Kurssprung trotz technischem Blackout — Baidu erlebt einen widersprüchlichen Handelstag. Während die Aktie um über acht Prozent zulegt, kämpft die Firmentochter Apollo Go mit einer massiven Vertrauenskrise. Ein flächendeckender Stillstand der autonomen Flotte in der Millionenmetropole Wuhan wirft fundamentale Fragen zur Marktreife der Technologie auf.

Am 31. März 2026 blieben in Wuhan zeitgleich 80 bis 100 Robotaxis von Apollo Go abrupt stehen. Das System war gelähmt, der Verkehr in der Innenstadt blockiert. In der Folge setzte Baidu den Dienst in allen Stadtteilen vorerst aus. Dieser Vorfall markiert eine schmerzhafte Zäsur für das Prestigeprojekt des Konzerns.

Dabei war das Unternehmen operativ auf Rekordkurs. Im ersten Quartal 2026 absolvierte die Flotte rund 3,2 Millionen Fahrten. Das entspricht einem Plus von 120 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die kumulierte Laufleistung der autonomen Fahrzeuge überschritt zuletzt die Marke von 330 Millionen Kilometern.

Druck durch neue Konkurrenten

Parallel dazu wächst der Wettbewerb im Sektor für intelligentes Fahren. Der spezialisierte Zulieferer Momenta strebt mit einer Bewertung von rund 69 Milliarden Hongkong-Dollar an die Börse. Das Startup kooperiert bereits mit 24 globalen Automobilherstellern. Baidus eigene Technik droht indes, im Markt für Privat-Pkw an Boden zu verlieren. Viele Autobauer entwickeln mittlerweile eigene Lösungen oder setzen auf alternative Drittanbieter.

Finanziell sieht die Lage für den Gesamtkonzern hingegen robuster aus. Das KI-Kerngeschäft, inklusive Cloud-Sparte und Anwendungen, steigerte den Umsatz zuletzt um 49 Prozent. Dieser Bereich steuerte im ersten Quartal 13,6 Milliarden Yuan zum Ergebnis bei. Laut CEO Robin Li kompensiert das starke KI-Wachstum die Schwächen im klassischen Werbegeschäft.

Höhere Preise im Cloud-Geschäft

Baidu Cloud nutzt die hohe Nachfrage nach Rechenleistung für Preisanpassungen. Seit dem 18. April kosten die Dienste je nach Segment zwischen 5 und 30 Prozent mehr. Das Unternehmen folgt damit dem Branchentrend im globalen Wettrüsten um künstliche Intelligenz.

An der Börse wird die Entwicklung heute positiv quittiert. Die Aktie kletterte auf 105,80 Euro. Damit liegt das Papier rund 37 Prozent über dem Niveau des Vorjahres. Seit Jahresbeginn steht allerdings noch ein Minus von etwa 17 Prozent in den Büchern.

Analysten blicken nun gespannt auf die Zahlen für das zweite Quartal, die im August anstehen. Der Markt erwartet einen Gewinn je Aktie von 1,91 US-Dollar. Der Quartalsumsatz soll laut Prognosen bei rund fünf Milliarden Dollar liegen.