Ein gescheitertes Verfahrensvotum im US-Senat hat den Bitcoin-Kurs am Dienstag unter Druck gesetzt. Der Digital Asset Market Clarity Act, das lange erwartete Marktstrukturgesetz für Kryptowährungen, kam bei der Abstimmung über die Eröffnung der Debatte nur auf 50 Ja-Stimmen. Nötig gewesen wären 60 – zehn fehlten, obwohl die Republikaner mit 53 Sitzen theoretisch nur sieben Demokraten hätten überzeugen müssen.

Der Kurs reagierte prompt. Bitcoin fiel im Tagesverlauf um bis zu fünf Prozent auf unter 75.000 Dollar und markierte damit den tiefsten Stand seit dem 21. August. Zum Abend hin erholte sich die Notierung leicht auf rund 75.600 Dollar, blieb aber deutlich unter dem Niveau vom Vortag. Damit ist die Erholung, die den Kurs Anfang September noch über 82.000 Dollar getrieben hatte, erst einmal beendet.

Ethikstreit blockiert Gesetz

Am Scheitern hing zuletzt vor allem eine Detailfrage: Demokraten forderten schärfere Ethikregeln für Amtsträger, die auch Angehörige einbeziehen und große Krypto-Beteiligungen binnen 180 Tagen zum Verkauf zwingen sollten. Hintergrund sind die Krypto-Geschäfte im Umfeld von Präsident Trump. Die Republikaner hatten am Sonntag noch eine überarbeitete Fassung mit mehr als 120 nachverhandelten Punkten vorgelegt – am Ende reichte es nicht.

Senatorin Cynthia Lummis, die zentrale Verhandlerin auf republikanischer Seite, hatte vor der Abstimmung gewarnt, ein Scheitern könnte endgültig sein. Mit Blick auf den Kalender liegt sie damit nicht falsch: Bis zu den Kongresswahlen bleiben nur noch rund drei Wochen Arbeitstage, danach dominiert der Wahlkampf.

Zum Vergleich zeigt der GENIUS Act aus dem Vorjahr, dass ein gescheitertes Verfahrensvotum nicht zwangsläufig das Ende bedeuten muss – dieser fiel 2025 zunächst durch, kam elf Tage später aber mit 66 Stimmen durch. Für den Clarity Act fehlt dafür schlicht die Zeit.

Parallel zum Kursrückgang bei Bitcoin gerieten auch Kryptowerte wie Coinbase und Circle deutlich unter Druck. Zusätzlichen Gegenwind lieferte der Anleihemarkt: Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen kletterte auf den höchsten Stand seit 2007, was spekulative Anlagen wie Bitcoin gegenüber sicheren Papieren unattraktiver macht.

Aufsichtsbehörden übernehmen provisorisch

Ohne Gesetz bauen SEC und CFTC ihre eigenen Regeln unterdessen weiter aus. Die SEC hat vorgeschlagen, Start-ups Token-Verkäufe bis 75 Millionen Dollar ohne Registrierung zu erlauben, die CFTC genehmigte bereits erste Bitcoin-Perpetual-Futures in den USA. Der Haken dabei: Solche Verwaltungsentscheidungen lassen sich mit einem Führungswechsel in den Behörden ebenso leicht wieder kassieren – die Planungssicherheit eines Gesetzes ersetzen sie nicht.

Mittelfristig bleibt die Bilanz für Bitcoin trotz des aktuellen Rückschlags positiv: In den vergangenen fünf Jahren legte der Kurs um fast 60 Prozent zu. Im laufenden Jahr steht dagegen ein Minus von 13 Prozent zu Buche, nach einem bereits schwachen 2025. Seit dem Rekordhoch von mehr als 126.000 Dollar im Oktober 2025 hat die Digitalwährung damit 40 Prozent ihres Werts eingebüßt.

Ohne neue gesetzliche Leitplanken dürfte die Regulierungsfrage für den Kryptomarkt vorerst ungeklärt bleiben – gelöst wird sie frühestens nach den Kongresswahlen im November.