Bayer, RWE & ICHI: Wenn Margenfantasie Kurse treibt – während Krypto-Betrug Millionen kostet

Bayer übertrifft Margenerwartungen, RWE sichert sich große Offshore-Windkraft-Kapazitäten. Parallel zeigt ein Gerichtsverfahren einen 16-Millionen-Dollar-Betrug im Krypto-Projekt ICHI auf.

Bayer, RWE & ICHI: Wenn Margenfantasie Kurse treibt – während Krypto-Betrug Millionen kostet
Kurz & knapp:
  • Bayer-Aktie springt nach optimistischen Margenzielen
  • RWE gewinnt große britische Windkraft-Auktion
  • ICHI-Protokoll: 16,2 Millionen Dollar Anlegerverluste
  • Gerichtsverfahren deckt systematischen Krypto-Betrug auf

Liebe Leserinnen und Leser,

40 Euro – diese Marke hat die Bayer-Aktie heute erstmals seit Herbst 2023 wieder geknackt. RWE sichert sich 6,9 Gigawatt Offshore-Kapazität in Großbritannien und kratzt an der 50-Euro-Schwelle. Doch während deutsche Konzerne operativ punkten, zeigt ein Gerichtsverfahren in Delaware die Schattenseiten der Krypto-Welt: 16,2 Millionen Dollar Anlegerverluste durch systematischen Betrug beim ICHI-Protokoll. Drei Geschichten, die unterschiedlicher kaum sein könnten – und doch eines gemeinsam haben: Es geht um Vertrauen, das gewonnen oder verspielt wird.

Bayer: Wenn 30 Prozent Marge plötzlich realistisch werden

„Wir haben jetzt fünf große Blockbuster-Kandidaten“, sagt Stefan Oelrich, Chef der Bayer-Pharmasparte, auf der JPMorgan Healthcare Conference in San Francisco. Die operative Marge soll bis 2030 auf 30 Prozent steigen – deutlich über den aktuellen Markterwartungen. Die Reaktion der Börse: ein Kurssprung von 7 Prozent auf über 40 Euro.

Was dahintersteckt, ist mehr als Marketing-Rhetorik. Das Prostatakrebs-Medikament Nubeqa läuft stark, Kerendia gegen chronische Nierenerkrankungen zeigt Potenzial, und der Blutgerinnungshemmer Asundexian könnte nach überzeugenden Studiendaten im November zum Milliardenumsatz werden. Analysten von Kepler Cheuvreux rechnen bei „ordentlichen“ Ergebnissen mit einer Milliarde Euro Jahresumsatz – bei „exzellenten“ Daten sogar mit zwei Milliarden. Die gefürchtete Patentklippe bei Xarelto und Eylea? Mittlerweile nur noch eine „kleinere Unebenheit“, so die Experten.

Für deutsche Anleger ist das ein bemerkenswerter Turnaround. Nach Jahren der Glyphosat-Belastung und skeptischer Analysten-Kommentare zeigt sich: Operative Exzellenz kann Vertrauen zurückgewinnen. Die Hoffnung auf ein günstiges Supreme-Court-Urteil zu Glyphosat liefert zusätzlichen Rückenwind. Seit Jahresbeginn liegt die Aktie knapp 10 Prozent im Plus – nach einem 90-Prozent-Anstieg 2025.

RWE: Britische Windkraft als Renditemaschine

Während Bayer auf Medikamente setzt, baut RWE seine Offshore-Dominanz aus. Bei der siebten britischen Windkraft-Auktion sicherte sich der Essener Konzern Zuschläge für 6,9 Gigawatt – mehr als zwei Drittel der gesamten ausgeschriebenen Kapazität von 8,2 Gigawatt. Die Projekte Norfolk Vanguard East und West, zwei Dogger-Bank-South-Anlagen und Awel y Môr in der Irischen See bringen 20-jährige Differenzverträge zu 91,20 Pfund je Megawattstunde.

Jefferies-Analyst Ahmed Farman rechnet vor: Der Auktionspreis liegt 10 Prozent über der Vorrunde – und die implizierte Projektrendite übertrifft mit über 10 Prozent deutlich RWEs eigenes Ziel von 8,5 Prozent. Zum Vergleich: Weltweit liegen Offshore-Renditen zwischen 7,5 und 11 Prozent. RWE landet also am oberen Ende der Skala.

