BASF, Bitcoin & Bundesanleihen: Das Wochenende beginnt mit einem Warnsignal

Der DAX sucht Halt bei steigenden Anleiherenditen. BASF und Evonik profitieren relativ von der Rohstoffkrise, während Bitcoin und Lufthansa mit eigenen Problemen kämpfen.

BASF, Bitcoin & Bundesanleihen: Das Wochenende beginnt mit einem Warnsignal
Kurz & knapp:
  • DAX verliert im volatilen Handel weiter an Boden
  • BASF und Evonik als relative Gewinner der Rohstoffkrise
  • Lufthansa einigt sich am Boden, Streiks in der Luft drohen
  • Bitcoin fällt durch Risikoaversion und Optionsverfall

Liebe Leserinnen und Leser,

die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe kletterte heute auf den höchsten Stand seit 15 Jahren – ein Signal, das leiser daherkommt als ein Ölpreis-Schlagzeile, aber mindestens genauso viel über die aktuelle Lage verrät. Der Markt preist mittlerweile drei EZB-Zinserhöhungen bis Jahresende ein. Wer das mit dem nach wie vor blockierten Seeweg durch die Straße von Hormus zusammendenkt, bekommt eine Ahnung davon, was uns in den nächsten Wochen noch erwartet. Heute schauen wir auf einen DAX, der trotz allem Halt sucht, auf BASF als überraschenden Lichtblick im Chemiesektor, auf einen Bitcoin, der zwischen zwei Welten feststeckt – und auf die Frage, warum ausgerechnet Lufthansa zum Symbol für eine Volkswirtschaft unter Druck geworden ist.

Der DAX sucht seinen Boden

Der deutsche Leitindex schloss heute mit einem Minus von 1,38 Prozent bei 22.300 Punkten. Das klingt nach einem ruhigen Freitag – ist es aber nicht. Wer sich die Handelsspanne vom vergangenen Montag vor Augen hält, als der DAX in einem einzigen Tag zwischen knapp 21.860 und fast 23.200 Punkten pendelte, versteht, wie fragil die Lage ist. Seit dem Allzeithoch im Januar hat der Index rund 3.000 Punkte verloren, im bisherigen Jahresverlauf steht ein Minus von etwa neun Prozent.

Auf Wochensicht gab der DAX 0,4 Prozent nach – eine Zahl, die täuscht. Hinter ihr verbergen sich 1.300-Punkte-Ausschläge an einem einzigen Tag, ein Ölpreis, der sich partout nicht beruhigen will, und Anleger, die Trumps immer neuen Deeskalationsversprechen schlicht nicht mehr glauben. Marktexperte Marcel Mußler brachte es auf den Punkt: Das Vertrauen in den US-Präsidenten sei an den Märkten längst erodiert. Das verlängerte Ultimatum bis zum 6. April – passenderweise ein Ostermontag und damit in Deutschland ein handelsfreier Tag – wirkt eher wie ein aufgeschobenes Problem als wie eine Lösung.

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BASF und Evonik: Wenn der Krieg zum Wettbewerbsvorteil wird

Inmitten roter Vorzeichen stach heute ein Name heraus: BASF legte im DAX um 2,7 Prozent zu und war damit mit Abstand der stärkste Wert der Woche – auf Sieben-Tages-Sicht steht sogar ein Plus von über 13 Prozent. Noch beeindruckender war Brenntag mit einem Wochengewinn von mehr als 16 Prozent.

Die Logik dahinter ist so bitter wie nachvollziehbar. Morgan-Stanley-Analyst Thomas Wrigglesworth argumentiert, dass die Lieferprobleme bei Rohstoffen infolge des Iran-Kriegs die asiatischen Chemiekonzerne kostenseitig härter treffen als ihre europäische Konkurrenz. BASF und Evonik – Letztere wurde auf „Overweight“ hochgestuft und legte heute 5,4 Prozent zu – profitieren also relativ gesehen von einer Krise, die sie absolut gesehen ebenfalls belastet. Das ist die perverse Arithmetik geopolitischer Schocks: Wer weniger leidet als die anderen, gilt als Gewinner.

CTS Eventim und Jungheinrich: Wenn der Ausblick alles zunichtemacht

Nicht alle Unternehmen konnten sich auf solche Argumente stützen. CTS Eventim brach heute um mehr als 23 Prozent ein – der tiefste Stand seit November 2022. Dabei waren die Jahreszahlen des Ticketvermarkters eigentlich solide. Das Problem: Der Ausblick enttäuschte, und die angekündigte Dividendenkürzung ließ Analysten bereits sinkende Konsensschätzungen einpreisen.

