Ein Rücksetzer um knapp 2.000 Dollar in 20 Minuten: Bitcoin hat am Mittwochmorgen deutlich nachgegeben. Auslöser war das bekannte Doppelsignal aus steigenden Ölpreisen und höheren US-Anleiherenditen, dazu kam ein festerer Dollar.

Gehebelte Wetten unter Druck

Der Kurs fiel auf rund 84.300 Dollar, nach 86.105 Dollar am Vortag. Das Tagestief lag bei 83.648 Dollar. Innerhalb weniger Minuten wurden gehebelte Long-Positionen im Volumen von 403 Millionen Dollar zwangsliquidiert, was den Abwärtsdruck zusätzlich verstärkte.

Der Gesamtmarkt für Kryptowerte sank auf etwa 2,91 Billionen Dollar. Bitcoins Anteil daran liegt bei 59 Prozent.

Ethereum traf es härter. Der Kurs verlor rund 3,3 Prozent auf 2.619 Dollar, Cardano gab knapp 6 Prozent ab, Dogecoin etwa 4 Prozent. Solana hielt sich mit einem Minus von 0,7 Prozent vergleichsweise stabil.

Makrobild widersprüchlich

Höhere Renditen verteuern die Opportunitätskosten für Anlagen ohne laufende Verzinsung. Wer Anleihen mit attraktivem Zins kaufen kann, hat weniger Anlass, in Krypto umzuschichten. Steigende Ölpreise nähren außerdem Inflationssorgen und erhöhen den Druck auf die US-Notenbank.

Bemerkenswert ist der Kontrast zur Zinsentwicklung: Die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im Oktober ist auf 20,5 Prozent gesunken, im September lag sie noch deutlich höher. Der Markt preist also keinen unmittelbaren Schritt ein und reagiert dennoch nervös.

Ein Lichtblick kommt aus den Daten zu den Handelsplätzen. Rund 24.000 Bitcoin flossen von Börsen ab, das dort verfügbare Angebot fiel auf 6,5 Prozent. Das deutet darauf hin, dass langfristig orientierte Halter trotz des Rücksetzers nicht verkaufen.

Fed-Protokolle als Stimmungstest

Heute Abend veröffentlicht die US-Notenbank die Protokolle ihrer September-Sitzung. Sie zeigen, wie geschlossen das Gremium hinter dem Zinspfad stand, den 16 Mitglieder mit mindestens einem weiteren Schritt bis Jahresende skizziert hatten. Auch Kevin Warshs Haltung zur Dezember-Entscheidung könnte darin durchscheinen.

Für Bitcoin sind die Minutes kein direkter Kurstreiber, aber ein Stimmungsindikator. Zeigen sie eine gespaltene Fed, steigen die Chancen auf eine Dezember-Pause. Signalisieren sie breiten Konsens für weitere Erhöhungen, dürfte der Druck anhalten. Der nächste strukturelle Datenpunkt ist der Oktober-CPI Mitte des Monats.