Die Zunahme extremer Wetterereignisse rückt versicherungstechnische Risiken im britischen Wohnungssektor in den Vordergrund. Aviva-Konzernchefin Amanda Blanc warnte gestern davor, dass in englischen Hochwasserrisikogebieten errichtete Gebäude künftig unversicherbar werden könnten.

Laut einem Bericht der britischen Tageszeitung The Guardian verwies Blanc auf die wachsende Flutgefahr. Setze sich der gegenwärtige Bautrend fort, könnten im kommenden Jahrzehnt weitere 115.000 Häuser auf gefährdeten Flächen entstehen.

Klimarisiken und anhaltende Absicherungslücken

Die Äußerungen der Unternehmensleiterin unterstreichen die Herausforderung für Erstversicherer, Elementarschäden langfristig kalkulierbar zu halten. Wenn Wohnraum vermehrt in exponierten Lagen geschaffen wird, drohen die potenziellen Schadenssummen für die Branche spürbar anzusteigen. Für Immobilieneigentümer bedeutet das erhebliche finanzielle Unsicherheiten, falls private Gesellschaften den Schutz einschränken oder Policen unbezahlbar werden.

Gleichzeitig bleibt der britische Markt von Absicherungslücken geprägt. Eine von Aviva am 22. September vorgestellte Untersuchung zum Vorsorgeverhalten zeigte, dass 46 Prozent der befragten Personen über keinerlei finanzielle Absicherung verfügen. Zwar gaben 52 Prozent an, ihren Schutz nach bedeutenden Wendepunkten im Leben neu zu überdenken, doch weite Teile der Bevölkerung bleiben ungeschützt.

Zuwächse bei Vorsorge und Fondsangeboten

Ungeachtet der Debatte um Wohnbau- und Elementarrisiken treibt der Konzern den Ausbau der kapitalmarktorientierten Sparten voran. Am Montag gab Aviva bekannt, dass der hauseigene Master Trust die Marke von 20 Milliarden Pfund an verwaltetem Vermögen überschritten hat. Das Altersvorsorgeangebot betreut mittlerweile mehr als 650 teilnehmende Arbeitgeber sowie über 650.000 Mitglieder.

Parallel dazu ergänzt die Fondsgesellschaft Aviva Investors die Palette im Rentensegment. Am 23. September startete die Sparte den Short Duration Global Credit Fund. Mit dieser Strategie investiert das Haus über die globalen Anleihemärkte hinweg und zielt auf kurze Durationen ab.

An den Finanzmärkten verlief der Handel für den Versicherer zuletzt ruhig. Die Aviva-Aktie notiert heute mit einem leichten Plus von 0,2 Prozent bei 8,17 Euro. Vom 52-Wochen-Hoch bei 8,90 Euro bleibt der Titel damit ein Stück entfernt.