Nach einer volatilen Phase am vergangenen Wochenende konsolidiert der Kryptomarkt am heutigen Dienstag unterhalb einer psychologisch wichtigen Hürde. Bitcoin scheiterte zuletzt mehrfach daran, sich nachhaltig über der Marke von 80.000 USD zu etablieren.
Während robuste Zuflüsse in US-Spot-ETFs den Kurs stützen, sorgen geopolitische Spannungen im Nahen Osten und starke US-Arbeitsmarktdaten für Gegenwind. Anleger richten ihren Blick nun auf die anstehenden Inflationsdaten, die über den weiteren Zinskurs der US-Notenbank Fed entscheiden könnten.
Geopolitische Spannungen und starke US-Arbeitsmarktdaten
Der Versuch der Käufer, Bitcoin über die Widerstandszone zwischen 80.000 und 82.000 USD zu heben, wurde am Wochenende jäh unterbrochen. Berichte über gegenseitige Angriffe auf Tanker zwischen den USA und dem Iran ließen die Ölpreise der Sorte WTI zeitweise auf über 91 USD steigen.
Diese Unsicherheit belastete risikobehaftete Anlagen wie Kryptowährungen. Parallel dazu zeigten die jüngsten US-Arbeitsmarktdaten für August eine überraschende Stärke: Mit 162.000 neu geschaffenen Stellen wurden die Erwartungen von 56.000 deutlich übertroffen.
Diese Kombination aus stabilen Jobdaten und geopolitischen Risiken hat die Erwartungen an den nächsten Zinsschritt der Fed verschoben. Die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung am 16. September wird am Markt derzeit mit rund 60 Prozent eingepreist.
Da höhere Zinsen tendenziell die Attraktivität von nicht-zinsbringenden Werten wie Bitcoin mindern, bleibt der Aufwärtsspielraum vorerst begrenzt. Aktuell notiert Bitcoin bei 78.939,00 USD, womit der Kurs jedoch weiterhin 13 % über seinem 50-Tage-Durchschnitt von 69.688,50 USD verbleibt.
ETF-Nachfrage und Rückkehr geraubter Bestände
Trotz des kurzfristigen Verkaufsdrucks bleibt das institutionelle Interesse über die Spot-ETFs stabil. In der vergangenen Woche verzeichneten die US-Produkte Nettozuflüsse von insgesamt 986,85 Millionen USD. Allein der BlackRock IBIT verbuchte dabei signifikante Anteile. Diese kontinuierliche Nachfrage gilt als wesentlicher Puffer gegen tiefere Kursrücksetzer.
Für Erleichterung sorgte zudem die teilweise Entwarnung beim Liquid Network. Nachdem am Sonntag rund 4.000 Bitcoin durch eine Schwachstelle aus der Federation-Wallet abgezogen worden waren, kam es gestern zu einer Teilrückgabe. Die Angreifer, die sich als „White-Hat-Hacker“ bezeichneten, transferierten 3.400 Bitcoin zurück an das Netzwerk.
Rund 600 Einheiten behielten sie als Prämie ein. Blockstream bestätigte, dass die Sicherheitslücken in den Bridge-Nodes gepatcht wurden. Diese schnelle Abwicklung verhinderte eine größere Panik am Markt, auch wenn das Ereignis die kurzfristige Ablehnung an der 80.000-Dollar-Marke begünstigte.
Fokus auf Inflationsdaten und Alt-Wallets
Ein ungewöhnliches On-Chain-Ereignis sorgte am Wochenende zusätzlich für Gesprächsstoff: Eine Wallet aus der sogenannten „Satoshi-Ära“, die seit 16 Jahren inaktiv war, bewegte am Sonntag insgesamt 600 Bitcoin.
Diese Münzen stammten aus Mining-Belohnungen vom März 2010 und haben beim aktuellen Kursniveau einen Gegenwert von etwa 48 Millionen USD. Da die Bestände auf neue SegWit-Adressen verteilt und nicht direkt an Börsen gesendet wurden, gehen Beobachter eher von einer Sicherungsmaßnahme als von einem unmittelbaren Abverkauf aus.
Die technische Verfassung zeigt mit einem RSI von 62,1 eine weiterhin konstruktive, aber nicht mehr überkaufte Lage. Analysten von KuCoin sehen den nächsten harten Widerstand bei 82.100 USD. Sollte dieser fallen, läge das nächste Ziel im Bereich von 85.000 USD. Auf der Unterseite dienen die Marken bei 72.000 und 74.000 USD als wichtige Unterstützungen.
Maßgeblich für den Trend der laufenden Woche werden die US-Inflationsdaten sein: Am Donnerstag stehen die Erzeugerpreise (PPI) an, gefolgt von den Verbraucherpreisen (CPI) am Freitag. Diese Daten dürften die Volatilität erneut erhöhen, bevor am 15. September die entscheidende Sitzung des US-Senats zum Clarity Act sowie die darauffolgende FOMC-Sitzung anstehen.
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