Liebe Traderinnen und Trader,
der Anleihemarkt hat diese Woche die Spielregeln für den Aktienhandel neu geschrieben. Zehnjährige US-Staatsanleihen rentierten am Freitag mit 5,21 Prozent so hoch wie zuletzt 2007. Die Bundesanleihe erreichte am Donnerstag mit gut 3,6 Prozent ein 17-Jahres-Hoch.
Für Trader ist die Frage damit nicht mehr, ob die Zinsen steigen, sondern welche Sektoren davon profitieren. Die Antwort der abgelaufenen Woche war eindeutig: Banken ja, Telekom-Werte nein. Genau diese Spreizung ist der handelbare Trade für die kommenden Sitzungen.
Banken: Der Sektor kauft sich über die 50-Tage-Linie
Wer steigende Zinsen handeln will, landet zuerst bei den Banken. Der europäische Bankenindex Stoxx Europe 600 Banks stieg am Freitagvormittag um 1,5 Prozent und überwand dabei seine 50-Tage-Linie. Auslöser war der Bericht über einen iranischen Vorschlag, die Straße von Hormus binnen sieben Tagen unter Bedingungen zu öffnen. Fallende Ölpreise und höhere Kreditzinsen sind für Banken die ideale Kombination: weniger Ausfallrisiko, mehr Zinsmarge.
Die Deutsche Bank schloss am Freitag bei 32,03 Euro, ein Plus von 2,3 Prozent. Auf 30-Tage-Sicht liegt die Aktie noch 7,2 Prozent im Minus, das 52-Wochen-Hoch von 35,84 Euro stammt vom 8. September. Der Konzern liefert zugleich operative Argumente.
Seit dem Start des Rückkaufprogramms Ende August hat die Deutsche Bank rund 8,36 Millionen eigene Aktien erworben, allein zwischen dem 14. und 18. September gut 3,2 Millionen Stück. Dazu kommt eine neue nachrangige Kapitalanleihe (AT1) mit erstem Kündigungstermin im Oktober 2033.
Auch auf der Kostenseite arbeitet die Zeit für Frankfurt. Vorstandschef Christian Sewing kündigte an, dass in Deutschland binnen acht bis neun Jahren rund 35 Prozent der Belegschaft in den Ruhestand gehen. Diese Stellen sollen nicht voll nachbesetzt, sondern durch Automatisierung ersetzt werden. Sieben Analysten sehen die Deutsche Bank im Schnitt bei 39,14 Euro, die Spanne reicht von 36 bis 43 Euro.
Die Commerzbank beendete die Woche bei 42,39 Euro nach einem Freitagsplus von 1,9 Prozent. Das Jahreshoch vom 16. September bei 43,34 Euro liegt damit in Reichweite, seit Jahresbeginn steht ein Plus von 17 Prozent.
Noch kräftiger ging es in Paris zu. Dort sprang die Société Générale um 3,5 Prozent auf 72,72 Euro, nachdem die Deutsche Bank ihr Kursziel von 86 auf 89 Euro angehoben hatte.
Den Hintergrund liefert der Stresstest von BaFin und Bundesbank für 1.113 kleinere Institute. Im dreijährigen Krisenszenario sinkt die harte Kernkapitalquote im Aggregat um 3,8 Prozentpunkte auf 14,6 Prozent.
Mehrere Dutzend Häuser verfehlen die Kapitalvorgaben, aber nur noch halb so viele wie vor zwei Jahren. Der Sektor ist robuster geworden, während die Zinskurve ihm neue Erträge zuspielt. Deshalb haben Bankaktien in einer Woche steigender Renditen im DAX die Führung behauptet.
Genau ein solcher Bank-Trade taucht auch in der Trefferliste von Carsten Müllers Cash-Alarm auf: Die Commerzbank brachte es dort auf ein Plus von 51,2 Prozent, neben Treffern aus Rüstung, Energie, Uran, Cybersecurity und Chips. Im Live-Webinar „Die Cash-Rallye | 20 Cash-Trades in 10 Wochen“ zeigt Müller morgen um 18:00 Uhr, wie sein System permanent Aktien, Indizes, Rohstoffe, Währungen und Kryptos scannt und dort anschlägt, wo sich gerade die größte Bewegung aufbaut. Jetzt kostenlos zum Webinar anmelden
Deutsche Telekom: Bernstein kappt das Kursziel um fast ein Viertel
Die Deutsche Telekom galt lange als sicherer Hafen mit verlässlichem Cashflow. Steigende Anleiherenditen entziehen diesem Argument aber die Grundlage, weil die Dividende plötzlich gegen 3,6 Prozent bei Bundesanleihen konkurriert.
