Jeder Pfad der Weltwirtschaft führt zu höheren Bitcoin-Kursen. Diese These vertritt Matt Hougan, Investmentchef des Kryptovermögensverwalters Bitwise. Am Mittwoch bekommt sie ihren ersten Härtetest: Die Fed entscheidet über den Leitzins.
Drei Szenarien, ein Ergebnis
Hougan greift auf das Prinzip der „Choose Your Own Adventure“-Bücher zurück. Egal, welche Abzweigung man wählt, am Ende landet man auf derselben Seite. Er spielt drei KI-Szenarien durch.
Im ersten schafft KI eine Ära des Überflusses. Wert wandert zu knappen Gütern wie Gold, Kunst und eben Bitcoin. Im dritten wächst die Wirtschaft um rund drei Prozent, die Zinsen liegen bei etwa vier Prozent, und Bitcoin profitiert schlicht von seiner wachsenden Akzeptanz. ETF-Zuflüsse, Vermögensberater und Käufe von Unternehmen und Staaten tragen ihn.
Dass der ETF-Weg funktioniert, zeigen Daten aus den USA: Bitcoin-ETFs sammelten im dritten Quartal netto rund sechs Milliarden Dollar ein, nachdem zuvor monatelang Abflüsse dominiert hatten.
Der Crash als Kaufargument
Am meisten Sprengkraft birgt das zweite Szenario, das Platzen der KI-Blase. Bitcoin würde laut Hougan zunächst mit anderen Risikoanlagen fallen. Danach folgten Zinssenkungen, größere Notenbankbilanzen und ein Rettungspaket. Die Geldmenge schwölle an, Bitcoin legte kräftig zu. Die Wahrscheinlichkeit eines Eingriffs beziffert er auf nahezu 100 Prozent.
Das bleibt eine Annahme. Ob Regierung und Notenbank bei erhöhter Inflation so beherzt handeln wie 2008 oder 2020, ist offen. BlackRock-Chef Larry Fink warnte zuletzt, schon ein Baustopp bei Rechenzentren würde die USA in die Rezession schicken.
Inflation, Fed und Risiken
Der Inflationsdruck ist real: Die US-Verbraucherpreise lagen im September 3,7 Prozent über dem Vorjahr. Die Marktwahrscheinlichkeit einer weiteren Zinserhöhung sprang danach auf über 60 Prozent, fiel laut CME FedWatch zuletzt aber auf rund 9 Prozent.
Hougan verspricht keinen geraden Weg. Im Frühjahr 2020 halbierte sich der Kurs binnen Tagen, bevor er auf etwa das 20-Fache stieg. Die These könnte zudem aus anderen Gründen scheitern: durch Quantencomputer, die ältere Wallets angreifbar machen, durch koordinierte staatliche Verbote oder eine Rückkehr zu solider Geldpolitik. Hougan hält das für unwahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen.
Nebenbei wirft auch die Bankenwelt einen Blick auf Bitcoin. Österreichs Banken sehen in einer Umfrage der Nationalbank bislang keine nennenswerten Einflüsse digitaler Vermögenswerte. Für die kommenden zwölf Monate rechnen sie jedoch mit leichten Effekten, weil Krypto eine Alternative zu Bankeinlagen darstellt.
Am Mittwoch zeigt sich, wie Bitcoin auf eine mögliche Zinserhöhung reagiert: eher wie eine Risikoanlage oder wie der Wertspeicher, den Hougan in ihm sieht.
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