Liebe Leserinnen und Leser,
manchmal sind es nicht Quartalszahlen oder Produktneuheiten, die Aktienkurse bewegen – sondern Richter in fernen Gerichtssälen. Am Montag zeigte sich das besonders deutlich: Während der DAX unter neuen Zolldrohungen von US-Präsident Donald Trump um 1,3 Prozent absackte, schoss ausgerechnet Bayer um 7 Prozent nach oben. Der Grund? Eine Ankündigung des Obersten Gerichtshofs der USA, die dem Pharmakonzern im Glyphosat-Streit neue Hoffnung macht. Gleichzeitig kletterte Gold erstmals über 4.000 Euro je Feinunze – ein deutliches Zeichen dafür, wie nervös die Märkte auf Trumps jüngste Eskalation im Grönland-Konflikt reagieren.
Bayer: Wenn eine Gerichtsentscheidung Milliarden wert ist
Die Bayer-Aktie legte am Montag um knapp 7 Prozent auf 44,40 Euro zu und war damit klarer DAX-Gewinner – in einem Umfeld, in dem fast alle anderen Titel unter Druck standen. Was war passiert? Der Oberste Gerichtshof der USA hat am Freitagabend angekündigt, den Fall „Durnell“ zu prüfen. Klingt technisch, ist aber ein potenzieller Wendepunkt in der langwierigen Roundup-Rechtsstreitigkeit.
Analysten von MWB sprechen von der größten verfahrenstechnischen Unsicherheit, die damit beseitigt wurde. Obwohl der Einzelfall finanziell unbedeutend ist, könnte die Überprüfung durch das Gericht das „Endspiel der Rechtsstreitigkeiten“ für die verbleibenden rund 65.000 Ansprüche wesentlich verändern. Die DZ Bank hob daraufhin den fairen Wert für Bayer von 41 auf 51 Euro an und bekräftigte die Kaufempfehlung. „Eine positive Gerichtsentscheidung würde für Bayer eine massive Reduzierung der finanziellen Risiken bedeuten“, so Analyst Peter Spengler. Die Entscheidung wird für Sommer 2026 erwartet – doch schon die Ankündigung der Prüfung reichte, um die Aktie deutlich zu entlasten.
Für Anleger zeigt sich hier exemplarisch: Bei Bayer dominieren seit Jahren nicht operative Fortschritte die Kursentwicklung, sondern juristische Weichenstellungen. Das macht die Aktie schwer kalkulierbar – aber auch anfällig für positive Überraschungen, wenn die Gerichte mitspielen.
Trumps Grönland-Zölle: Europa unter Beschuss
Was bei Bayer für Euphorie sorgte, löste am Gesamtmarkt Verkaufsdruck aus. Trump kündigte am Wochenende an, ab 1. Februar zusätzliche Importzölle von 10 Prozent auf Waren aus acht europäischen Staaten zu erheben – darunter Deutschland, Frankreich und Großbritannien. Ab Juni sollen diese auf 25 Prozent steigen, sofern keine Einigung über den von ihm geforderten Erwerb Grönlands erzielt wird.
Die Reaktion der Märkte war eindeutig: Der DAX verlor 1,3 Prozent, der Euro-Stoxx-50 büßte 1,7 Prozent ein. Besonders hart traf es exportorientierte Unternehmen. BMW verloren 3,4 Prozent, Mercedes-Benz 2,4 Prozent, VW 2,8 Prozent. Adidas sackte um 5,2 Prozent ab und markierte ein neues 52-Wochen-Tief bei 151,55 Euro. Der Sportartikelhersteller leidet doppelt: Zum einen durch höhere Importkosten aus Asien, zum anderen durch schwächere US-Nachfrage – der zweitwichtigste Markt für Adidas.
Volkswirte der Commerzbank rechnen vor: Bei konsequenter Umsetzung der angedrohten 40-Prozent-Zölle (15 Prozent aktuell plus 25 Prozent neu) läge der Schaden für die deutsche Wirtschaft bei bis zu 1 Prozent des BIP. Auf dem aktuellen Niveau von 25 Prozent wären es immerhin 0,3 Prozent. „Trump hat in der Vergangenheit häufig Maximalforderungen mit Zollandrohungen untermauert, um letztendlich Verhandlungspartnern einen Deal abzuringen“, beruhigt Analyst Vincent Stamer. Doch die Unsicherheit bleibt – und die belastet die Kurse.
Gold: Der stille Gewinner der Unsicherheit
Wer in unsicheren Zeiten nach Sicherheit sucht, landet traditionell bei Gold. Und am Montag zeigte das Edelmetall eindrucksvoll, warum es als Krisenwährung gilt: Erstmals überschritt der Preis die Marke von 4.000 Euro je Feinunze. Auch in Dollar gerechnet glänzte Gold wie nie zuvor – die Unze kostete zeitweise 4.690 Dollar, ein neues Allzeithoch.
Die Gründe sind vielfältig: Trumps Zolldrohungen verunsichern die Märkte, gleichzeitig wachsen die Erwartungen, dass die US-Notenbank Fed im Laufe des Jahres die Zinsen senken wird. Niedrigere Zinsen machen Gold attraktiver, da das Edelmetall keine Zinsen abwirft und somit im Vergleich zu Anleihen an Attraktivität gewinnt. Hinzu kommen geopolitische Spannungen – von Grönland über den Nahen Osten bis zu den Handelskonflikten mit China.
Silber profitierte ebenfalls und stieg um fast 5 Prozent auf ein neues Rekordhoch von 94,35 Dollar je Unze. Das weiße Metall hat dabei einen doppelten Charakter: Es dient nicht nur als sicherer Hafen, sondern ist auch ein wichtiges Industriemetall, etwa für Solarzellen und Elektronik. Die Kombination aus Krisennachfrage und industriellem Bedarf treibt den Preis.
