Der Halbleiterspezialist AXT sieht sich aktuell mit operativen Herausforderungen durch verschärfte chinesische Exportbestimmungen konfrontiert. Medienberichten zufolge führen diese Regulierungen zu Verzögerungen bei der Auslieferung von Indiumphosphid-Substraten (InP) nach Nordamerika und in die USA.

Diese Entwicklung trifft das Unternehmen in einer Phase, in der die Nachfrage nach kritischen Materialien für die Chipindustrie ein Rekordniveau erreicht hat.

Exportkontrollen bremsen Lieferketten aus

Die Verzögerungen im Warenverkehr mit Nordamerika stehen im Zusammenhang mit den Exportkontrollen für spezifische Halbleitermaterialien, die seitens der chinesischen Behörden umgesetzt werden.

Da AXT wesentliche Teile seiner Produktion über die Tochtergesellschaft Beijing Tongmei in China abwickelt, ist das Unternehmen unmittelbar von den bürokratischen Hürden betroffen. Branchenexperten wiesen bereits gestern darauf hin, dass die Genehmigungsprozesse die logistischen Abläufe zunehmend erschweren.

Diese Handelshemmnisse belasten die kurzfristige Verfügbarkeit von Substraten, die für Hochleistungsanwendungen in der Optoelektronik und 5G-Technologie essenziell sind. Trotz der aktuellen Ausfuhrverzögerungen plant das Unternehmen weiterhin, seine Produktionskapazitäten im laufenden Jahr zu verdoppeln. Damit reagiert das Management auf die globale Knappheit an spezialisierten Wafern, die für die KI-Infrastruktur benötigt werden.

Rekordwerte beim Auftragsbestand und Umsatz

Ungeachtet der regulatorischen Hürden verzeichnete das Unternehmen im zweiten Quartal 2026 ein deutliches Wachstum. Der Gesamtumsatz stieg auf 47,6 Millionen US-Dollar, was einem Zuwachs von mehr als 164 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspricht.

Besonders dynamisch entwickelte sich das Geschäft mit Substraten, das ein Plus von rund 232 Prozent verbuchte. Diese Zahlen unterstreichen die hohe Relevanz der Produkte für die aktuelle Technologie-Welle.

Besonders hervorzuheben ist der Auftragsbestand bei Indiumphosphid, der inzwischen ein Volumen von über 100 Millionen US-Dollar überschritten hat. Diese prall gefüllten Orderbücher bieten zwar eine hohe Visibilität für künftige Erlöse, erhöhen jedoch gleichzeitig den Druck auf die Lieferfähigkeit unter den gegebenen Exportbeschränkungen. Die Aktie notiert heute bei 57,78 Euro und verzeichnete damit seit Jahresbeginn ein Plus von 353 Prozent.

Bewertung und Risiken im Fokus

Trotz der starken fundamentalen Entwicklung am Markt für Halbleitermaterialien mahnen Analysten zur Vorsicht hinsichtlich der Bewertung. Das Kurs-Umsatz-Verhältnis liegt derzeit bei etwa 35,2 und übertrifft damit den Branchendurchschnitt von 6,8 deutlich. Marktbeobachter wiesen heute darauf hin, dass die Aktie nach der massiven Rallye seit dem Jahreswechsel nun eine ambitionierte Bewertung widerspiegelt.

Das Papier liegt derzeit rund 55 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 128,55 Euro, das am 25. Mai 2026 markiert wurde. Neben der hohen Bewertung bleibt die Abhängigkeit von der chinesischen Tochtergesellschaft Beijing Tongmei das zentrale Risiko für Anleger.

Sollten sich die Exportverzögerungen verfestigen oder weitere Handelsrestriktionen in Kraft treten, könnte dies die Abarbeitung des hohen Auftragsbestands nachhaltig gefährden. Die weitere Entwicklung wird maßgeblich davon abhängen, wie effizient die Exportgenehmigungen für den US-Markt erteilt werden.