Bernstein zog am Freitag die Konsequenz: Analyst Ulrich Rathe stufte die Aktie von „Outperform“ auf „Market Perform“ ab. Das Kursziel fiel von 37 auf 28,10 Euro. Als Risiken nennt Bernstein den Glasfaserausbau und unbestätigte Berichte über eine Fusion der US-Tochter T-Mobile US.
Die Telekom-Aktie schloss am Freitag bei 27,09 Euro, ein Plus von 0,5 Prozent. Auf 30-Tage-Sicht steht ein Minus von 6,5 Prozent, das 52-Wochen-Hoch vom 27. Februar bei 34,35 Euro ist weit entfernt. Charttechnisch scheiterte die Telekom zuletzt mehrfach an der 200-Tage-Linie.
Im Forum diskutierte Unterstützungen liegen bei 27, 26 und 25 Euro, auch ein Rutsch Richtung 23 Euro wird thematisiert. Das 52-Wochen-Tief vom 30. Juni bei 23,54 Euro markiert die letzte Auffangzone.
Operativ ist das Bild zweigeteilt. T-Mobile US steigerte den Service-Umsatz im zweiten Quartal um 8,9 Prozent auf 19,0 Milliarden Dollar. Im deutschen Breitbandgeschäft verlor die Telekom dagegen 20.000 Kunden, obwohl 161.000 Glasfaserkunden hinzukamen. Die Prognose für den freien Cashflow nach Leasing hob der Konzern auf rund 20 Milliarden Euro an.
Eine Summe-der-Teile-Rechnung sieht 23 Milliarden Dollar versteckten Wert, vor allem im 54-Prozent-Anteil an T-Mobile US. Die US-Tochter selbst notiert in Frankfurt bei 145,12 Euro, auf Zwölfmonatssicht ein Minus von 29 Prozent. Solange T-Mobile US keinen Boden findet, bleibt der Bewertungsabschlag der Mutter bestehen. Der Bernstein-Schnitt ist deshalb eher Bestätigung als Auslöser.
Warsh-Fed: Drei weitere Schritte sind eingepreist
Der Markt rechnet nicht mit einer Pause, und das hält den Rückenwind für die Zinsgewinner am Leben. Die Fed hob den Leitzins am 16. September um 25 Basispunkte auf 3,75 bis 4,00 Prozent an, die erste Erhöhung seit mehr als drei Jahren. Dabei soll es nicht bleiben. Die Wahrscheinlichkeit für einen weiteren Schritt am 28. Oktober liegt laut CME FedWatch bei rund 70 bis 75 Prozent.
Die Helaba sieht bis zum zweiten Quartal 2027 drei Fed-Zinsschritte voll eingepreist. RSM-Chefökonom Joseph Brusuelas hält sogar fünf bis sechs Erhöhungen für nötig. Auslöser war der US-Einkaufsmanagerindex, der im September auf ein Fünfjahreshoch von 58,4 sprang.
Die Kern-PCE-Inflation liegt bei 3,4 Prozent, das Ziel bei 2 Prozent. Für Trader heißt das: Der Renditeanstieg ist kein Ausrutscher, sondern das Regime der nächsten Monate, und Zinsgewinner wie Banken behalten Rückenwind.
Evonik, Hellofresh, Airbus: Drei Einzelwerte mit klarer Story
Abseits der Zinsfrage schreiben drei Einzelwerte ihre eigene Geschichte. Evonik war am Freitag der Gewinner im MDAX. BASF bestätigte Gespräche über eine unverbindliche Offerte für 100 Prozent der Anteile, zuvor hatte die Financial Times über das Kaufinteresse berichtet.
Evonik schloss 7,9 Prozent höher bei 19,44 Euro, im Tagesverlauf markierte die Aktie mit 20,00 Euro ein neues 52-Wochen-Hoch. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 46 Prozent. BASF gab 2,6 Prozent auf 50,89 Euro nach, der Markt fürchtet den Preis der Konsolidierung.
Hellofresh senkte am Freitag die Jahresprognose 2026 nach einem schwachen dritten Quartal. Die Aktie fiel 7,1 Prozent auf 2,28 Euro und markierte mit 2,15 Euro ein neues 52-Wochen-Tief.
Seit Jahresbeginn hat Hellofresh 63 Prozent verloren. Das passt zur Konsumstimmung: Die Verbrauchererwartung im GfK-Konsumklima sank für Oktober um 3,8 Punkte auf minus 30,6, die Sparneigung sprang auf 21,5 Punkte. Der von Bundestag und Bundesrat beschlossene Tankrabatt von 17 Cent je Liter für Oktober bis Dezember dürfte daran wenig ändern.
Airbus verlor 0,7 Prozent auf 194,10 Euro, im Tief lag die Aktie bei 188,22 Euro. Grund sind Abweichungen beim Oberflächenschutz an Rumpfversteifungen der A321neo. Laut Insidern sind rund 500 Jets betroffen, die EASA sieht keine unmittelbare Gefahr. Airbus hat nach eigenen Angaben eine Lösung entwickelt. Der Rücksetzer war eine Chance, kein Bruch.
