BioNTech, DAX & Bitcoin: Während Frankfurt aufatmet, bricht ein deutsches Aushängeschild ein

Der DAX profitiert von einem sinkenden Ölpreis, während die BioNTech-Aktie nach dem angekündigten Abgang der Gründer Sahin und Türeci massiv unter Druck gerät.

BioNTech, DAX & Bitcoin: Während Frankfurt aufatmet, bricht ein deutsches Aushängeschild ein
Kurz & knapp:
  • DAX gewinnt nach Ölpreis-Rückgang deutlich
  • BioNTech-Gründer verlassen das Unternehmen bis 2026
  • Bitcoin zeigt sich robust über 70.000 Dollar
  • Volkswagen und Evotec mit gemischten Nachrichten

Liebe Leserinnen und Leser,

zwei Nachrichten dominierten heute die Schlagzeilen – und sie könnten kaum gegensätzlicher sein. Auf der einen Seite: Der DAX erholt sich kräftig, der Ölpreis bricht ein, und ein Hauch Hoffnung weht aus dem Nahen Osten. Auf der anderen Seite: BioNTech-Gründer Ugur Sahin und Özlem Türeci verlassen das Unternehmen, das sie groß gemacht haben – und schicken die Aktie auf Talfahrt. Dazu: Bitcoin kämpft sich zurück über die 70.000-Dollar-Marke, während Strategy unbeeindruckt von geopolitischen Turbulenzen weiter kauft. Ein Tag voller Kontraste – schauen wir genauer hin.


Der Ölpreisschock verdaut sich – aber die Skepsis bleibt

Noch gestern Nacht war kurz Realität, was viele für unmöglich gehalten hatten: Brent-Rohöl kratzte an der 120-Dollar-Marke. Heute sieht die Welt anders aus. Ein CBS-News-Interview mit Donald Trump genügte, um die Energiemärkte auf den Kopf zu stellen. Der US-Präsident erklärte den Iran-Krieg für „so gut wie beendet“ – und Brent fiel daraufhin um rund elf Prozent auf knapp 88 Dollar.

Der DAX quittierte das mit einem Plus von 2,4 Prozent und schloss bei 23.969 Punkten. Zweimal schaffte der Leitindex sogar den Sprung über die 24.000-Punkte-Marke – beide Male scheiterte er dort. Kein Wunder: Die Skepsis der Anleger ist berechtigt. Irans Revolutionsgarden erklärten, Teheran entscheide selbst, wann der Krieg ende. Israel hält am Ziel eines Regimewechsels fest. Und US-Kriegsminister Pete Hegseth sendet andere Signale als sein Präsident.

Marktanalyst Jochen Stanzl von der Consors Bank brachte es auf den Punkt: „Die Gefahr für die Börsen ist nicht gebannt.“ Was wir heute sehen, ist eine Erholungsrally – kein Entwarnung. Wer jetzt euphorisch wird, könnte sich täuschen.


BioNTech: Das Ende einer Ära – und was danach kommt

Das ist die Meldung des Tages für deutsche Anleger: Ugur Sahin und Özlem Türeci, das Gründer-Ehepaar hinter BioNTech, verlassen das Mainzer Unternehmen. Spätestens Ende 2026 enden ihre Verträge. Ihr Ziel: ein neues Biotech-Unternehmen, das sich der nächsten Generation von mRNA-Medikamenten widmet. Und ja – sie nehmen Rechte und Technologien mit, im Tausch gegen eine Minderheitsbeteiligung an der neuen Firma.

Die Börse reagierte gnadenlos: Die BioNTech-ADR brachen im US-Handel um mehr als 20 Prozent ein und fielen zeitweise unter 80 Dollar – der tiefste Stand seit August 2024. Hinzu kommt: BioNTech meldete für 2025 einen Nettoverlust von 1,12 Milliarden Euro, fast doppelt so viel wie im Vorjahr. Der Umsatz stieg zwar auf 2,87 Milliarden Euro, doch für 2026 erwartet das Unternehmen nur noch 2,0 bis 2,3 Milliarden Euro – bei Forschungskosten von 2,2 bis 2,5 Milliarden Euro.

