Baidu bekommt die Kehrseite der eigenen KI-Strategie zu spüren. Die Aktie brach im Hongkonger Handel zeitweise um rund zehn Prozent ein, nachdem der Konzern Analysten am Vortag eine Ergebnisvorschau präsentiert hatte. Der Ton dabei: alarmierend für das Kerngeschäft.
Werbeerlöse schwächeln, Chatbots übernehmen
Im Zentrum der Sorgen steht das digitale Werbegeschäft rund um die Suchmaschine. Immer mehr chinesische Nutzer ersetzen die klassische Baidu-Suche durch KI-Chatbots — ausgerechnet jene Technologie, in die der Konzern selbst massiv investiert hat. Barclays-Analyst Jiong Shao rechnet damit, dass sich der Rückgang der Werbeerlöse im Suchmaschinengeschäft auch im zweiten Quartal fortgesetzt hat und über das gesamte Jahr anhalten dürfte. Die Bank senkte ihr Kursziel von 128 auf 124 US-Dollar, beließ das Votum aber bei „Equal Weight“.
Auch Vey-Sern Ling von der Union Bancaire Privée bestätigt das Bild: Das Kerngeschäft mit digitaler Werbung stehe strukturell unter Druck. Für Baidu ergibt sich damit ein Dilemma mit bitterer Ironie — das eigene Vorzeigeprojekt im Bereich künstlicher Intelligenz frisst am angestammten Geschäftsmodell.
Verschärft wird die Lage durch einen breiteren Ausverkauf bei chinesischen Technologiewerten. Risikoaversion und Zweifel an der KI-Story im Sektor drückten den Hang Seng Index zeitgleich um 0,4 Prozent nach unten. Baidu traf es damit deutlich härter als den Gesamtmarkt.
Rückstand im KI-Wettlauf
Während Baidu mit dem eigenen Sprachmodell ERNIE und Investitionen in Cloud sowie autonomes Fahren auf KI setzt, hinkt der Konzern im direkten Vergleich mit chinesischen Rivalen wie Bytedance und Zhipu spürbar hinterher. Genau diese Lücke dürfte die Substitution der Suchmaschine durch Chatbots beschleunigen — ein Trend, den Analysten nicht als Ausrutscher, sondern als strukturelles Problem einordnen.
Die kommenden Quartalszahlen werden zeigen, wie tief der Werbeeinbruch tatsächlich reicht. Barclays geht davon aus, dass der Gegenwind im Kerngeschäft bis Ende 2026 anhält — ein Zeitraum, in dem sich zeigen muss, ob Baidus eigene KI-Sparten den Wegfall kompensieren können.
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