Bitcoin hat sich in den vergangenen 48 Stunden über die Marke von 70.000 US-Dollar zurückgekämpft. Treiber war vor allem eine Entspannung der geopolitischen Lage: US-Präsident Donald Trump deutete an, dass der Konflikt mit dem Iran bald enden könnte. Doch die Erholung steht auf einem wackligen Fundament.
Geopolitik als Zündfunke
Die Eskalation im Nahen Osten – ausgelöst durch US-amerikanische und israelische Angriffe auf iranische Ziele sowie Teherans Gegenschläge – hatte die globalen Märkte wochenlang belastet. Als Trump vergangene Woche versöhnlichere Töne anschlug, drehten der S&P 500 und Bitcoin nahezu gleichzeitig nach oben.
Bemerkenswert dabei: Bitcoin schlug Gold in diesem Zeitraum deutlich. Seit Freitag verlor Gold knapp 2 Prozent, während Bitcoin rund 12 Prozent zulegte. Das ist eine klare Trendwende gegenüber den Vormonaten, in denen Gold als bevorzugter sicherer Hafen galt. Ob das eine dauerhafte Verschiebung ist oder nur eine kurzfristige Reaktion, lässt sich noch nicht sagen – dafür ist die Erholung zu frisch.
Gleichzeitig zeigt sich ein strukturelles Problem: Bitcoin korreliert derzeit mit 85 Prozent Übereinstimmung mit dem Nasdaq-100. Die jahrelang angestrebte institutionelle Einbindung über ETFs und Bankeninfrastruktur hat Bitcoin enger an traditionelle Märkte gekoppelt – mit der Folge, dass positive Branchennachrichten zunehmend im Rauschen globaler Makrotrends untergehen.
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Institutionelle Weichen werden gestellt
Trotz der makrogetriebenen Preisbewegung gab es diese Woche mehrere strukturell bedeutsame Entwicklungen. Morgan Stanley benannte die Bank of New York Mellon als Verwahrstelle für sein Bitcoin-ETF-Engagement. Die Kryptobörse Kraken erhielt Zugang zum Zahlungssystem der US-Notenbank Federal Reserve. Und die Intercontinental Exchange (ICE), Betreiberin der New York Stock Exchange, investierte in die Kryptobörse OKX bei einer Bewertung von 25 Milliarden US-Dollar.
Auf der Kapitalfluss-Seite kehrt Bewegung zurück: Im März flossen bislang knapp 700 Millionen US-Dollar in US-amerikanische Bitcoin-ETFs. In der Vorwoche verzeichneten diese Produkte laut Binance Research rund 787 Millionen Dollar an Nettomittelzuflüssen – die ersten positiven Wochenzahlen seit Mitte Januar. Zudem sind die Funding Rates für gehebelte Long-Positionen auf den niedrigsten Stand seit 2023 gefallen, was auf eine weitgehend bereinigte Spekulationsposition hindeutet.
Bhutan verkauft, Strategy kauft
Zwei gegensätzliche Bewegungen auf der Blockchain illustrieren, wie unterschiedlich große Halter derzeit agieren. Die bhutanische Staatsinvestitionsgesellschaft Druk Holding & Investments transferierte am Montag 175 Bitcoin im Wert von rund 11,85 Millionen US-Dollar – Teil eines Musters, das sich durch das gesamte Jahr 2026 zieht. Die gesamten Bitcoin-Abflüsse Bhutans belaufen sich 2026 damit auf rund 42,5 Millionen US-Dollar.
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Das Unternehmen Strategy hingegen baute seine Position im gleichen Zeitraum deutlich aus und erwarb 17.994 Bitcoin. Der Gesamtbestand liegt nun bei 738.731 Coins.
Regulatorischer Rahmen nimmt Form an
Zwei politische Vorhaben dürften den Bitcoin-Markt in den kommenden Monaten beschäftigen: Der sogenannte CLARITY Act soll Entwickler nicht-verwahrter Bitcoin-Software vor Haftungsrisiken schützen. Darüber hinaus arbeitet die US-Regierung an der konkreten Ausgestaltung einer nationalen Bitcoin-Reserve. Beide Vorhaben sind noch nicht abgeschlossen, könnten aber bei Umsetzung erhebliche Signalwirkung entfalten.
Kurzfristig bleibt der Kurs – aktuell rund 21 Prozent unter dem Stand zu Jahresbeginn – anfällig für neue Schocks aus dem geopolitischen oder makroökonomischen Umfeld. Solange die Lage im Nahen Osten nicht dauerhaft deeskaliert und die Korrelation mit Risikoassets hoch bleibt, dürfte jede Erholung auf Widerstand treffen.
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