Ein Milliardenprojekt, das schneller Gewinne abwirft als geplant — und ein Stammwerk, das genau umgekehrte Zahlen liefert. Bei BASF zeigt sich derzeit ein deutlicher Kontrast zwischen dem neuen chinesischen Großstandort und der Zentrale in Ludwigshafen.

Rund 100 Tage nach der Eröffnung des 8,7 Milliarden Euro teuren Verbundstandorts in Zhanjiang zieht Finanzvorstand Dirk Elvermann eine überraschend positive Bilanz. Eigentlich rechnete BASF im ersten Betriebsjahr noch mit Verlusten. Tatsächlich verzeichnete die Anlage bereits fast zwei profitable Monate — ein Ergebnis, das Elvermann selbst als „wirklich ganz spektakulär“ bezeichnet.

Steamcracker unterschreitet Budget

Das Werk mit mehr als 30 Produktlinien, darunter ein Steamcracker zur Aufspaltung von Rohbenzin, ging am 26. März mit rund 2.000 Mitarbeitern in Betrieb. Es wurde nicht nur planmäßig fertig, sondern blieb auch unter dem veranschlagten Budget — bei Großprojekten dieser Größenordnung eher die Ausnahme. Alle Anlagen seien zudem von Beginn an produktions- und lieferfähig gewesen.

Ganz anders das Bild in Ludwigshafen. Der weltweit größte BASF-Standort schreibt weiterhin rote Zahlen, der Konzern spricht selbst von einem nötigen Kulturwandel. Die Belegschaft ist dort inzwischen auf rund 30.000 Vollzeitstellen geschrumpft, nach 33.370 Beschäftigten Ende 2024 — Tendenz weiter fallend, da steigende Produktivität zusätzlichen Stellenabbau nach sich zieht.

Bei den Sparprogrammen kommt BASF nach eigenen Angaben voran: Von den bis Ende 2026 geplanten jährlichen Einsparungen von 2,3 Milliarden Euro sind bereits rund 1,9 Milliarden Euro realisiert. Zusätzlich verlagert der Konzern Teile von IT-, Finanz- und Personaldienstleistungen ins günstigere Hyderabad in Indien.

Der Weg zurück in die schwarzen Zahlen am Stammsitz bleibe dennoch lang, räumte Elvermann ein. Der Konzern habe zwar viele Effizienzhebel selbst in der Hand, benötige aber auch etwas Rückenwind vom Markt. Ob dieser Rückenwind kommt, dürfte sich vor allem an der Nachfrageentwicklung in der europäischen Chemieindustrie in den kommenden Quartalen zeigen.