Ähnliches Bild bei Jungheinrich. Der Gabelstapler-Hersteller verlor 5,5 Prozent, nachdem ein schwacher Auftragseingang im vierten Quartal auf anhaltende Schwäche in Europa hindeutet. Beide Fälle illustrieren ein Muster, das sich durch die laufende Berichtssaison zieht: Nicht die Vergangenheit zählt, sondern was Unternehmen über die kommenden Monate zu sagen haben. Und da herrscht derzeit auffällig viel Schweigen – oder Vorsicht.

Lufthansa: Einigung am Boden, Sturm in der Luft

Heute gab es bei Lufthansa eine seltene gute Nachricht: Die Fluggesellschaft einigte sich mit der Gewerkschaft Verdi auf einen neuen Tarifabschluss für rund 20.000 Bodenbeschäftigte. Gehaltssteigerungen von insgesamt 4,6 Prozent in zwei Stufen, Laufzeit bis Ende Februar 2028 – ein Ergebnis, das beiden Seiten Planungssicherheit gibt.

Doch kaum war die Tinte trocken, meldete die Kabinengewerkschaft Ufo das Ergebnis ihrer Urabstimmung: 94 Prozent der Flugbegleiter der Kerngesellschaft stimmten für Streiks, bei der Regionaltochter Cityline waren es knapp 99 Prozent. Ein konkretes Datum steht noch nicht fest, aber die Richtung ist klar. Hinzu kommt der ungelöste Streit mit den Piloten um Betriebsrenten. Lufthansa hat heute Streiks am Boden abgewendet – und gleichzeitig eine neue Front in der Luft eröffnet.

Bitcoin: Zwischen Kriegsangst und Optionsverfall

Der Bitcoin fiel heute auf rund 65.900 Dollar – ein Minus von etwa fünf Prozent innerhalb von 24 Stunden. Damit hat die älteste Kryptowährung seit Jahresbeginn fast 25 Prozent verloren und notiert rund 48 Prozent unter ihrem Allzeithoch von knapp 126.200 Dollar, das im Oktober 2025 erreicht wurde.

Zwei Faktoren drücken gleichzeitig. Erstens die Risikoaversion durch den anhaltenden Iran-Konflikt – Bitcoin verhält sich derzeit eher wie ein Risikoasset denn als sicherer Hafen. Zweitens lief heute ein massiver Optionsverfall über rund 14 Milliarden Dollar ab. Der sogenannte „Maximum Pain“-Punkt lag laut Bloomberg bei etwa 75.000 Dollar – also deutlich über dem aktuellen Kurs. Was das bedeutet: Viele Absicherungsgeschäfte, die Bitcoin zuletzt noch etwas gestützt hatten, fallen nun weg. Der Krypto-Markt verlor insgesamt 4,2 Prozent an Marktkapitalisierung, Ethereum rutschte unter 2.000 Dollar. Zusätzlich belastete ein Bericht über Anthropics neues KI-Modell „Claude Mythos“, dem erhöhte Cybersicherheitsrisiken nachgesagt werden – was die Stimmung im gesamten Krypto-Sektor weiter trübte.

Analyst Timo Emden von Emden Research fasste es treffend zusammen: Bitcoin schwanke „in einem Spannungsfeld zwischen Risikoaversion und seiner Rolle als alternative Anlageklasse“. Diese Identitätskrise ist das eigentliche Problem – nicht der aktuelle Kurs.

Gold und der Ausblick auf eine unruhige Karwoche

Während Aktien und Krypto unter Druck standen, erholte sich Gold heute um rund 1,1 bis 1,5 Prozent auf über 4.400 Dollar je Feinunze. Das ist kein Zufall. Wenn Bundesanleiherenditen auf 15-Jahres-Hochs klettern, Ölpreise bei über 110 Dollar verharren und die EZB plötzlich wieder als Zinserhöherin gilt, suchen Anleger Schutz – und Gold ist die klassische Antwort.

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Die kommende Karwoche wird kurz, aber intensiv. Am Montag und Dienstag stehen Verbraucherpreisdaten aus Deutschland und der Eurozone an. Chefstratege Robert Greil von Merck Finck rechnet im zweiten Quartal erstmals seit 2023 wieder mit einer Inflation von über drei Prozent. Das Ultimatum Trumps an den Iran läuft am Ostermontag ab – ausgerechnet an einem Tag, an dem die Frankfurter Börse geschlossen ist. Am Karfreitag ebenfalls. Die Märkte werden also mit offenem Ausgang ins verlängerte Wochenende gehen. Wer das nervös findet, hat die Lage richtig eingeschätzt.

Die Lehre dieser Woche? Nicht jede Verlängerung ist eine Entspannung. Manchmal ist sie nur ein aufgeschobenes Urteil.

Ich wünsche Ihnen ein ruhiges Osterwochenende – und dass die wichtigsten Nachrichten bis Dienstag warten.

Ihr Andreas Sommer

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