Ein Kurssturz von fast 18 Prozent an einem einzigen Handelstag rüttelt Anleger auf. Ballard Power Systems beendet eine ohnehin schwache Woche mit einem massiven Abverkauf. Dabei stehen die operativen Zeichen eigentlich auf Erholung. Ein plötzlicher Umbau im Verwaltungsrat wirft jedoch Schatten auf die jüngsten Erfolge.

Rücktritte überschatten Hauptversammlung

Die ordentliche Hauptversammlung Anfang Juni bestätigte zunächst sechs Direktoren mit hohen Zustimmungsraten. Parallel dazu traten jedoch drei Mitglieder zurück. Neben Janet Woodruff verließen auch die beiden Weichai-Vertreter Michael Chen und Huajie Wang das Gremium.

Der Markt reagierte nervös auf dieses Führungsvakuum. Am Freitag rutschte das Papier auf 4,29 Euro ab. Auf Wochensicht verlor der Wasserstoff-Spezialist damit knapp 20 Prozent an Wert.

Trotz des scharfen Rücksetzers notiert der Titel weiterhin gut 87 Prozent über dem Niveau vom Jahresanfang. Die extrem hohe annualisierte Volatilität von fast 136 Prozent zeigt deutlich, wie unruhig das Handelsumfeld bleibt.

Margen steigen, Cashburn sinkt

Fundamental lieferte das Management zuletzt solide Argumente für die vorangegangene Kursrally. Im ersten Quartal kletterte der Umsatz um 26 Prozent auf 19,4 Millionen US-Dollar. Hinzu kommt eine Bruttomarge von 14 Prozent. Das markiert das dritte positive Quartal in Folge für diese wichtige Kennzahl.

Auf der Kostenseite greifen die Sparmaßnahmen. Die operativen Ausgaben sanken um über ein Drittel. Der Mittelabfluss aus dem operativen Geschäft schrumpfte entsprechend auf 7,8 Millionen US-Dollar zusammen.

Der Verlust je Aktie fiel mit vier US-Cent geringer aus als von Analysten befürchtet. Ein starker Treiber war das Geschäft mit stationären Anlagen, dessen Erlöse sich fast verachtfachten.

Neue Aufträge treffen auf Skepsis

Abseits der Finanzkennzahlen füllt sich das Auftragsbuch. Der britische Hersteller Wrightbus integriert die neue Brennstoffzellen-Plattform von Ballard in seine kommenden Doppeldecker-Busse. Die Serienproduktion startet 2027.

Im gleichen Schritt sicherte sich das Unternehmen eine Vertragsverlängerung mit Solaris Bus & Coach bis 2029. Weltweit sind mittlerweile über 2.200 Busse mit Ballard-Technologie im Einsatz.

Die Wall Street traut dem Aufschwung indes noch nicht. Das durchschnittliche Kursziel der Analysten liegt bei lediglich 2,56 US-Dollar und damit weit unter dem aktuellen Kursniveau. Von acht Experten rät derzeit niemand zum Kauf.

Das Management rechnet für 2026 mit einem starken zweiten Halbjahr. Da eine konkrete Jahresprognose fehlt, richten Investoren den Blick nun auf die Auslieferungen im dritten Quartal. Hält die Dynamik bei den europäischen Bus-Aufträgen an, stützt das die fundamentale Wende.