Der 1. Juli 2026 markiert einen Wendepunkt für den europäischen Kryptomarkt. Die EU-Verordnung MiCA tritt heute vollständig in Kraft — zeitgleich verzeichneten US-Bitcoin-ETFs im Juni ihren schlimmsten Monat seit dem Start Anfang 2024. Bitcoin notiert bei rund 58.700 US-Dollar, knapp über seinem Jahrestief.

MiCA zwingt Plattformen zur Aufgabe

Ab sofort müssen alle Krypto-Dienstleister in der EU eine gültige MiCA-Lizenz vorweisen. Die Europäische Wertpapieraufsicht ESMA verlängert die Übergangsfrist nicht. Wer keine Zulassung hat, muss den Betrieb einstellen.

Das trifft viele Anbieter hart. Analysten schätzen, dass rund 80 Prozent der bislang registrierten europäischen Plattformen die neuen Anforderungen nicht erfüllen. Für Nutzer bedeutet das: mögliche Kontosperrungen oder erzwungene Schließungen ohne Vorwarnung.

Langfristig soll MiCA mehr Rechtssicherheit schaffen. Kurzfristig sorgt die Regulierung für erhebliche Verwerfungen.

ETF-Abflüsse auf Rekordniveau

Der US-Markt für Bitcoin-Spot-ETFs erlebte im Juni den schlechtesten Monat seiner Geschichte. Netto flossen rund 4,06 Milliarden Dollar ab — mehr als beim bisherigen Rekord von 3,56 Milliarden Dollar im Februar 2025. Acht Handelstage in Folge verzeichneten Nettorückgaben, der letzte davon am 30. Juni.

Besonders stark betroffen war BlackRocks iShares Bitcoin Trust (IBIT). Auf ihn entfielen rund 3,3 Milliarden Dollar der Abflüsse — etwa 77 Prozent des Gesamtvolumens. Am 25. Juni erreichten die täglichen Abflüsse über alle ETFs ihren Höhepunkt bei knapp 700 Millionen Dollar.

Das verwaltete Vermögen aller US-Bitcoin-ETFs lag zum Monatsende noch bei rund 72,8 Milliarden Dollar. Die kumulierten Nettomittelzuflüsse seit Januar 2024 bleiben positiv — aber der Puffer schmilzt.

Notenbanken und Miner unter Druck

Der makroökonomische Gegenwind verstärkt die Lage. Die US-Notenbank hält die Zinsen bei 3,5 bis 3,75 Prozent, signalisiert aber mögliche Erhöhungen im weiteren Jahresverlauf. Die Bank of Japan hob ihren Leitzins am 16. Juni auf 1 Prozent an — den höchsten Stand seit 31 Jahren. Weniger Liquidität trifft Risikoanlagen wie Bitcoin direkt.

Bitcoin-Miner geraten zusätzlich unter Druck. Am 14. Juni sank die Netzwerk-Mining-Schwierigkeit um 10,09 Prozent — der zweitgrößte Rückgang in diesem Jahr. Auslöser war ein Preisrückgang von rund 15 Prozent im Juni, der weniger effiziente Betriebe zur Abschaltung zwang.

Der Kurs liegt aktuell rund 22 Prozent unter seinem 200-Tage-Durchschnitt. Der RSI notiert bei 28,8 — technisch im überverkauften Bereich. Der Crypto Fear & Greed Index fiel heute auf 11 und zeigt damit „Extreme Angst“ an. Seit seinem Allzeithoch von 126.080 Dollar im Oktober 2025 hat Bitcoin mehr als die Hälfte seines Wertes verloren.