Diese drei Fälle zeigen, wie unzusammenhängend Kursbewegungen entstehen können: Chemie-Übernahme, Konsum-Warnung, technisches Problem in der Luftfahrt. Genau dieses Muster steht im Zentrum des Live-Webinars „Die Cash-Rallye | 20 Cash-Trades in 10 Wochen“ von Carsten Müller. Statt sich auf einen Sektor festzulegen, stellt er ein Scanning-System vor, das branchenübergreifend nach der jeweils größten Bewegung sucht – von Chemie über Rüstung bis Kryptos. Morgen um 18:00 Uhr erklärt er live, wie das System aufgebaut ist. Jetzt kostenlos zum Webinar anmelden
Bitcoin: Die Zonen unter 84.000 Dollar sind jetzt entscheidend
Bitcoin hat die Woche überstanden, aber der Schwung ist raus. Die Kryptowährung notierte am Samstag um 84.590 Dollar, nachdem der Ausbruch am Montag bei 87.397 Dollar scheiterte. Der Optionsverfall am Freitag über rund 15,9 Milliarden Dollar auf Deribit ist abgearbeitet, der Max-Pain-Preis von 76.000 Dollar zog den Kurs nicht nach unten.
Die ETF-Zuflüsse erreichten in der Woche mit 2,39 Milliarden Dollar einen Jahresrekord. Doch sie versiegten von 999 Millionen am Montag auf 134 Millionen Dollar am Freitag. Binance verzeichnete am Freitag mit über 13.800 Bitcoin den größten Tagesabfluss seit 2023.
Technisch zählt jetzt der Bereich zwischen 81.517 und 82.833 Dollar. Das Wochentief bei 83.161 Dollar hielt darüber. Fällt diese Zone, liegen die nächsten Ziele bei den 100- und 200-Stunden-Durchschnitten zwischen 79.926 und 79.365 Dollar, darunter bei 77.000 Dollar. Die 50-Tage-Linie um 76.400 Dollar und die 200-Tage-Linie um 74.000 Dollar sind die Bodenmarken des Aufwärtstrends.
Nach oben bleibt 85.000 Dollar der erste Widerstand, dann die doppelte Abweisung bei 87.000 bis 87.400 Dollar, darüber 88.000 bis 90.000 Dollar. Glassnode sieht eine Angebotswand von 1,07 Millionen Bitcoin zwischen 83.000 und 86.000 Dollar. Käufer aus dieser Zone sitzen am Breakeven und verkaufen bei jedem Anlauf.
Bei den Altcoins sticht Solana heraus. Solana legte am Samstag 4,1 Prozent auf 121,86 Dollar zu und steht auf 30-Tage-Sicht 19 Prozent höher. Ein Warnsignal kam dagegen von der Börse Bitget: Rund 351,6 Millionen Dollar wurden aus Hot Wallets abgezogen, Auszahlungen sind vorerst gestoppt.
Marschroute
Für die kommende Woche liegen die Marken fest. Commerzbank: Der Schlusskurs von 42,39 Euro liegt unter dem Jahreshoch von 43,34 Euro, ein Ausbruch darüber wäre das Kaufsignal des Sektors. Deutsche Bank: 32 Euro sind zurückerobert, das Hoch bei 35,84 Euro ist das Ziel.
Deutsche Telekom: 27 Euro halten oder 26 und 25 Euro werden getestet, das Bernstein-Ziel von 28,10 Euro ist der Deckel. Bitcoin: 82.833 Dollar entscheidet über den Bias, 87.400 Dollar über den Ausbruch. Im DAX bleibt das Doppeltief um 25.170 Punkte die Unterstützung, die 50-Tage-Linie bei etwa 25.790 der Widerstand.
Termine: Am Dienstag legt Hornbach Quartalszahlen vor, BMW hält Dienstag und Mittwoch seine Kapitalmarktveranstaltung. Micron berichtet am Mittwoch nach US-Schluss, Nike am Donnerstag. Die globalen Einkaufsmanagerindizes kommen Mittwoch und Donnerstag. Am Freitag endet die Prüffrist für die Übernahme von Ceconomy durch JD.com, zugleich stehen US-Arbeitsmarktbericht und EU-Verbraucherpreise an. Der nächste Fed-Entscheid folgt am 28. Oktober.
Der Aktienhandel ruht bis Montag, der Kryptomarkt nicht. Nutzen Sie die Ruhe für Ihre Watchlist, denn die Zinsfrage wird in der neuen Woche nicht kleiner.
Gute Trades, Ihr Andreas Sommer
Stand heute, 26. September: Deutsche Bank – Kaufen, halten oder verkaufen?
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