Jefferies traut Axa an der Börse mehr zu: Das Analysehaus erhöhte gestern sein Kursziel von 52,50 auf 53,50 Euro und bestätigte die Kaufempfehlung. Analyst Philip Kett hält den Wachstumstrend für verlässlich. Der Bewertungsabschlag gegenüber vergleichbaren Unternehmen ist aus seiner Sicht nicht gerechtfertigt.
Die Einschätzung richtet den Blick auf das Verhältnis zwischen Geschäftsentwicklung und Bewertung. Axa wächst, nimmt aber nicht in allen Bereichen zusätzliches Geschäft an. Gerade bei AXA XL begrenzt der Versicherer das Volumen angesichts nachgebender Preise. Das schwächere Prämienaufkommen dort ist deshalb nicht allein als Nachfragesignal zu lesen.
Zwei positive Analystenurteile
Kett bezeichnet Axa zudem als sicheren Hafen für französische Anleger. Sein Urteil verbindet damit eine positive Einschätzung des Wachstums mit dem Argument einer zu niedrigen Bewertung. Die höhere Zielmarke ist eine Analystenerwartung, kein bereits erreichter Börsenwert.
Auch Grupo Santander nahm gestern die Beobachtung mit einer Empfehlung zur überdurchschnittlichen Entwicklung auf. Das Kursziel beträgt 51,70 Euro. Zum Vergleich: Der Schlusskurs vom Freitag lag bei 42,79 € und damit unter beiden Analystenzielen.
Die beiden Häuser setzen somit auf höhere Kurse. Eine ausführliche Begründung für den Bewertungsabschlag liefert vor allem Jefferies: Kett sieht keinen ausreichenden Grund dafür, Axa gegenüber vergleichbaren Unternehmen niedriger zu bewerten. Entscheidend für diese These bleibt die Verlässlichkeit des operativen Wachstums.
Wachstum mit unterschiedlichen Treibern
Von Januar bis September 2026 stiegen die Bruttoprämien und sonstigen Erträge vergleichbar um 5% auf 93 Milliarden Euro. Das ausgewiesene Wachstum fiel etwas schwächer aus.
Die Geschäftsfelder entwickelten sich allerdings unterschiedlich. Während Leben und Gesundheit sowie das Privatkundengeschäft zulegten, ging das Prämienvolumen bei AXA XL zurück. Für Anleger ist diese Unterscheidung wichtig: Das Konzernwachstum verteilt sich nicht gleichmäßig über das gesamte Portfolio.
Leben und Gesundheit erreichten zusammen 44,8 Milliarden Euro bei einem Wachstum von 7%. Der Nettomittelzufluss betrug 6 Milliarden Euro.
Damit lieferte dieser Bereich einen wesentlichen Beitrag zur Expansion. Im Schaden- und Unfallgeschäft setzte dagegen vor allem das Privatkundengeschäft Wachstumsimpulse. Das Unternehmenskundengeschäft entwickelte sich verhaltener.
Bei AXA XL Insurance sanken Prämien und Preise jeweils um 1%. Axa begründete die Entwicklung mit diszipliniertem Zyklusmanagement. Höheren Volumen in der Sachversicherung stand eine Begrenzung des Haftpflichtgeschäfts gegenüber.
Selektivität trifft auf höhere Schäden
Die Zurückhaltung reicht bis in die Rückversicherung. Bei AXA XL Re gingen die Bruttoprämien und sonstigen Erträge um 9% auf 2,2 Milliarden Euro zurück. Dahinter stand selektiveres Geschäft in einem Markt mit nachgebenden Preisen.
Das stützt die Einordnung, dass Axa nicht jedes mögliche Prämienwachstum verfolgt. Zugleich belasten höhere Naturkatastrophenschäden die Entwicklung. Hagel, Dürre und Gewitter erhöhten den Schadenaufwand im dritten Quartal.
Die Solvency-II-Quote lag Ende September bei 213%, nach 218% Ende Juni. Für die Bewertungsthese von Jefferies ergibt sich damit ein differenziertes Bild: Das Wachstum ist vorhanden, während Schadenbelastung und Kapitalausstattung ebenfalls Beachtung verlangen. Die positive Analystensicht beruht nicht auf einer durchgehend störungsfreien Entwicklung, sondern auf dem Vertrauen in deren Verlässlichkeit.
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