer unter Druck stehenden, aber strukturell intakten Antriebswende-Story, und der Donnerstag als klar terminierter Katalysator für die UBS zwischen 44 und 48 Euro. Wer die Ölpreis-Eskalation im Nahen Osten als strukturelles Thema begreift und nicht nur als Tagesnachricht abhakt, findet in diesen drei Namen die handelbaren Gegenstücke dazu.
Gute Trades, Ihr Andreas Sommer
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