Was bedeutet das für Anleger? Deutsche Bank Research belässt die Aktie auf „Buy“ mit Kursziel 140 Dollar – und sieht in dem Abgang der Gründer sogar einen möglichen Silberstreifen: BioNTech könnte für große Pharmakonzerne als Übernahmeziel attraktiver werden, sofern der Tumor-Antikörper Pumitamig erfolgreich ist. Die andere Seite der Medaille: Wenn die Köpfe, die das Unternehmen geprägt haben, gehen und dabei Kerntechnologien mitnehmen – ist das kaum ein Vertrauensbeweis in die eigene Pipeline.


VW, Evotec & Co.: Der deutsche Markt in Einzelteilen

Abseits des großen Makro-Dramas gab es heute eine Reihe bemerkenswerter Unternehmensnachrichten aus Deutschland.

Volkswagen legte Jahreszahlen vor, die das Ausmaß der Krise verdeutlichen: Der operative Gewinn brach 2025 um über 50 Prozent auf 8,9 Milliarden Euro ein. Im vierten Quartal allein sank er um 45 Prozent. Und doch: Die Aktie gewann 2,6 Prozent. Warum? Weil der Ausblick von Konzernchef Oliver Blume Anleger etwas aufmunterte, die Dividende leicht über den Erwartungen lag – und weil die Messlatte nach Monaten des Kursverfalls tief hängt. Morgen folgt Porsche mit seinen Zahlen; nach einem Einbruch der operativen Marge auf 0,3 Prozent im Jahr 2025 dürfte das keine einfache Veranstaltung werden.

Evotec dagegen erlebte einen schwarzen Dienstag: Die Aktie brach um rund elf Prozent ein. Das Hamburger Biotechunternehmen kündigte an, bis zu 800 weitere Stellen zu streichen – knapp ein Fünftel der Belegschaft – und die Zahl der Standorte auf zehn zu reduzieren. Kostensenkungen von 75 Millionen Euro bis 2027 sind das Ziel. Der Ausblick für das laufende Jahr enttäuschte Analysten.

Positiver Ausreißer: Dermapharm sprang um rund 8,5 Prozent nach oben, nachdem das Unternehmen ein Aktienrückkaufprogramm über bis zu 4,3 Millionen Aktien zu je 42 Euro ankündigte. Manchmal braucht es keine großen Visionen – ein klares Signal an den Markt reicht.


Bitcoin: Widerstandsfähig, aber fragil

Wer in den letzten Tagen auf einen Bitcoin-Kollaps gewettet hatte, wurde enttäuscht. Die Kryptowährung zeigte sich überraschend robust gegenüber dem Öl-Schock und der allgemeinen Risikoaversion. Heute erholte sie sich auf rund 70.000 bis 71.000 Dollar – ein Plus von gut drei Prozent gegenüber dem Vortag.

Analyst David Morrison von Trade Nation hatte es gestern bereits auf den Punkt gebracht: „Bitcoin hat trotz der extremen Volatilität traditioneller Anlageklassen eine überraschende Widerstandsfähigkeit bewiesen.“ Die entscheidende Frage bleibt, ob die 70.000-Dollar-Marke als Boden hält – oder ob neue geopolitische Eskalationen den nächsten Ausverkauf auslösen.

Rückenwind kam auch von den Bitcoin-Spot-ETFs in den USA: Am gestrigen Montag verzeichneten sie Nettomittelzuflüsse von 167 Millionen Dollar – nach Abflüssen von 349 Millionen Dollar am Freitag. iShares Bitcoin Trust (IBIT) führte mit 109 Millionen Dollar Zuflüssen. Das zeigt: Institutionelle Anleger nutzen Schwäche zum Einstieg.

Indes kauft Strategy unter Michael Saylor unbeirrt weiter. Zwischen dem 2. und 8. März erwarb das Unternehmen weitere 17.994 Bitcoin für rund 1,3 Milliarden Dollar – zu einem Durchschnittspreis von 70.946 Dollar. Der Gesamtbestand wächst damit auf 738.731 Bitcoin. Das ist entweder die konsequenteste Überzeugungsstrategie der Finanzgeschichte – oder ein gewaltiges Klumpenrisiko. Wahrscheinlich beides.


