Die kanadisch-US-amerikanischen Biotech-Firmen Arbutus Biopharma und Genevant Sciences haben Mitte Juli 2026 neue internationale Klagen gegen die Lipid-Nanopartikel-Technologie eingereicht, die im COVID-19-Impfstoff von Pfizer und BioNTech zum Einsatz kommt. Die Auseinandersetzung reiht sich in eine längere Serie von Rechtsstreitigkeiten rund um die zentrale Verpackungstechnologie des Impfstoffs ein.
Streit um die Lipid-Nanopartikel-Technologie
Im Zentrum der Klagen steht die Frage, wem die Rechte an der Lipid-Nanopartikel-Technologie zustehen, die mRNA-Wirkstoffe stabil in Zellen transportiert. Arbutus hatte bereits zuvor eine Einigung mit Moderna über eine vergleichbare Streitfrage erzielt und daraus eine erste Zahlung erhalten, bevor die Firma nun gegen Pfizer und BioNTech vorgeht. Wie zentral diese Technologie für den Impfstoff ist, zeigt sich am Beispiel des kanadischen Zulieferers Acuitas Therapeutics aus Vancouver, der ein eigenes Lipid-Nanopartikel-System für den Pfizer/BioNTech-Impfstoff bereitstellt. Firmenchef Thomas Madden erklärte, der Impfstoff könne ohne diese Technologie schlicht nicht funktionieren. Die eingesetzten Lipid-Nanopartikel-Formulierungen erklären zugleich, warum der Impfstoff über weite Strecken seiner Vermarktung eine Lagerung bei minus 70 Grad Celsius erforderte, da Langzeit-Stabilitätsdaten bei höheren Temperaturen lange fehlten.
Bewertung unter der Lupe
Parallel zur juristischen Front rückt die fundamentale Bewertung von BioNTech in den Blick. Das Unternehmen weist ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von 7,2 auf, während der Biotech-Sektor im Schnitt auf 11,3 kommt. Die Vergleichsgruppe direkter Wettbewerber notiert bei 6,4, ein als fair geltendes Verhältnis wird mit 5,3 angesetzt. Der Rückgang des Konzernumsatzes von 17,3 Milliarden Euro im Jahr 2022 auf 2,87 Milliarden Euro im Jahr 2025 spiegelt die Normalisierung des Impfstoffgeschäfts nach dem Ende der akuten Pandemiephase wider und bildet den Hintergrund für die aktuelle Bewertungsdiskussion.
Analysten mit breit gestreuten Kurszielen
Unter den mit BioNTech befassten Analysehäusern herrscht derzeit keine Einigkeit über die faire Bewertung. Die Kursziel-Spanne reicht von 94 bis 158 US-Dollar. Morgan Stanley senkte sein Kursziel am 8. Juli auf 119 US-Dollar, während TD Cowen bereits am 11. März auf 94 US-Dollar zurückging. Auf der optimistischeren Seite hatte UBS Ende Mai auf Kaufen hochgestuft und ein Ziel von 135 US-Dollar ausgegeben, Canaccord Genuity sah Anfang Mai noch 158 US-Dollar als gerechtfertigt an. Die Bandbreite der Einschätzungen verdeutlicht, wie unterschiedlich die Analysten die Aussichten zwischen auslaufendem Impfstoffgeschäft und der Onkologie-Pipeline gewichten.
Kursbild bleibt seitwärts gerichtet
An der Börse zeigt sich die Aktie von den juristischen Nachrichten bislang wenig beeindruckt. Zum Schluss des Freitagshandels notierte das Papier bei 80,20 Euro und damit rund 1,23 Prozent über seinem 50-Tage-Durchschnitt von 79,23 Euro – ein Hinweis auf eine kurzfristig stabile, aber richtungslose Verfassung. Zum 52-Wochen-Hoch von 105,80 Euro, erreicht am 22. Januar 2026, fehlen der Aktie weiterhin 24,20 Prozent. Für Anleger bleibt damit die Spanne zwischen fortgesetztem Rechtsrisiko rund um die Kerntechnologie und der Hoffnung auf neue Wachstumsimpulse aus der Onkologie-Pipeline das bestimmende Thema.
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