Ein Deal über 80 Megawatt Windkraft bringt frisches Kapital. Für die kriselnde BayWa AG ist der Verkauf zweier Anlagen in Polen und Italien ein dringend benötigter Erfolg. Die Erneuerbare-Energien-Tochter stand zuletzt im Zentrum der massiven finanziellen Schieflage des Gesamtkonzerns.

In Polen übernimmt die Engie-Gruppe den laufenden Windpark Kamionka mit 30 Megawatt Leistung. Parallel dazu sichert sich der Produzent Alerion die Entwicklungsrechte für das italienische Projekt Vallelunga. Dort sollen absehbar knapp 49 Megawatt ans Netz gehen. Beide Verkäufe entlasten die Bilanz.

Milliardenloch im Sanierungskonzept

Zuletzt stockte der Weiterverkauf fertiger Solar- und Windprojekte bei der Tochtergesellschaft. Das trieb die Schuldenlast der Konzernmutter bei steigenden Zinsen gefährlich nach oben. Der aktuelle Doppel-Deal löst das strukturelle Kernproblem allerdings nicht. Im Sanierungskonzept der BayWa AG klafft weiterhin eine Lücke von 2,7 Milliarden Euro.

Bis 2027 streicht das Agrar- und Handelsunternehmen 1.300 Stellen und schließt zahlreiche Niederlassungen dauerhaft. Das bereinigte operative Ergebnis soll in diesem Zieljahr bei rund 140 Millionen Euro liegen.

Die Jahresprognose für das laufende Geschäftsjahr hat der Vorstand komplett gestrichen. Die eigentliche Weichenstellung liegt nun bei den Gläubigern. DZ Bank und UniCredit müssen einer Verlängerung der Stillhaltevereinbarung bis Herbst 2026 zustimmen. Ohne diesen Aufschub verliert der im vergangenen Jahr finalisierte Restrukturierungsplan nach dem StaRUG-Verfahren seine rechtliche Basis.

Warten auf verlässliche Zahlen

Die Krise zieht auch personelle Konsequenzen nach sich. Mehrere Mitglieder des Aufsichtsrats legen ihre Mandate nieder. Monika Hohlmeier und Michael Höllerer verließen das Gremium bereits im Frühjahr. Ende Mai folgt Monique Surges.

Am 6. Mai präsentiert das Unternehmen die Zahlen für das erste Quartal. Aktionäre erhoffen sich erste Hinweise, ob die drastischen Kosteneinsparungen operativ greifen. Auf den testierten Jahresabschluss für 2025 müssen sie wesentlich länger warten. Die aufwendige Neubewertung der Energietochter verzögert die Vorlage bis in das vierte Quartal.