Bitcoin-Absturz, Nvidia-Ernüchterung & Rüstungs-Rally: Das neue Kräftemessen am Markt

Krypto- und Tech-Werte erleben deutliche Korrektur, während Rüstungsaktien von europäischen Verteidigungsinitiativen profitieren. Institutionelle Investoren akkumulieren Ethereum trotz Kursrückgängen.

NVIDIA Aktie
Kurz & knapp:
  • Nvidia verliert nach Quartalszahlen weiter an Wert
  • Bitcoin fällt auf Juli-Niveau von 108.200 Dollar
  • Rheinmetall legt über 4 Prozent durch EU-Rüstungsprogramm zu
  • 1,2 Milliarden Dollar fließen in Ethereum-ETFs

Bitcoin-Absturz, Nvidia-Ernüchterung & Rüstungs-Rally: Das neue Kräftemessen am Markt

Liebe Leserinnen und Leser,

während Bitcoin auf das Niveau von Anfang Juli zurückfällt und die KI-Euphorie nach Nvidias Zahlen merklich abkühlt, explodieren Rüstungsaktien förmlich. Der Markt sortiert sich neu – und die Vorzeichen für September sind alles andere als eindeutig. Was diese dramatische Rotation für Ihre Anlagen bedeutet und warum ausgerechnet jetzt institutionelle Investoren bei Ethereum zuschlagen, während Kleinanleger verkaufen.

Die große Tech-Ernüchterung nimmt Fahrt auf

Nvidia hat geliefert – aber das reicht nicht mehr. Nach den Quartalszahlen vom Mittwoch verlor die Aktie weitere Prozentpunkte, und der Dominoeffekt ließ nicht lange auf sich warten. Marvell Technology brach um satte 18 Prozent ein, Dell sackte trotz erhöhter Jahresziele um fast 10 Prozent ab. Die Botschaft ist unmissverständlich: Die Zeiten, in denen jede KI-Story automatisch Kursfeuerwerke auslöste, sind vorbei.

Was steckt dahinter? Der Markt preist zunehmend ein, dass die Nachfrage nach KI-Chips möglicherweise ihren Zenit überschritten hat. Besonders brisant: Die US-Regierung verschärft die Gangart gegen China und entzieht Intel, Samsung und SK Hynix die Sondergenehmigungen für ihre Chip-Produktion im Reich der Mitte. Das trifft nicht nur die Hersteller, sondern auch Ausrüster wie Applied Materials und Lam Research.

Die technische Analyse bestätigt den Stimmungsumschwung. Bei Nvidia hat sich eine klassische Top-Bildung herausgebildet, die Aufwärtstrendlinie aus dem April ist bereits gerissen. Charttechniker sehen die nächste Unterstützung erst bei 140 bis 150 Dollar – das wären weitere 20 Prozent Abwärtspotenzial.

Bitcoin im freien Fall – doch Ethereum zieht Milliarden an

108.200 Dollar – auf diesem Niveau notierte Bitcoin zuletzt Anfang Juli. Der Absturz von den Rekordständen bei 125.000 Dollar vor zwei Wochen ist spektakulär. „Die Serie der Gewinnmitnahmen ist offensichtlich noch nicht ausgestanden“, kommentiert Timo Emden von Emden Research trocken. Die Gründe sind vielschichtig: Trumps Zollpolitik schürt Inflationsängste, die Fed könnte bei Zinssenkungen vorsichtiger agieren als erhofft.

Doch während Bitcoin-Kleinanleger täglich 3.196 BTC abstoßen, passiert bei Ethereum etwas Bemerkenswertes: Trotz eines Kursrückgangs von über 5 Prozent flossen in nur fünf Handelstagen über 1,2 Milliarden Dollar in Ethereum-ETFs – mehr als doppelt so viel wie in Bitcoin-Produkte. Das Smart Money positioniert sich offenbar für die nächste Phase.

Ein faszinierendes Detail offenbaren die On-Chain-Daten: Institutionelle Investoren akkumulieren Bitcoin viermal schneller, als Miner neue Coins schürfen können. Der Börsenbestand ist von 3,4 Millionen BTC im Januar 2023 auf nur noch 2,5 Millionen geschrumpft. Die Umverteilung von schwachen in starke Hände läuft auf Hochtouren.

Rheinmetall & Co: Wenn Krisen zu Kursraketen werden

Während Tech-Aktien leiden, feiern Rüstungswerte eine beeindruckende Renaissance. Rheinmetall legte um über 4 Prozent zu, Hensoldt und Renk folgten mit ähnlichen Gewinnen. Der Auslöser: 19 EU-Staaten wollen über das neue „Safe“-Programm günstige Kredite für Verteidigungsausgaben in Höhe von 150 Milliarden Euro abrufen.

EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen sprach von einem „europäischen Erfolg“ – und die Märkte nehmen ihr das ab. Die Deutsche Bank rechnet bis ins erste Halbjahr 2026 mit anhaltend starken Auftragseingängen bei Rheinmetall. Die Analysten der Citi stufen Schaeffler auf „Buy“ hoch und verweisen auf das Engagement im Verteidigungsbereich als „günstige Option auf einen Megatrend“.

