Liebe Traderinnen und Trader,
drei Notenbanker stimmten für höhere Zinsen, die Anleihemärkte reagierten prompt mit Nervosität – und Bitcoin zuckte nicht einmal. Die Fed hat die Zinsen zum siebten Mal in Folge bei 3,5 bis 3,75 Prozent belassen, doch der 9-3-Split der Abstimmung wiegt schwerer als die reine Entscheidung. Während der Nasdaq nach den Zahlen von Microsoft und Meta in der Korrektur steckt, hält sich die Kryptowährung stabil Richtung 65.000 Dollar. Genau das ist die Geschichte dieses Donnerstags: Wo Unternehmenszahlen für Klarheit sorgen – bei BASF, Siltronic oder MTU –, bewegen sich Kurse. Wo nur Notenbank-Rhetorik übrigbleibt, herrscht Stillstand.
Krypto: Der Fed-Split wird zur Randnotiz
Der Dissens von Hammack, Kashkari und Logan, die für eine Zinserhöhung votierten, hätte Risikoassets eigentlich belasten müssen. Stattdessen überlagerte ein schwächer als erwarteter PCE-Preisindex für Juni (-0,1 Prozent zum Vormonat, Kernrate +3,3 Prozent, leicht unter Vormonat) den restriktiven Ton der Fed. Bei den Bitcoin-ETFs kippte das Bild dadurch zugunsten von BTC: Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten Netto-Zuflüsse von 32,1 Millionen Dollar, allein BlackRocks IBIT steuerte 89,83 Millionen Dollar bei, während Spot-Ethereum-ETFs 32,9 Millionen Dollar Nettoabflüsse hinnahmen. Auf Monatssicht dreht sich das Bild allerdings: Für Juli liegt Ethereum mit 342,9 Millionen Dollar an Zuflüssen weiterhin vor Bitcoin (204,7 Millionen Dollar) – ein Rotationssignal, das Trader nicht aus den Augen verlieren sollten, selbst wenn der Tagestrend gerade dagegenläuft.
Bei Ethereum selbst ist die technische Lage sauber gezeichnet: Der Pivot-Punkt liegt bei 1.904 Dollar, der Widerstand bei 1.968 Dollar. Ein Ausbruch darüber öffnet den Weg Richtung 2.050 bis 2.100 Dollar, ein Rückfall unter 1.872 Dollar schickt den Kurs auf 1.840 und darunter auf 1.770 Dollar. Bemerkenswert: Der Fear-&-Greed-Index steht bei 28, Angst dominiert also trotz der Kursstabilität – ein Signal, das antizyklische Trader aufhorchen lassen sollte. Die CME-FedWatch-Modelle taxieren die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September je nach Berechnung zwischen 60 und 68 Prozent. Diese Bandbreite allein dürfte die Schwankungsbreite bei Krypto in den kommenden Wochen eher erhöhen als beruhigen.
Während Bitcoin trotz restriktivem Fed-Ton stabil Richtung 65.000 Dollar tendiert, richten sich institutionelle Milliarden längst auf die nächste Marktphase aus. Ein kostenloser Sonderreport nennt 3 Kryptowährungen, deren Gewinnpotenzial laut Analysten sogar Gold in den Schatten stellen könnte. Jetzt Krypto-X-Report kostenlos sichern
BASF: Zahlen top, Meinung gespalten
BASF meldete für das zweite Quartal einen Umsatz von 17,2 Milliarden Euro, ein Plus von 16 Prozent, und ein bereinigtes EBITDA von 2,45 Milliarden Euro – 50 Prozent mehr als im Vorjahr und 18 Prozent über dem Analystenkonsens. Dazu kommen jährliche Einsparungen von 2 Milliarden Euro aus dem laufenden Effizienzprogramm. Was diese Zahlen für Anleger interessant macht, ist nicht die Kennziffer selbst, sondern die Uneinigkeit, die sie auslöst: JPMorgan sieht ein Kursziel von nur 40 Euro, Berenberg 50 Euro, UBS 55 Euro. Die Aktie notiert aktuell bei 50,97 Euro – näher am oberen Ende dieser Spanne als in der Mitte, und nur wenige Euro unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 55,05 Euro.
Wer BASF hält, sitzt damit auf einer Aktie, bei der drei Häuser drei völlig unterschiedliche Antworten auf die gleiche Frage geben: fair bewertet, überteuert oder noch günstig? Diese Uneinigkeit ist selten so groß wie derzeit – und sie ist ein klassisches Setup für erhöhte Volatilität, sobald die nächste Nachrichtenlage eine der drei Thesen bestätigt.