Die strategische Partnerschaft mit KKR für die Norfolk-Projekte zeigt zudem: RWE teilt Risiken, ohne auf Wachstum zu verzichten. KKR übernimmt jeweils 50 Prozent der beiden Windparks, die Inbetriebnahme ist für 2029 und 2030 geplant. Das Investitionsvolumen: über 15 Milliarden Dollar. Für die Aktie bedeutet das einen Sprung von 2,4 Prozent auf knapp 50 Euro – ein Niveau, das zuletzt 2011 erreicht wurde. Siemens Energy profitiert als Zulieferer ebenfalls, kämpft aber nach der Vorwochenrallye mit leichten Gewinnmitnahmen.

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ICHI-Krypto-Skandal: Wenn Insider das System ausplündern

Ganz anders die Lage bei ICHI, einem DeFi-Protokoll, das Investoren über 16,2 Millionen Dollar kostete. HASH Asset Management klagt vor dem Delaware Court of Chancery gegen die Gründer Bryan Gross und Nick Poore sowie ihre Mitarbeiter Tyler Pintar und Julian Brand. Der Vorwurf: systematischer Betrug durch Insiderhandel, Marktmanipulation und eine „Pump-and-Dump“-Strategie.

Der forensische Bericht des Blockchain-Experten Paul Sibenik zeichnet ein verheerendes Bild. Das Liquiditätspool „Rari Pool 136″ kollabierte, nachdem Insider wie Pintar (13,09 Millionen Dollar Schulden) und Brand (12,21 Millionen Dollar) massiv ICHI-Token als Sicherheit hinterlegten, Stablecoins liehen und das System bis zum Zusammenbruch ausreizten. Die ICHI-Führung verschob währenddessen 9 Millionen Dollar aus der „Community Treasury“ – ohne die versprochene Community-Abstimmung.

Das Perfide: Das System war von Anfang an anfällig. Mit einem Loan-to-Value-Ratio von 85 Prozent, unbegrenzten ICHI-Token-Einlagen und fehlenden Versorgungsobergrenzen schufen die Gründer ideale Bedingungen für Missbrauch. Als der ICHI-Preis von 142 Dollar auf 1,79 Dollar abstürzte – ein Minus von 99 Prozent –, hatten Insider längst Millionen in Stablecoins abgezogen und über Binance, Kraken und andere Börsen liquidiert.

Für Krypto-Anleger ist der Fall eine Mahnung: Dezentralisierung ist kein Selbstzweck, wenn die Kontrolle de facto bei wenigen liegt. Die versprochene „Community-Governance“ entpuppte sich als Fassade. Während Bitcoin heute 3,4 Prozent auf 95.087 Dollar zulegt und Ethereum 5,2 Prozent auf 3.294 Dollar gewinnt, bleibt die Frage: Wie viele ähnliche Konstrukte existieren noch?

Was deutsche Anleger jetzt wissen sollten

Drei Unternehmen, drei Geschichten über Vertrauen. Bayer baut es durch operative Stärke und transparente Margenziele zurück. RWE nutzt staatlich abgesicherte Verträge und strategische Partnerschaften, um Risiken zu minimieren. ICHI zeigt, wie schnell digitale Versprechen zerplatzen, wenn Insider-Kontrolle und mangelhafte Governance zusammenkommen.

Die Lehre: Operative Exzellenz schlägt langfristig Marketing-Narrative. Bayers Pharma-Pipeline und RWEs Offshore-Dominanz basieren auf messbaren Fundamentaldaten. ICHI hingegen war ein Konstrukt, dessen Schwächen Experten hätten erkennen können – wenn sie genau hingeschaut hätten. In den kommenden Wochen stehen weitere Geschäftszahlen aus dem Bankensektor an, die zeigen werden, ob auch dort Substanz hinter den Kursen steckt.

Bis dahin bleibt die Börse, was sie immer war: ein Ort, an dem Vertrauen täglich neu verhandelt wird – zwischen Anlegern, Unternehmen und manchmal auch vor Gericht.

Beste Grüße und ein wachsames Auge auf Ihre Investments,

Andreas Sommer

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