Ein Denkanstoß: Wenn alle gleichzeitig fallen – ist Diversifikation dann kaputt?

Fondsanalyst Ali Masarwah von envestor hat heute einen Beitrag veröffentlicht, der mich zum Nachdenken gebracht hat. In den vergangenen zehn Tagen seit Beginn des dritten Golfkriegs sind Gold, Bitcoin, Anleihen und Aktien gleichzeitig gefallen. Das klassische Argument der Kritiker: Diversifikation funktioniert nicht.

Masarwahs Gegenargument ist überzeugend: Kurzfristige Korrelationen in Krisenzeiten sind kein Beweis gegen das Prinzip der Streuung. Wenn Anleger in Panik geraten, verkaufen sie alles – unabhängig von fundamentalen Zusammenhängen. Das ist kein Versagen der Diversifikation, sondern ein Liquiditätsproblem. Langfristig bleibt Diversifikation das einzige „Gratis-Mittagessen“ an der Börse – auch wenn es in manchen Wochen karg ausfällt.

Das passt zum heutigen Tag: Wer gestern verkauft hat, hat die heutige Erholung verpasst. Wer die Nerven behielt, sitzt heute wieder etwas besser da.


Anzeige: Diese Frage – wie man in einem chaotischen Markt strukturiert vorgeht, statt auf Gut Glück zu reagieren – beantwortet Trader und Analyst Jörg Mahnert in seinem aktuellen Live-Webinar „Absahnplan“. Mahnert zeigt darin, wie er mit der sogenannten Point-&-Figure-Methode klare Kauf- und Verkaufssignale identifiziert und dabei Einstieg sowie Gewinnziel bereits vor dem Trade festlegt. Konkrete Ergebnisse aus seiner Praxis: +68 % mit Renk in 62 Tagen, +108 % mit Rheinmetall in 60 Tagen und +26 % mit Aurubis in 58 Tagen – jeweils mit klar definierten Marken, ohne tägliches Chart-Studium. Wer sich heute anmeldet, erhält direkt nach dem Webinar einen vollständig ausgearbeiteten ersten Trade inklusive Einstiegsebene, Kursziel und Zeitfenster. Details zu Mahnerts Kapital-Booster und dem ersten Trade


Was morgen wichtig wird

Morgen, am 11. März, stehen einige wichtige Termine an, die Sie im Blick behalten sollten:

  • Porsche AG legt sein Jahresergebnis vor – nach einem operativen Gewinneinbruch von 98 Prozent im Jahr 2025 auf nur noch 90 Millionen Euro dürfte das Zahlenwerk unter Neuchef Michael Leiters eine erste Richtungsentscheidung signalisieren.
  • Rheinmetall präsentiert ebenfalls Jahreszahlen – in einem geopolitischen Umfeld, das Rüstungsaktien weiter beflügelt.
  • Henkel und Wacker Chemie berichten ebenfalls.
  • In den USA werden die US-Verbraucherpreise für Februar veröffentlicht – ein Schlüsseldatum, denn sinkende Ölpreise könnten die Inflationserwartungen dämpfen und damit Spielraum für Zinssenkungen eröffnen. Oder eben nicht, falls der Nahost-Konflikt wieder eskaliert.

Außerdem hält US-Präsident Trump eine Rede zur Wirtschaftslage – nach seinen marktbewegenden Aussagen der letzten Tage darf man gespannt sein, was er diesmal ankündigt.


Dieser Dienstag hat gezeigt, wie schnell sich die Stimmung drehen kann. Gestern Schockstarre, heute Erholung – und morgen? Ungewiss. Was bleibt: Die fundamentalen Risiken – Straße von Hormus, Irans Haltung, Israels Kriegsziele – sind nicht verschwunden. Sie sind nur kurz in den Hintergrund getreten.

Bleiben Sie wachsam, bleiben Sie diversifiziert – und lassen Sie sich nicht von tagesaktuellem Lärm aus der Ruhe bringen.

Bis morgen,
Andreas Sommer

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