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Rüstungsaktien: Grönland als Aufrüstungsbeschleuniger
Während die meisten DAX-Werte unter Druck standen, konnten sich Rüstungstitel behaupten. Rheinmetall legte sogar um knapp 1 Prozent zu, TKMS gewann 1,2 Prozent. Der Grund: Die Eskalation rund um Grönland wirkt wie ein zusätzlicher Turbo für europäische Verteidigungsausgaben.
Dänemark und seine NATO-Partner reagieren auf Trumps aggressive Rhetorik mit Übungen wie „Operation Arctic Endurance“ und einem sichtbaren militärischen Aufbau. Die NATO diskutiert neue Missionen wie „Arctic Sentry“, um Grönlands Küsten und Infrastruktur dauerhaft zu schützen. Das bedeutet: Bedarf an Aufklärung, Luftverteidigung, Marinesystemen und winterfesten Landfahrzeugen.
Rheinmetall gilt als Profiteur robuster, kältetauglicher Systeme – von gepanzerten Fahrzeugen über Artillerie bis hin zu Munition. RENK liefert Getriebe und Antriebssysteme für Kampfpanzer und Schützenpanzer, die für Arktis-Einsätze gefragt sind. HENSOLDT ist als Sensor- und Radarspezialist prädestiniert für Luftraum- und Seeaufklärung in extremen Wetterbedingungen. Und TKMS könnte als Anbieter von U-Booten und Überwasserschiffen von einer stärkeren maritimen Präsenz rund um Grönland profitieren.
Für Anleger zeigt sich: Geopolitische Spannungen sind nicht nur ein Risiko für Exportwerte – sie können auch Chancen eröffnen, wenn Regierungen ihre Verteidigungsbudgets aufstocken.
Deutsche Telekom: Defensive Stärke im schwachen Markt
Während Autowerte und Technologiewerte unter die Räder kamen, zeigten defensive Sektoren relative Stärke. Die Deutsche Telekom legte um knapp 2 Prozent auf 27,58 Euro zu und war damit einer der wenigen DAX-Gewinner. Der Telekommunikationssektor gilt in unsicheren Zeiten als sicherer Hafen – die Nachfrage nach Mobilfunk und Internet bleibt auch in Rezessionen stabil.
Hinzu kommt: Die Bundesnetzagentur stellte ein Konzeptpapier vor, das eine lokale DSL-Abschaltpflicht für die Telekom vorsieht. Ziel ist es, den Wechsel von langsamen Kupferleitungen auf schnelles Glasfaser zu beschleunigen. Für die Telekom bedeutet das mittelfristig höhere Margen, da Glasfaser effizienter zu betreiben ist. Allerdings müssen auch Wettbewerber ihre Glasfasernetze für alle öffnen – ein Kompromiss, der beiden Seiten etwas abverlangt.
Die ersten DSL-Abschaltungen könnten etwa ab 2030 erfolgen – ein langer Zeithorizont, aber ein klares Signal: Die Zukunft gehört dem Glasfaser, und die Telekom ist hier führend aufgestellt.
E.ON und RWE: Versorger trotzen dem Trend
Auch die Versorger E.ON und RWE zeigten sich widerstandsfähig. E.ON legte um 0,5 Prozent zu, RWE verlor nur unterdurchschnittliche 0,8 Prozent. Beide profitieren von positiven Analystenstimmen: Die Deutsche Bank hob das Kursziel für E.ON auf 18 Euro und für RWE auf 55 Euro an. Morgan Stanley setzte das Ziel für E.ON sogar auf 19,50 Euro und für RWE auf 60 Euro.
Der Grund für den Optimismus: Der Boom rund um Künstliche Intelligenz und der entsprechende Energiebedarf. Rechenzentren, die für KI-Anwendungen benötigt werden, verbrauchen enorme Mengen Strom – und Versorger wie E.ON und RWE sind die Profiteure. Morgan-Stanley-Analyst Robert Pulleyn sieht für beide Unternehmen positive Überraschungen bei den Leistungskennziffern und hob seine Schätzungen für das Ergebnis je Aktie an.
Für E.ON sieht er die Möglichkeit einer Anhebung der mittelfristigen Ziele. Das Plus seit Jahresbeginn beträgt für RWE rund 13 Prozent, für E.ON knapp 9 Prozent – eine beeindruckende Entwicklung in einem schwierigen Marktumfeld.
Ausblick: Wenn Unsicherheit zur Normalität wird
Die Woche beginnt mit einem klaren Signal: Unsicherheit ist das neue Normal. Trumps Zolldrohungen, juristische Weichenstellungen bei Bayer, Rekordstände bei Gold – all das zeigt, wie fragil die aktuellen Marktbewegungen sind. Anleger sollten sich darauf einstellen, dass politische Entscheidungen und Gerichtsentscheidungen kurzfristig wichtiger sein können als fundamentale Unternehmensdaten.
In dieser Woche stehen die Quartalsberichte von Netflix (Dienstag) und Intel (Donnerstag) an. Zudem wird mit Spannung auf Trumps Auftritt beim Weltwirtschaftsforum in Davos geblickt – wird er seine Zolldrohungen konkretisieren oder zurückrudern? Am Donnerstag trifft sich die EU zu einem Sondergipfel, um über Gegenmaßnahmen zu beraten. Und am Mittwoch hört der Oberste Gerichtshof Argumente im Fall um Fed-Gouverneurin Lisa Cook – eine weitere juristische Weichenstellung mit potenziell weitreichenden Folgen.
Eines ist sicher: Langweilig wird es nicht.
Beste Grüße und ein wachsames Auge auf die Märkte,
Andreas Sommer


