Der französische Versicherungskonzern Axa hat seine strategischen Weichen für die kommenden Jahre gestellt. Mit dem neuen Strategieplan „Growing Forward“ für den Zeitraum 2027 bis 2029 rückt das Unternehmen das kundengetriebene organische Wachstum und die massive Skalierung künstlicher Intelligenz (KI) in den Mittelpunkt.
Ziel ist es, die Wettbewerbsfähigkeit durch technologische Effizienz und attraktive Margen weiter auszubauen. An der Börse stießen die Ankündigungen auf ein positives Echo: Die Aktie notiert heute mit einem Plus von 1,9 % bei 44,76 Euro.
Effizienzsprung durch künstliche Intelligenz
Ein zentraler Pfeiler der neuen Strategie ist der konsequente Einsatz von KI entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Axa-CEO Thomas Buberl plant, bis zum Jahr 2029 einen wiederkehrenden Wertbeitrag aus KI-Initiativen von 500 bis 700 Millionen Euro pro Jahr vor Steuern zu generieren.
Dieser Betrag versteht sich bereits nach Abzug der Implementierungs- und Betriebskosten. Um dieses Ziel zu erreichen, investiert der Versicherer bis 2029 rund 130 Millionen Euro in die KI-Schulung seiner Mitarbeiter.
Bereits heute nutzen laut Unternehmensangaben rund 80 % der Belegschaft regelmäßig KI-Anwendungen in ihrem Arbeitsalltag. Die Technologie soll insbesondere im Underwriting, im Betrieb und im Vertrieb zum Einsatz kommen, um Prozesse zu beschleunigen und die Risikobewertung zu präzisieren.
Buberl betonte am Dienstag in Paris, dass KI den Versicherer des nächsten Jahrzehnts prägen werde, wobei ein Fokus auf Prävention und dem Management neuer Risiken wie dem Klimawandel oder steigenden Gesundheitskosten liege.
Ehrgeizige Finanzziele bis 2029
Für den Zeitraum von 2026 bis 2029 strebt Axa ein jährliches Wachstum des zugrunde liegenden Gewinns je Aktie (EPS) von 7 % bis 9 % an. Die Eigenkapitalrendite (ROE) soll sich zwischen 2027 und 2029 in einer Spanne von 15 % bis 17 % bewegen.
Bereits für das laufende Jahr 2026 erwartet der Konzern, das EPS-Wachstum und die Eigenkapitalrendite am oberen Ende der bisherigen Zielspannen von 6 % bis 8 % beziehungsweise 14 % bis 16 % zu erreichen.
Anleger können zudem mit einer stabilen Ausschüttungspolitik planen. Axa bestätigte eine Gesamtausschüttungsquote von 75 % des operativen Gewinns je Aktie. Diese setzt sich aus einer Dividende von 60 % und Aktienrückkäufen im Umfang von 15 % zusammen.
Insgesamt rechnet das Management für den Dreijahresplan mit kumulierten organischen Cash-Rückflüssen von rund 25 Milliarden Euro. Zudem soll der Buchwert je Aktie inklusive Dividenden jährlich im mittleren Zehnprozentbereich steigen.
Analysten bewerten Ziele als attraktiv
Die Reaktionen der Analysehäuser auf den Investorentag fielen wohlwollend aus. Die Experten von Berenberg bezeichneten die Ziele für den Zeitraum bis 2029 als „sehr attraktiv“ und hielten an ihrer Kaufempfehlung fest.
Auch die Analysten von CIC Market Solutions bestätigten ihre Einstufung mit „Kauf“ und einem Kursziel von 50 Euro. Damit trauen sie dem Papier weiteres Potenzial zu, nachdem es sich mit dem aktuellen Kursniveau bis auf 2,5 % an sein 52-Wochen-Hoch von 45,89 Euro herangearbeitet hat.
Neben der langfristigen Strategie äußerte sich CEO Thomas Buberl am Rande der Präsentationen auch zur politischen Lage in Frankreich. Er forderte die künftige Staatsführung zu Strukturreformen auf, um den Schuldenberg des Landes abzubauen. Er warnte ausdrücklich vor Plänen zur Streichung von Staatsanleihen, was er als gefährlich bezeichnete.
Für Axa ist die Stabilität des französischen Marktes von hoher Bedeutung, da das Unternehmen rund 12 % seiner Vermögenswerte in Frankreich investiert hat.
Während Wettbewerber wie Aviva oder Zurich zuletzt Milliarden für Übernahmen ausgaben, setzt Axa verstärkt auf die eigene Stärke. Der Fokus liegt dabei besonders auf dem Geschäft mit kleinen und mittleren Unternehmen sowie dem Bereich Leben und Gesundheit, die zusammen mit dem klassischen Schaden- und Unfallgeschäft für Privatkunden rund 83 % des Umsatzes ausmachen. Die Großkundensparte Axa XL steuerte zuletzt 17 % zum Gesamtumsatz bei.
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