Siltronic: Der Markt handelt die Erwartung, nicht die Bilanz
Siltronic wies einen Nettoverlust von 63,2 Millionen Euro aus, belastet durch Abschreibungen auf das Werk in Singapur, bei einem operativen Gewinn von 69,4 Millionen Euro – ein Rückgang von 20 Prozent – und einem Umsatzminus von 2 Prozent auf 321,6 Millionen Euro. Auf dem Papier eine schwache Bilanz. Trotzdem sprang die Aktie um 8,14 Prozent auf 73,70 Euro. Der Grund liegt im Ausblick: Das Unternehmen hob seine Prognose für den Umsatzrückgang 2026 von „mittlerem“ auf „niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich“ an und bestätigte die EBITDA-Marge bei 20 bis 24 Prozent.
Der Markt handelt hier also nicht die Vergangenheit, sondern die Wette auf einen Boden im Zyklus – ein Muster, das sich im Chipsektor gerade häufiger zeigt, während die Nasdaq-Schwergewichte gleichzeitig unter Druck stehen. Wer den Chipsektor beobachtet, sollte diesen Unterschied zwischen echten Trendwenden und reinen Kostenproblemen im Blick behalten, denn er entscheidet zunehmend über die Kursreaktion nach Zahlen.
MTU: Wartung trägt, RWE und Heidelberg Materials liefern Verlässlichkeit
MTU Aero Engines meldete einen Umsatzsprung von 17 Prozent auf 2,4 Milliarden Euro, getragen vom Triebwerkswartungsgeschäft. Das bereinigte EBIT legte um 4 Prozent auf 372 Millionen Euro zu, während der Nettogewinn wegen Sondereffekten um 14 Prozent auf 248 Millionen Euro sank. Für langfristig orientierte Anleger zählt vor allem eine andere Zahl: MTU hat sein Ziel für den freien Cashflow deutlich angehoben, auf 50 bis 60 Prozent des Nettogewinns. Die Jahresziele – Umsatz zwischen 9,2 und 9,7 Milliarden Euro, bereinigtes EBIT bis 1,45 Milliarden Euro – bleiben bestätigt. Das Wartungsgeschäft erweist sich damit erneut als Stabilitätsanker, während zyklischere Industriewerte stärker schwanken.
Ähnlich verlässlich zeigten sich zwei Value-Klassiker: RWE hob seine Prognosen für 2026 und 2027 an und stellte zusätzlich eine Dividendensteigerung von jährlich 10 Prozent bis 2031 in Aussicht – ein selten konkretes Versprechen in einem Sektor, der sonst von Förderzyklen und Energiepreisen getrieben wird. Heidelberg Materials legte beim Umsatz um 6 Prozent auf 6,044 Milliarden Euro zu, das operative Ergebnis (RCO) stieg um 4 Prozent auf 1,086 Milliarden Euro bei einer operativen Marge von 23,4 Prozent, dazu kommt eine dritte Aktienrückkauf-Tranche bis zum 15. Dezember. Für dividenden- und value-orientierte Depots sind das genau die Bausteine, die in einem von Tech-Nervosität geprägten Umfeld derzeit gefragt sind.
Dividendensteigerungen wie bei RWE zeigen, wohin sich viele Depots angesichts der anhaltenden Zinsdebatte bewegen: weg von klassischen Zinsprodukten, hin zu Ausschüttern mit Substanz. Ein kostenloser Report erklärt, warum Dividenden zunehmend die Rolle der Zinsen übernehmen und wie sich Anleger gegen die schleichende Entwertung durch Inflation absichern können. Jetzt Gratis-Report „Die Zinsillusion platzt“ laden
Marschroute
Bei Bitcoin bleibt die 65.000-Dollar-Marke die entscheidende Schwelle nach oben. Bei Ethereum trennt der Widerstand bei 1.968 Dollar die Rally-Fortsetzung vom Rückfall Richtung 1.840 Dollar – beide Marken dürften die kommenden Handelstage prägen, solange die September-Zinsfrage offenbleibt. Bei BASF lohnt der Blick auf die Spanne zwischen 40 und 55 Euro Kursziel: Hier entscheidet sich die nächste Neubewertung, sobald sich eines der drei Analystenlager als richtig erweist. Siltronic und MTU zeigen exemplarisch, wie klar der Markt in dieser Berichtssaison zwischen echten Trendwenden und reinen Kostenproblemen unterscheidet – ein Maßstab, den Trader auf die kommenden DAX-Zahlen übertragen sollten.
Gute Trades,
Ihr Andreas Sommer
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