Ausgangslage

BASF treibt die Herauslösung seiner Agrarchemie-Sparte weiter voran. Vorstand Livio Tedeschi bestätigte gestern, dass die Ausgliederung von Agricultural Solutions in Nord- und Südamerika sowie in Europa weitgehend abgeschlossen ist. Asien soll bis Ende 2026 folgen. Damit rückt ein möglicher Börsengang näher, den der Konzern für 2027 ins Auge fasst – die dafür nötigen strukturellen Voraussetzungen sollen bis Mitte 2027 geschaffen werden.

Parallel dazu investiert die Agrarsparte im niedrigen zweistelligen Millionenbereich in ein neues Climate Center in Limburgerhof, das die Forschung zu klimaresistenten Wirkstoffen bündeln soll. Solche Schritte zeigen: BASF baut die Sparte nicht nur ab, sondern auch für einen eigenständigen Auftritt am Kapitalmarkt auf.

Genau das ist der Punkt, an dem Anleger genauer hinschauen sollten – denn zwischen „Vorbereitung läuft“ und „Börsengang steht“ liegt noch ein weiter Weg, und die Zwischenschritte sind teuer und komplex.

Die entscheidende Frage

Der zentrale Faktor für die kommenden Monate ist nicht das Timing des IPO selbst, sondern die Qualität der Trennung: Gelingt es BASF, Agricultural Solutions bis Mitte 2027 wirklich eigenständig und bilanziell sauber aufzustellen – inklusive Asien, wo die Herauslösung erst bis Jahresende ansteht?

Jede Verzögerung dort würde den gesamten Zeitplan für 2027 infrage stellen. Für die Bewertung der BASF-Aktie ist entscheidend, ob der Markt die Ausgliederung als Wertschöpfungsschritt goutiert oder als Unsicherheitsfaktor abstraft, solange der endgültige Deal-Charakter – vollständiger Spin-off, Teil-IPO oder Verkauf – nicht feststeht.

Bullisches Szenario

Sollte die Herauslösung wie angekündigt fortschreiten und Asien planmäßig folgen, gewinnt die Story an Konkretisierung. Ein eigenständiger, gut kapitalisierter Agrarchemie-Konzern mit Forschungsinfrastruktur wie dem neuen Climate Center könnte am Kapitalmarkt eine attraktivere Bewertung erzielen als als Teil des diversifizierten BASF-Konzerns.

Für die BASF-Muttergesellschaft würde ein sauberer Carve-out zusätzliches Kapital freisetzen, das in den laufenden Konzernumbau oder in weitere Aktienrückkäufe fließen könnte.

Die operative Stärke der jüngsten Quartalszahlen – ein deutlich über dem Analystenkonsens liegendes EBITDA vor Sondereinflüssen von 2,4 Milliarden Euro im zweiten Quartal und eine angehobene Jahres-Guidance von 6,9 bis 7,7 Milliarden Euro – liefert dabei ein solides operatives Polster, das dem Konzern Zeit für die Umsetzung verschafft.

Die Aktie notiert derzeit rund 4,2 Prozent über ihrem 50-Tage-Durchschnitt, ein Zeichen, dass der Markt den Konzernumbau bislang nicht mit Skepsis quittiert.

Bärisches Szenario

Das Risiko liegt in der Komplexität mehrjähriger Konzernumbauten. Ein Börsengang „im Auge“ zu haben, ist keine Zusage – bis Mitte 2027 müssen operative, rechtliche und bilanzielle Voraussetzungen erst geschaffen werden, und die Region Asien ist bislang die am wenigsten weit fortgeschrittene.

Verzögert sich dieser letzte Baustein, verschiebt sich der gesamte Zeitplan, und die Unsicherheit über Struktur und Erlösverwendung würde länger auf der Aktie lasten. Hinzu kommen operative Störfaktoren: BASF-Chef Kamieth musste zuletzt wegen Niedrigwassers am Rhein einzelne Produktionen drosseln – zwar ohne laut Unternehmensangaben signifikante Ergebnisauswirkung, aber ein Beispiel dafür, wie schnell externe Faktoren den ohnehin engen operativen Spielraum während eines Konzernumbaus zusätzlich einschränken können.

Auch die Analystenlandschaft ist gespalten: Während die DZ Bank Ende Juli ihr Kursziel auf 64 Euro anhob und die Kaufempfehlung bestätigte, senkte Berenberg im selben Zeitraum sein Kursziel auf 47 Euro bei einer „Hold“-Einstufung – ein Hinweis darauf, dass die Bewertung der Transformationsstory unter Analysten keineswegs einheitlich ausfällt.

Ausblick

Solange BASF die Herauslösung von Agricultural Solutions in Asien planmäßig bis Jahresende abschließt und keine neuen operativen Rückschläge hinzukommen, bleibt der Fahrplan Richtung 2027 intakt und der Konzernumbau eine Chance auf zusätzliche Kapitalmarktfantasie.

Kippt dieser Zeitplan – etwa durch Verzögerungen in Asien oder eine Verschärfung externer Belastungen wie erneutes Niedrigwasser – dürfte der Markt die Unsicherheit über Struktur und Zeitpunkt des Börsengangs stärker einpreisen.

Der nächste konkrete Meilenstein für Anleger ist die Telefonkonferenz zu den Zahlen des dritten Quartals am 28. Oktober, bei der weitere Details zum Fortschritt der Ausgliederung und zur Guidance erwartet werden dürften.