Selten klaffen Nachfrage und Kursverlauf so weit auseinander wie derzeit bei Bitcoin. Institutionelle Anleger pumpen so viel Kapital wie seit fast einem Jahr nicht mehr in US-Spot-ETFs. Der Kurs selbst rührt sich kaum von der Stelle.

Milliarden fließen, der Kurs bleibt stur

In der Woche bis zum 25. September verzeichneten die US-Bitcoin-ETFs Nettozuflüsse von 2,39 Milliarden Dollar — die stärkste Woche seit Oktober 2025 und der höchste Wochenwert des laufenden Jahres.

Ausgelöst wurde der Schub durch einen Kurssprung von 6,7 Prozent an einem einzelnen Handelstag, der Short-Positionen im Wert von rund 262 Millionen Dollar zwangsweise auflöste. Die Serie drehte die Jahresbilanz der Bitcoin-ETFs erstmals von einem Minus in ein Plus von etwa 934 Millionen Dollar.

Am Kurs ging die Nachfrage trotzdem weitgehend spurlos vorüber. Bitcoin scheiterte erneut am Widerstand bei rund 85.000 Dollar und pendelte zwischen 83.000 und 84.000 Dollar. Am Montag notierte die Kryptowährung bei rund 84.000 Dollar — kaum verändert gegenüber der Vorwoche, in der sie sich bereits von einem Hoch bei etwa 87.000 Dollar zurückgezogen hatte.

Während Bitcoin stagniert, zogen Ethereum und Solana sichtbarer von der neuen ETF-Nachfrage. Ethereum-Fonds sammelten binnen einer Woche rund 690 Millionen Dollar ein, angeführt vom ETHA-Fonds von BlackRock. Solana-ETFs verbuchten mit 188 Millionen Dollar ihre bislang stärkste Woche seit dem Marktstart — die Solana-Marke kletterte dabei erstmals seit Januar über 120 Dollar.

Ein historischer Meilenstein mit Fragezeichen

Trotz der Kursflaute der vergangenen Tage steht Bitcoin vor einem seltenen Erfolg. Nach einem Plus von 25 Prozent im August legte die Kryptowährung auch im September zu und durchbricht damit eine Serie, die seit 2013 Bestand hatte: Bislang folgte auf einen positiven August stets ein negativer September.

Halten die Gewinne, verbucht Bitcoin von Juli bis September drei grüne Monate in Folge und schließt das Quartal mit einem Zuwachs von mehr als 40 Prozent ab.

Das vierte Quartal gilt saisonal als stärkste Phase für Kryptowährungen, mit einem historischen Durchschnittsplus von rund 77 Prozent. Allerdings bremst das makroökonomische Umfeld die Erwartungen.

Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen liegt über 5,2 Prozent, der Volatilitätsindex für Anleihen näherte sich zuletzt seinem Jahreshoch. Hinzu kommt ein Ölpreis von über 90 Dollar je Barrel, der Inflationssorgen neu befeuert — Gold verlor daraufhin rund drei Prozent und rutschte auf knapp über 4.000 Dollar je Unze.

Zwei weitere Belastungsproben stehen im vierten Quartal an: Ein möglicher Börsengang des KI-Unternehmens Anthropic im November könnte Liquidität aus dem Krypto-Sektor abziehen, sollte er in der erwarteten Größenordnung stattfinden. Zeitgleich sorgen die US-Zwischenwahlen im November für Unsicherheit über künftige Regulierung und Wirtschaftspolitik.

Für die kommenden Tage bleibt entscheidend, ob die ETF-Nachfrage anhält, während sich der Kurs seitwärts bewegt — oder ob die zuletzt spürbar nachlassende tägliche Zuflussdynamik bereits ein Vorbote schwindenden Interesses ist. Die Zuflüsse fielen von knapp einer Milliarde Dollar am 21. September auf nur noch 134 Millionen Dollar am Freitag.