Die Bank of Japan steht vor einem historischen Schritt: Die Notenbank dürfte ihren Leitzins am Freitag um 25 Basispunkte auf 1,25 Prozent anheben, das höchste Niveau seit 31 Jahren. Für den angeschlagenen Yen und internationale Investoren genügt dieser Zinsschritt allein allerdings kaum mehr. Entscheidend wird, wie deutlich Notenbankchef Kazuo Ueda den Kurs für künftige Straffungen absteckt.
Inflationsdaten dämpfen den Handlungsdruck
Die japanische Währung verharrte am Freitagmorgen mit rund 156 Yen je Dollar auf schwachem Niveau. Am Markt gilt der Zinsschritt mit einer Wahrscheinlichkeit von 83 Prozent als so gut wie sicher. Da die Erhöhung bereits in den Kursen enthalten ist, richtet sich das Augenmerk vor allem auf die Signale für die kommenden Quartale.
Frische Preisdaten lieferten derweil ein gemischtes Bild für die Währungshüter. Die japanische Kerninflation schwächte sich im August unerwartet auf 1,7 Prozent ab, während die Gesamtteuerung bei 1,9 Prozent verharrte. Staatliche Entlastungen bei Energie und Treibstoffen federten den Preisauftrieb ab, obgleich Unternehmen gestiegene Vorleistungskosten zunehmend an die Verbraucher weiterreichen.
Washington drängt auf Haushaltsdisziplin
Hinter den Kulissen treibt auch Washington die Zinswende in Tokio an. US-Finanzminister Scott Bessent forderte die japanische Führung in vertraulichen Gesprächen auf, die Zinsen anzuheben und die hohen Staatsausgaben einzudämmen. Die Sorge im US-Finanzministerium: Ein Ausverkauf japanischer Staatsanleihen könnte die Renditen von US-Papieren in die Höhe treiben, da Japan der größte ausländische Gläubiger der Vereinigten Staaten ist.
Für Premierministerin Sanae Takaichi entsteht daraus ein spürbarer Zielkonflikt. Die Budgetanträge für das nächste Fiskaljahr kletterten auf 143 Billionen Yen. Takaichi hält an Konjunkturhilfen und Subventionen fest, während Washington eine klare Vereinbarkeit zwischen Geld- und Fiskalpolitik verlangt, um den Verfall des Yen zu stoppen.
Seit dem Beginn der Zinswende im Jahr 2024 hat die Bank of Japan ihren Leitzins schrittweise normalisiert. Marktbeobachter rechnen damit, dass Ueda bei einer hawkish formulierten Pressekonferenz den Weg für eine weitere Zinsanhebung im Dezember ebnen könnte.