Der deutsch-französische Ministerrat in Toulon verstärkt den Eindruck: Europa rüstet auf, und deutsche Unternehmen profitieren überproportional. Selbst der Spezialchemie-Konzern Alzchem, der Vorprodukte für Sprengstoffe herstellt, verzeichnet Kursgewinne.

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Die versteckten Gewinner: Von Broadcom bis Ambarella

Abseits der Schlagzeilen entwickeln sich interessante Gegenbewegungen. Broadcom klettert auf 252,75 Euro und wird zunehmend als „das nächste Nvidia“ gehandelt. Die robuste Nachfrage nach Infrastruktur- und Netzwerklösungen treibt die Aktie, auch wenn die Bewertung bereits sportlich ist.

Noch spektakulärer: Ambarella schoss um 30 Prozent nach oben. Der Chipdesigner überraschte mit Quartalszahlen, die alle Erwartungen übertrafen. Statt der prognostizierten 90 Millionen Dollar setzte das Unternehmen 96 Millionen um und hob die Prognose kräftig an. Die Edge-KI-Spezialisten erwarten für Q3 bis zu 108 Millionen Dollar Umsatz.

Auch Affirm Holdings überraschte positiv: Plus 22 Prozent nach schwarzen Zahlen und einem Umsatzsprung von einem Drittel. Der „Buy Now, Pay Later“-Anbieter profitiert von der robusten Konsumlaune – ein Signal, dass die US-Wirtschaft trotz aller Unsicherheiten noch nicht am Boden liegt.

Apropos Chip-Sektor: Während viele Anleger derzeit nur auf Nvidia starren, gibt es in Europa ein Unternehmen, das von führenden Analysten schon als „die neue Nvidia“ gehandelt wird. In einem aktuellen Report wird detailliert erklärt, warum dieser Titel im Zentrum des Chip-Booms stehen dürfte – inklusive konkreter Kennzahlen und Hintergründe. Den vollständigen Report können Sie hier kostenlos abrufen: Die neue Nvidia? – Alle Hintergründe im Spezialreport.

Deutsche Perspektive: Zwischen Hoffnung und Ernüchterung

Der DAX schloss die Woche unter 24.000 Punkten, die 50-Tage-Linie ist gerissen. Die deutschen Inflationsdaten fielen mit 2,2 Prozent hartnäckiger aus als in anderen EU-Ländern. „Die deutsche Inflation ist deutlich störrischer“, konstatiert Ulrike Kastens von der DWS.

Lichtblicke gibt es dennoch: Gerresheimer erhält mit Wolf Lehmann einen neuen CFO, was die gebeutelte Aktie um 2 Prozent steigen ließ. Der Pharmaverpackungshersteller hatte zuletzt zweimal die Prognose gesenkt – frisches Blut in der Führungsetage könnte die Wende bringen.

Weniger erfreulich: Die Huber Automotive AG musste Insolvenz anmelden. Die ausstehende Anleihe über 20 Millionen Euro dürfte für Anleihegläubiger zum Totalverlust werden. Ein Warnsignal für den ohnehin angespannten Mittelstandsanleihen-Markt.

Was die kommende Woche bringt

Der September startet gleich mit einem Paukenschlag: BYDs Quartalszahlen am Montag werden zeigen, ob der chinesische E-Auto-Riese seinen Abwärtstrend stoppen kann. Der erste Quartalsgewinnrückgang seit drei Jahren im Q2 hat Anleger verschreckt.

Entscheidend werden die globalen Einkaufsmanagerindizes, die ab Montag veröffentlicht werden. Sie geben ersten Aufschluss darüber, ob die Weltwirtschaft tatsächlich in eine Rezession schlittert oder sich stabilisiert. Besondere Aufmerksamkeit verdient auch Broadcom, dessen Quartalszahlen am Donnerstag zeigen werden, ob die KI-Story wirklich auserzählt ist.

Die Märkte stehen an einem Wendepunkt. Die alten Gewissheiten – Tech steigt immer, Bitcoin ist das neue Gold – werden gerade neu verhandelt. Während institutionelle Investoren diese Unsicherheit für Umschichtungen nutzen, sollten Privatanleger cool bleiben. Manchmal ist die beste Aktion keine Aktion. Besonders wenn die Nebel des Septembers aufziehen.

Herzlichst und erfolgreiches Trading,
Andreas Sommer

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Als Finanzanalyst und Börsenjournalist beschäftige ich mich seit über vier Jahrzehnten intensiv mit den Finanzmärkten. Meine Spezialisierung liegt auf der Analyse wachstumsstarker Aktien und der Entwicklung von Anlagestrategien, die fundamentale Bewertung mit technischer Analyse kombinieren.

Ein zentraler Aspekt ist das Timing („Timing is Money“), denn Risikobegrenzung ist essenziell („Vermeiden ist besser als Verlieren!“). Mein Ziel ist es, Ihnen klare Orientierung in dynamischen Märkten zu bieten.

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  • Wendepunkt 1987: Der Börsencrash weckte mein tiefes Interesse an der technischen Analyse als wichtiges Instrument zur Risikosteuerung.
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